07. September 2017

Verbotene Liebe hinter Klostermauern

Lea Gafner hat als Maturarbeit einen Liebesroman geschrieben, der zur Zeit der Reformation in einem Schweizer Kloster spielt. Ein prickelndes Setting in einer Epoche des Umbruchs, in der ein Hauch von Freiheit wehte – und ein erfrischender Blick auf einen sonst eher trockenen Schulstoff.

Lea Gafner
Lea Gafner im Kreuzgang des Zürcher Grossmünsters – der Kirche, in der Zwingli zur Zeit der Reformation wirkte.
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Sie wisse nicht so recht, ob es anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Reformation überhaupt etwas zu feiern gebe, erklärt Lea Gafner mit nachdenklicher Miene. Schliesslich hätte diese auch negative Folgen gehabt. «Die Religionskriege im 16. und 17. Jahrhundert zum Beispiel ­waren für die Bevölkerung eine grosse ­Katastrophe. Ich bin zwar froh, dass wir heute so frei leben können, aber das verdanken wir nicht der Reformation allein.»

An das 2017 anstehende Jubiläum habe sie auch keine Sekunde gedacht, als sie sich vor drei Jahren entschied, als Maturarbeit einen Roman zu schreiben, der in der Reformationszeit in der Schweiz spielt. «Ich habe mich schon als Kind für Geschichte und für Kirchen interessiert», sagt sie und erzählt, wie sie früher mit ihrem Vater, einem Architekten, von Kirche zu Kirche wanderte und ihn ausfragte. «Er konnte mir dazu immer viel erzählen, und so bin ich wohl auf den Geschmack gekommen.»

Auf der Suche nach einem Thema für die Maturarbeit stiess sie auf die unvollendete Novelle «Die sanfte Klosteraufhebung» von Conrad Ferdinand Meyer über das Kloster Königsfelden in Windisch AG. So beschloss sie, eine auf historischen Fakten basierende Geschichte über die Auflösung des Klosters während der Reformation zu schreiben – und diese mit einer Liebesgeschichte zu verbinden; im Kloster lebten nämlich Frauen und Männer. Und so ganz frei erfunden ist auch die Lovestory nicht: «Es wurde damals gemunkelt, dass Treffen zwischen Nonnen und Mönchen stattgefunden hätten», sagt Lea Gafner. «Und eine Nonne und ein Mönch aus dem Kloster haben einander später tatsächlich geheiratet. Sie waren die Vorlage für die Hauptfiguren meiner Geschichte.»

Das Setting in der Reformation fand die Autorin attraktiv, weil es eine Zeit der Umbrüche war. «Es wehte ein Hauch von Freiheit, und viele Entwicklungen waren plötzlich vorstellbar.» So war es damals die Initiative der Nonnen, die zur Auflösung des Klosters Königsfelden führte.

Reformation aus Frauenperspektive»

Der Beisitzer bei ihrer Maturarbeit fand dann, sie müsse ihr Werk «Die Nonne tanzt» unbedingt veröffentlichen. «Als kurz darauf ein Porträt über mich in der Zeitung ‹reformiert› erschien, meldete sich tat­sächlich ein Verleger», sagt Lea Gafner. Nach einigen Überarbeitungen wurde ihr Buch 2015 im Cosmos-Verlag publiziert.

Aufgrund des gleichen Zeitungsartikels meldeten sich die Organisatoren der Bündner Reformationsfeiern bei ihr und fragten, ob sie aus ihrer Geschichte ein Theaterstück machen dürften. Diese Aufgabe übernahmen ein Regisseur und eine Dramaturgin. «Ich habe an den Sitzungen teilgenommen und meine Ideen eingebracht, mehr aber nicht», sagt Lea Gafner.

Von der Aufführung war sie dann «absolut begeistert»: «Das Team hat sich eng an die Vorlage gehalten, und die dramaturgische Umsetzung ist ausserordentlich gut gelungen.» Auch das Spiel der jungen Darsteller habe ihr gefallen: «Es hat das Publikum berührt.»

Gafner hofft, dass sie mit ihrem Roman aus der Frauenperspektive die in der Schule eher trocken vermittelte Geschichte der Reformation für ihre Generation etwas zugänglicher gemacht hat. «Es haben auch einige Schulklassen das Stück gesehen, vielleicht interessiert sich der eine oder die andere nun etwas mehr für diese Zeit.»

Lea Gafner studiert derzeit Slavistik und Geschichte an der Universität Zürich.

Dem Thema Geschichte bleibt sie weiterhin treu. Die 21-­Jährige studiert es an der ­Uni ­Zürich – neben dem Hauptfach Slavistik. Was daraus beruflich einmal werden soll, weiss sie jedoch noch nicht. Unter der Woche wohnt die junge Singlefrau in Zürich, die Wochenenden verbringt sie meist im Elternhaus in Zizers GR, wo sie gern lange Spaziergänge mit dem Familienhund macht. Zudem singt sie im Bündner Jugendchor.

Lea Gafner ist reformiert aufgewachsen, interessiert sich für Religion jedoch vor allem wegen ihrer Bedeutung in der Geschichte: «Bis in verhältnismässig neuere Zeit war die Religion im Alltag aller Schichten absolut zentral und prägte das Denken und Handeln der Menschen massgeblich.»

Obwohl sie schon früher gern geschrieben habe, besonders Tagebücher, sei «Die Nonne tanzt» ihre erste richtige Geschichte. Und ein bisschen staunt sie noch immer, dass ihre Maturarbeit nun solche Publizität bekommen hat. Ob es noch weitere Romane geben wird, ist offen. «Ideen hätte ich schon», sagt Gafner, aber noch sei nichts konkret. «Das Studium ist erst mal wichtiger.»

Lea Gafner: «Die Nonne tanzt», Cosmos Verlag 2015, auf www.exlibris.ch für Fr. 24.–

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