10. August 2017

Die Cannobina, das schönste V-Tal

Die Velotour von Bellinzona/Locarno über Cannobio und Domodossola nach Verbania (und zurück): ausnahmsweise etwas für sportlichere «Gümmeler».

Ponte Spoccia (Valle Cannobina)
Blick zurück auf den Weiler Ponte Spoccia (Valle Cannobina)
Lesezeit 3 Minuten

Es heisst, die Erinnerung sei das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann. Aber kann man ein einmaliges Erlebnis wiederholen?
Vor beinahe 30 Jahren «jagte» mich mein Bruder – schon da ein richtiger Gümmeler im Radklub – statt über Ponte Brolla-Intragna über Cannobio ins Centovalli (der italienische Teil ab Re heisst üblicherweise Valle Vigezzo) hinauf. Das paradiesische Tal blieb im Kopf haften, aber nicht wirklich detailliert. Eigentlich bestand es aus dem Bild eines lang gezogenen Strässchens im Wald und eines hübschen Grottos (Al Mater) mit Terrässchen. Da hatte der Velokapitän die Pause angeordnet, als mein Tritt gar zu holprig wurde...

Ansonsten konnte ich mich bis Ende Juli an nichts mehr erinnern: zu lange her. Und wenn man immer murksend über dem Lenker hängt, kriegt man nur wenig von der Landschaft mit. Deshalb lässt sich das Erlebnis 2017 nicht wiederholen, in Sachen Eindrücken erweist es sich als überwältigender. Fährt man von Locarno über Brissago ins Valle Cannobina und weiter bei Malesco ins Vigezzo/Centovalli, verpasst man allein die eindrückliche Kirche in Re, dazu zwei bis drei lohnende Ansichten in und nach Intragna – vor allem aber viel Verkehr.
Dafür geniesst man auf den 25 Kilometern von Cannobio (Camping und Kern sind übrigens eines der lohnendsten Ziele am Lago Maggiore) über Finero nach Malesco eine einmalige Landschaft. Ich kenne in der Schweiz kein ähnliches V-Tal: Nur sehr spärlicher Tourismus in pittoresken Dörfchen, durchgehend bewaldet, tief zerklüftet bis zum Flussbett, das bis kurz vor dem Passübergang immer tiefer entschwindet, während sich die Strasse mal exponiert, später immer entspannter (richtig steil wirds nie) auf den Hängen emporschlängelt.

Route Cannobio-Verbania

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1350 x 800 px / © swisstopo)

Um das Cannobina auf einfachstem Weg (neben dem geteerten Strässchen gäbs auch Mountainbikerouten!) kennenzulernen, empfehlen sich von Frühling bis Spätherbst verschiedene Velorouten, abhängig davon, ob man trainingsmässig viel Kilometer abspulen oder eher unangestrengter geniessen möchte. 100 Kilometer mit ca. 1000 Höhenmetern fahren, sollte man aber können. Klar: Das E-Bike erhöht die Distanzen natürlich.

1. Kurzvariante: Von Locarno über Cannobio, Malesco, an Domodossola vorbei nach Verbania. 105 Kilometer mit minim unter 1000 Höhenmetern. Vorher die Kursschiffe checken und von Verbania nach Locarno den Lago Maggiore geniessen. Steigt man schon in Bellinzona statt in Locarno aufs Rad, resultieren knapp 125 Kilometer und 100 Höhenmeter mehr.

2. Langvariante: Von Locarno oder gar schon Bellinzona selbe Route wie 1., aber statt nach Verbania 3 Kilometer weiter den See entlang zur Fähre in Intra pedalen, dort für 5 Euro nach Laveno-Mombello übersetzen und anschliessend an der Ostküste des Maggiore nach Bellinzona (zurück). 1500 Höhenmeter auf 170 (ab Locarno) respektive knapp 190 Kilometern.

3. Challengevariante: Gleich wie 2., aber die ganz harten Rennradler mit Bedürfnis nach Höhenmetern fahren auf dem Rückweg von Maccagno über Indemini in die Magadinoebene. Kaum steile Abschnitte, aber praktisch 1200 Höhenmeter mehr. Und: noch ein sehr spezielles Tal zum Entdecken.

Geeignet für (trainierte) Rennvelo-Gümmeler
Höhepunkt: Valle Cannobina
Pause: Camping Valle Romantica nach Cannobio, St.Maria Maggiore, Mergozzo
Dauer:Je nach Route 4 Std. 15 (Locarno-Verbania) bis 8 Std. 15 (Bellinzona-Bellinzona über Indemini)
Höhenmeter (bergauf): rund 1500 m (Bellinzona-Bellinzona ohne Indemini)

Trümpfe Cannobio-Velotour

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