08. November 2018

Veronica Fusaro glaubt an ihren Traum

Ihr Gewinn bei der Demotape Clinic 2016 von m4music machte die 21-jährige Thunerin Veronica Fusaro zur Profimusikerin – auch wenn für sie diese Bezeichnung noch seltsam tönt. 

Veronica Fusaro
Veronica Fusaro ist in einem Jahr um die Welt gereist und hat die Musikbranche so richtig kennengelernt.

Veronica Fusaro, wo gibt es die verrücktesten Fans?

In Singapur: Dort durfte ich 2018 ein Konzert spielen. Die Leute kannten mich noch nicht so gut, aber ich habe wohl noch nie so viele Selfies gemacht. Alle schrien «Take a picture!».

War das Ihr Karriere-Highlight?

Es passiert gerade viel Verrücktes. Die Baloise Session im Oktober war sehr speziell, am selben Tag kam die neue Single «Venom» raus. Aber auch die vielen Reisen sind toll – ich wäre sonst wohl nie nach Singapur gereist.

Wo waren Sie überall dieses Jahr?

Ich habe fast die Welt gesehen! Insgesamt spielte ich 120 Konzerte. Zuerst trat ich an den Olympischen Winterspielen in Südkorea auf, danach in Deutschland, Frankreich, England und eben Singapur. Aber auch die Konzerte in der Schweiz sind jedes Mal toll. Und das Aufregendste kommt ja noch: Im November spiele ich in Australien, Neuseeland und Bangkok. Ich bin schon gespannt.

Das tönt etwas nach Jetset-Leben …

Ein bisschen, ja (lacht). Es ist crazy, vorher bin ich nie so oft gereist. Ich versuche, mir trotz des vollen Programms Zeit zu nehmen, um die Orte anzuschauen.

Sie gewannen bei der Demotape Clinic 2016 die «Demo of the Year», die wichtigste Auszeichnung von m4music, dem Popmusikfestival des Migros-Kultrprozents. Was hat sich seither verändert?

Das war ein sehr wichtiges Kapitel für meine Karriere. Vorher kannte mich eigentlich niemand. Ich stellte damals meine erste EP «Lost in Thought» auf Soundcloud, aber hatte keine Ahnung, wie die Musikbranche funktioniert. Nachdem ich gewonnen hatte, wurde ich von SRF3 entdeckt und im Radio gespielt. Ich begann mit meinem Manager zusammenzuarbeiten und gab mehr Konzerte.

War es der Moment, das Hobby zum Beruf zu machen?

Ich realisierte zumindest, dass mein Traum, von der Musik leben zu können, tatsächlich in Erfüllung gehen könnte. Aber die Musik war nie nur ein Hobby für mich, sie war und ist meine grösste Leidenschaft. Die richtigen Leute haben mir einen Weg aufgezeigt, den ich seither gehe und dabei gesund wachsen kann. Es tönt seltsam, wenn ich sage, ich sei Musikerin. Aber es ist auch cool.

Eine CD zu hören ist ein langsamerer Konsum als Streaming. Das finde ich schön.

Ist die Musikbranche heute härter? 

Ich kenne sie ja nicht anders. Mit Streaming verdient man nur wenig Geld, aber die Statistiken dazu wurden immer wichtiger. Das finde ich schade, denn eigentlich sollte die Musik im Vordergrund stehen. Gleichzeitig bieten sich dadurch Chancen: Schnell landet man auf einer Playlist und wird von mehr Menschen gehört als über die herkömmlichen Kanäle. Und die Digitalisierung bringt auch positive Veränderungen: Früher musste man für die Aufnahmen ins Studio gehen, heute mache ich fast alles zu Hause im Keller meiner Eltern.

Wie sonst, statt mit Streaming, verdienen Sie Ihr Geld?

Mit Konzerten, den Urheberrechten und CD-Verkäufen an den Konzerten. Die Menschen wollen nach wie vor etwas in den Händen halten. Diese Art von Konsum ist langsamer als beim Streaming, das finde ich schön.

Können Sie von der Musik leben?

Ich wohne noch bei meinen Eltern, sie wollen mich noch nicht loswerden (lacht). Dieser Umstand und die Unterstützung durch Förderprojekte ermöglichen es mir, von der Musik zu leben. Vor einem Jahr hätte ich noch nicht daran geglaubt.

Würden Sie rückblickend etwas anders machen?

Vielleicht hätte ich im Nachhinein meinen Dickschädel nicht immer durchsetzen müssen. Öfters mal nachgeben wäre nicht schlecht.

Was haben Sie gelernt?

Ich weiss heute, wie man Konzerte veranstaltet, wie die Labels funktionieren und wie man Promo macht. Mir ist das wichtig. Je mehr du selbst weisst, desto weniger können dir andere etwas vormachen.

Auf welcher Bühne möchten Sie gern noch spielen?

Es gibt ein paar coole auf der Welt. Aber der Madison Square Garden wäre schon was. Bastian Baker hat es auch schon geschafft, warum also nicht?

Die neue Single «Venom» erschien am 19. Oktober bei «deepdive records».

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