27. Juli 2017

Vom Grossen Moos ins kleine Dickicht

Die Drei-Seen-Radtour von Hagneck über Ins, Cudrefin und St. Aubin nach Murten

Cudrefin: Blick aufs gegenüberliegende Neuchâtel
Am idyllisch unaufgeregten Strand von Cudrefin ein Blick aufs gegenüberliegende Neuchâtel: Diese Weite nach dem überschaubaren Bielersee und den Schleichwegen durchs Grosse Moss und hinter dem Mont Vully.
Lesezeit 4 Minuten

Mein Ziel für einen veränderlichen (trockenen) Julitag lautete, mit dem Bike mindestens je einmal eine hübsche Ansicht des Bieler-, Neuenburger- und Murtensees mitzunehmen – notabene von mehrheitlich unbekannteren Orten als Biel, Twann, Neuenburg, Yverdon oder Murten. Dazu wollte ich endlich einmal den Zufluss des Hagneckkanals betrachten (seit der Bieler Jugendzeit immer vorbeigefahren …) und eine Prise vom Grossen Moos sowie von der Rückseite des Mont Vully mitnehmen. Zudem hoffte ich neben hügelig-abwechslungsreichen Landschaften auch einen lebendigen Mix aus heutiger (Land-)Wirtschaft, Siedlungen zwischen Bauernkaff (Vallon!), historisch anmutendem Tourismusmekka (Murten) und Restindustrie- oder Verteilzentren (z.B. Domdidier) und deren Verkehrswege mitzunehmen. Das Fazit vorweg: Das ist im vorliegenden Vorschlag alles machbar, wenn man sich einen ganzen Tag einplant.

Route Grenchen-Weissenstein-Solothurn

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1350x1350px / © swisstopo)

Warum gleich einen ganzen Tag? Erstens führt die Strecke doch über minim mehr als 60 Kilometer. Zweitens benötigt man gerade bei sommerlich warmen Temperaturen dabei Pausen, und einige davon darf man fast nicht auslassen: Fährt man zu schnell von Vinelz nach Ins, übersieht man (wie ich) das eine oder andere über Strässchen oder Feld setzende Reh oder die Feldhasen, nach Ins im Grossen Moos lohnt sich das Bestaunen von immensen Sonnenblumen- und anderen Feldern, oder das der letzten Moorreste am Bach des dunkel-lauschigen «Staatswalds», der im Übrigen ebenfalls einen Stopp respektive ein kurzes Befahren auf dem Waldweg lohnt.

Später gibts auch entschieden andere als kontemplative Höhepunkte. Von dem autofreien Strässchen von Sugiez bis Cudrefin sollte man sich an der wohl schönsten Strandanlage der drei Seen erholen: unaufgeregt, nicht überlaufen, ohne aufgesetzte Sandanlage (wie Portalban später), mit einladender Wiese mitsamt Spielplatz, lange untiefem Seerand – und bester Sicht aufs genau gegenüberliegende Neuenburg.

Das nach der Abzweigung auf einen Feldweg eingangs Gletterens folgende Vallon ist ein traditionelles Bauerndörfchen im besten Sinn. Auch die nächsten grösseren Orte Missy und St. Aubin locken mit dem Charme ländlicher Beiläufigkeit, ein Werbeschild an der Strasse macht auf einen Physiotherapeuten mit Nebenspezialität Pferde aufmerksam. Vielleicht braucht man nach der Behandlung dank neuer Galoppqualitäten kein Zweirad mehr ...

Es folgen zum Schluss die bekannteren Highlights mit römischen und/oder Mittelalterzeugen in Avenches und Murten. Dabei gefiel uns das von viel weniger Touristen bevölkerte Aventicum mit dem teils erhaltenen Theater weit besser, sofern man die Stadtbefestigung mit Rundgangmöglichkeiten nicht gross vermisst. Am lauschigsten erholt man sich neben der Madeleine-Kirche in der Couronne, fast nur Einheimische trifft man weiter unten am historischen Stadtgässchen im Les Arcades.

Ach ja, fast hätten wir den dritten Grund für die volle Ein-Tages-Tour unterschlagen, er bildet einen weiteren landschaftlichen Höhepunkt auf dem seenahen Auenweg kurz vor Portalban, funktioniert jedoch zugleich als veritabler Bremser (mindestens nach Regen wie bei unserer Tour): Das Dickicht um den 1,5-Kilometer-Abschnitt zwischen Champmartin und Portalban, prompt als Weg im teilweise schlechten Zustand deklariert, erweist sich als eindrücklich, aber mit etlichen Strauch- und Baumhindernissen sowie ein paar kleineren Tümpeln nur für abgebrühte und reichlich erfahrene Biker ... befahrbar. Wer ausweichen will, muss von Cudrefin bis Chavrey auf die Hauptstrasse, verpasst den längeren lauschigen Auenabschnitt davor und neben einigem Dreck und zwei bis drei kleinen Schrammen etwas Abenteuerromantik.

Geeignet für Geniesser mit ein bisschen Ausdauer (oder E-Bike), für 1 km vor Portalban mit einem Hauch Abenteuergeist ...
Höhepunkt: Gostel-Weg von Vinelz Richtung Ins, Velosträsschen hinter dem Mont Vully
Pause: Zentrum oder Strand Cudrefin (Beiz beim Kreisel St.Aubin), Avenches
Dauer ca. 5 Std. 15
Höhenmeter (bergauf): 380 m

Trümpfe Obergrenchenberg / Weissenstein

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