30. Oktober 2018

Unterwegs mit den Geisterjägern

Machen angeblich Geister in einem Haus den Bewohnern das Leben schwer, kommen Thomas Frei und Anita Voser zum Einsatz. Mit Hightech und Spezialkräften vertreiben die «Ghosthunter» paranormale Erscheinungen.

Emmental
Mystische Stimmung im Emmental – hat es hier Geister?

Es geht nicht mit rechten Dingen zu in dem alten Haus. Das zumindest behaupten die Bewohner – eine vierköpfige Familie irgendwo im Emmental. Die Pendeluhr des verstorbenen Grossvaters verschiebt sich plötzlich ruckartig von allein an der Wand, die siebenjährige Tochter sieht Gestalten in ihrem Kinderzimmer, der Mutter wird plötzlich kalt – auch im Sommer. Spuken womöglich Geister in diesem Haus? Oder gibt es für die unerklärlichen Ereignisse doch eine logische Erklärung? Um diese Fragen zu beantworten, hat die Familie den Geisterjäger Thomas Frei und seine Partnerin Anita Voser engagiert. Die beiden sind die Initianten des Vereins Ghosthunters Schweiz. Wer das Gefühl hat, von einem geisterhaften Wesen belästigt zu werden, kann sich bei ihnen melden.

Sechster Sinn für Energiewesen

Es dämmert bereits, als die Ghosthunters mit ihrem Auto vor dem angeblichen Spukhaus vorfahren. Die beiden sind nicht zum ersten Mal bei der Familie. Weil die Mutter sich gern mit Paranormalem beschäftigt, ruft sie laut Thomas Frei die Geister immer wieder selbst zu sich ins Haus. «Wir müssen dann immer aufräumen kommen», sagt der 46-Jährige. Dass es Geister gibt, ist für die Ghosthunter keine Frage, sie können diese Energiewesen nämlich sehen. Diese Fähigkeit habe er bereits seit seiner Kindheit, sagt Thomas Frei. Zuerst seien ihm Geister in Träumen erschienen, später hätten sie sich ihm auch in der Wirklichkeit gezeigt, zum Beispiel beim Fernsehen.

Geisterjäger Thomas Frei
Geisterjäger Thomas Frei

«Das ist eigentlich nichts Besonderes. Kinder haben diese Gabe. Ihnen wird von Erwachsenen einfach eingeredet, dass es so etwas nicht gibt. Also verlieren sie sie wieder.» Dass das für jemanden, der weder Energie- noch Elementarwesen sehen kann, ziemlich merkwürdig klingt, ist Thomas Frei durchaus bewusst. «Für manche bin ich ein Spinner. Aber das ist okay. Jeder soll glauben, woran er will.»

Es sei aber auch klar, dass nicht alle unerklärlichen Vorgänge eine übernatürliche Ursache haben. Um ernst genommen zu werden, versuchen die Ghosthunter, zuerst rationale Erklärungen zu finden. Berichten Bewohner von Klopfzeichen im Estrich, schaut Frei zuerst nach Kot von Tieren, die dafür verantwortlich sein könnten. Sind rationale Erklärungen ausgeschlossen worden, kann es losgehen. «Wir spüren Energien auf und bitten sie lediglich, dass sie unsere Welt verlassen sollen.» In der Regel seien die Energiewesen folgsam, schliesslich gebe es auch keine bösen Geister. «Wenn wir sterben, kann die Energie von uns zurückbleiben. Diese geht danach ins Licht», so nennt Thomas Frei die Welt jenseits der weltlichen. «Dort machen wir uns bereit, wiedergeboren zu werden.»

Kommunikation mit Geistern

Bevor er den Geistern im Emmental den Weg ins Licht zeigen kann, müssen die Ghosthunter erst einmal herausfinden, ob es hier überhaupt Energiewesen gibt. Im Kinderzimmer kommt der «Ghost Meter Pro» zum Einsatz – eine Kreuzung zwischen einer XXL-Fernbedienung und einem Geigerzähler. Er misst Magnetfelder und dient als Kommunikationsgerät. Nähert sich ein Energiewesen, messe das Gerät das veränderte Magnetfeld in der Umgebung und schlage dementsprechend aus. Um mit den Geistern Kontakt aufzunehmen, müsse man diesen Fragen stellen.

