03. August 2017

Verpasster 1. August

Brave New Girl verspürt nach einer Gedenkfeier für die Opfer des 1. Weltkriegs keine Lust, die heile Welt zu feiern.

Gräber von im 1. Weltkrieg Gefallenen
Die Gräber von im 1. Weltkrieg Gefallenen in Verdun. (Bild: Pixabay.com)
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Dabei sein ist alles, auch am Nationalfeiertag. Mein halber Freundeskreis war am 1. August um den See verstreut, warf Fleisch auf den Grill und Geld in die Luft. Ich war gerade von einem Roadtrip in Belgien und Frankreich zurückgekehrt und nach acht Stunden Fahrt nicht gerade in Feierlaune.

Also blieb ich allein zu Hause, während draussen die Stadt in den akustischen Ausnahmezustand überging. Auf Facebook sah ich euphorische Posts von Patrioten, die sich die volle Dröhnung gaben: Schwiizer Fähnli, Sennenhemd, Rütli-Ansprachen; Cervelat und Feldschlösschen-Bier.

Ich habe Nationalstolz nie ganz verstanden. Der Duden definiert das Adjektiv «stolz» so: «von Selbstbewusstsein und Freude über einen Besitz, eine [eigene] Leistung erfüllt; ein entsprechendes Gefühl zum Ausdruck bringend oder hervorrufend».
Dass wir hier geboren worden sind, ist allerdings pures Glück, das jedem widerfahren kann. Ja, wir arbeiten hart für unseren Wohlstand. Aber andere arbeiten auch hart. Im Gegensatz zu uns haben sie jedoch nicht einen Bruchteil der Chancen, die sich uns hierzulande bieten.

In der belgischen Stadt Ypern nahm ich an einer Gedenkfeier für die Opfer des Ersten Weltkriegs teil. Auf der Heimfahrt fuhr ich am Mahnmal in Verdun vorbei, wo die Gebeine von 130'000 Soldaten aufbewahrt werden und 16'000 Gräber für französische Soldaten aufgereiht sind. Die Wiese voller weisser Kreuze scheint endlos.

Mit diesen Bildern im Kopf heimkommen und unsere heile Welt feiern? Weil die Schweiz ein so vorbildliches Land ist? Unmöglich.

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