30. Januar 2018

Von Facebook und herzigen Ohrsteckern

Zur Sache mit den Kinderbildern auf Facebook ist eigentlich schon alles gesagt. Ausser dies: Es ist wie mit den Löchern in den Ohren.

Dieses Bild veröffentlichte ich auf Facebook. Würden meine Kinder in die Kamera schauen, verzichtete ich darauf. Ist das richtig oder falsch?
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Es gibt Fragen im Leben, die lassen sich nicht eindeutig beantworten. Zum Beispiel: Was schmeckt besser, Äpfel oder Birnen? Und wo ists jetzt schöner, am Meer oder in den Bergen?

In diese Kategorie gehört auch die oft geführte Debatte, ob Eltern Fotos und Schnappschüsse ihrer Kinder auf Facebook veröffentlichen sollen, oder eben nicht.

Ich selbst habe eine klare Haltung: Solange meine Kinder nicht selbst entscheiden können, ob sie sich später im Internet sehen wollen oder nicht, gibt es sie auch nicht zu sehen – zumindest nicht von vorne. Die Bilder, die ich poste, sind ein gutschweizerischer Kompromiss.

Für mich stimmt das so. Weil Facebook die Sache mit der Privatsphäre und den Sicherheitseinstellungen mittlerweile recht gut im Griff hat, begründe ich meine Haltung meist mit dem «Recht am eigenen Bild», das jeder Mensch ab Geburt hat, und ich meinen Kids nicht reinquatschen will.

Doch andere Haltungen sind ebenso zulässig, wie zum Beispiel die von Markus Tschannen. Er schreibt im Mamablog des «Tages-Anzeigers» zu Recht, dass vernünftige Eltern durchaus einschätzen können, welche Bilder oder Videos ihrem Nachwuchs später peinlich sein könnten und welche nicht.

Tatsächlich: Gewisse Entscheide treffen Eltern für ihre Kinder mit, obwohl es sie genauso oder sogar noch stärker betrifft, als wenn ihr Gesicht auf Facebook oder sonst wo im Internet auftaucht.

Das ist zum Beispiel bei folgenden Themen gesellschaftlich mehr oder weniger akzeptiert:

  • Menüwahl (mit Fleisch, vegetarisch oder gar vegan)
  • Religion (Taufe oder nicht)
  • Schmuck (die Sache mit den Ohrsteckern)

Wenn Eltern für ihre Kinder entscheiden dürfen, dass sie getauft werden, dass das zweijährige Meitli ein herziges Ohrsteckerli bekommt und dass es zum Beispiel kein Fleisch essen darf, dann, ja dann dürfen sie auch Kinderbilder auf Facebook posten.

Aber: Ich tue das wie erwähnt nicht – bin dafür jedoch auch bei den drei anderen Fragen konsequent: Bis meine Kinder selbst entscheiden können, werden sie a) nicht getauft, tragen b) keinen Ohrschmuck und dürfen c) alles essen, was es gibt.

Und das Fass mit den Bubenbeschneidungen aus religiösen Gründen wollen wir jetzt nicht auch noch aufmachen ...

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