20. Oktober 2018

Vertrauen ist gut ...

Unsere Stadt-Land-Kolumnistin wird von der Polizei kontrolliert. Danach ist sie im Stress.

Mann mit Lupe
Unsere Kolumnistin wurde genau unter die Lupe genommen. (Bild: unsplash.com)
Lesezeit 2 Minuten

Nachts um 1.30 Uhr fahre ich los. Das Ziel: mein Bett. Ich habe den Abend mit meinen Freundinnen verbracht, wir wollten uns selber Pokern beibringen. Gepokert haben wir etwa eine halbe Stunde, dann ist eine Diskussion über Adoption ausgeartet. Nicht, dass jemand von uns direkt betroffen wäre. Aber wir sind so eine Clique, die sich gern gegenseitig Pros und Contras ins Gesicht schreit. Am Schluss hat natürlich jede dieselbe Meinung wie vorher. Das macht das Ganze ja so lustig.


Ich fahre also nach Hause, schüttle noch immer den Kopf über die hirnrissigen Argumente, da steht ein Polizeiwagen am Strassenrand. Prompt winken sie mich heraus. «Ihr rechtes Standlicht funktioniert nicht», informiert mich die Polizistin. Hatte ich geahnt. Schon mehrmals haben mir in den letzten Tagen andere Autofahrer die Lichthupe gegeben. Anfangs hatte ich eine Horde von Blitzkästen vermutet, dann merkte ich, dass sie mich eher vor mir selber warnen wollten.


Die Polizistin kontrolliert meinen Fahrzeugausweis. Ob ich nach Hause fahre? Ja. Ob ich weit habe? Nein, ins Nachbardorf. Sie stutzt. Bei der Adresse auf dem Ausweis stehe ein anderer Wohnort. Upsi, nicht ändern lassen, denke ich. «Das gibt einen Verzeig!», ruft sie. Weil ich von der Adoptionsdiskussion wohl so müde aussehe, drückt sie ein Auge zu. Innert einer Woche müsse ich Licht sowie Adresse in Ordnung bringen und das auf dem Polizeiposten beweisen. Nur so käme ich ungestraft davon. Ich nicke eifrig.

Am nächsten Tag bearbeite ich online die Adresse. Am übernächsten fahre ich noch vor der Arbeit in die Garage – endlich im Zug nach Zürich, gibt es eine Billettkontrolle. Kein Problem, ich habe ein Abo. Wenn ich nur meine Brieftasche nicht zu Hause hätte liegen lassen.

Benutzer-Kommentare