Geisterjagd mit dem «Ghost Meter Pro»
Ein wichtiges Instrument für die Geisterjagd ist der «Ghost Meter Pro».

Anita Voser hält den Ghost-Meter in die Luft und fragt in den Raum: «Ist hier jemand anwesend?» Der Ghost-Meter rauscht, ein rotes Lämpchen an der Spitze des Geräts blinkt unregelmässig. Dann wird es plötzlich still, die rote Lampe bleibt an. Für die 52-Jährige ein Zeichen, dass ein Energiewesen präsent und zur Kommunikation bereit ist. «Bist du ein Mann? Ein Mal blinken heisst ja, zwei Mal nein», sagt sie. Die ganze Familie hat sich im Kinderzimmer versammelt, alle starren gespannt auf das Gerät. Es blinkt tatsächlich zwei Mal. «Es ist eine Frau», stellt Anita Voser fest. «Gehörst du zur Familie?» Der Ghost-Meter blinkt zwei Mal. «Aha, jemand auf der Durchreise.» Thomas Frei hakt nach: «Bist du das, der ab und zu in diesem Kinderzimmer verweilt?» Die Frage bleibt unbeantwortet.

Auch therapeutische Arbeit

Die Ghosthunter sind überzeugt, dass das Gerät funktioniert, betonen aber, sie hätten auch schon andere Beweise für Geistererscheinungen auf Video festhalten können. Nach einer halben Stunde ist die Untersuchung im Kinderzimmer abgeschlossen. Besonders gesprächig zeigten sich die Energiewesen nicht. Für Thomas Frei jedoch reichte es aus, um zu zeigen, dass es sie hier tatsächlich gibt. Er wendet sich an die Tochter: «Du musst aber keine Angst haben. Das sind alles gute Geister, sie tun dir nichts. Sie huschen nur schnell vorbei und wollen hier gar nicht bleiben.»

Anschliessend findet in der Küche mit den Eltern die Nachbesprechung der Geisterkommunikation statt. Die Geisterjäger spüren nämlich nicht nur Energiewesen auf, sie ordnen die Ereignisse auch ein und arbeiten, wenn es sein muss,therapeutisch. «Eure Tochter hat ziemlich sicher etwas gesehen», sagt Frei. «Aber ich glaube auch, dass sie die Erscheinungen benutzt, um eure Aufmerksamkeit zu bekommen.»

Ausbildung zum Geisterjäger

Geld verdienen die Geisterjäger mit ihren Diensten keins, sagen sie. Aber für 377 Franken kann man sich bei ihnen in zwei Tagen zum Geisterjäger ausbilden lassen. Die Teilnehmer werden dabei unter anderem mit den Gerätschaften vertraut gemacht und in Psychologie geschult. Hotelkosten, Essen und Getränke für das ganze Wochenende sind im Preis enthalten. Was übrig bleibt, fliesst in die Vereinskasse. «Es geht nicht ums Geldverdienen, sondern darum, die Ghosthunter-Szene zu standardisieren», sagt Thomas Frei. Bis jetzt haben 17 Teilnehmer einen Kurs besucht. Er selbst ist diplomierter Krankenpfleger, absolvierte ein Studium zum Komplementärmediziner, ist Hypnosetherapeut und hat wie Anita Voser eine mediale Ausbildung gemacht. Laut Frei gibt es Monate, in denen die Ghosthunters vier bis fünf Mal in der Woche unterwegs sind, dann gebe es wieder ruhigere Zeiten.

Geisterjagd mit der Videokamera
Mit einer Videokamera wird alles aufgezeichnet. Ab und zu, so sagen die Geisterjäger, auch Energiewesen in Form von schwarzen Silhouetten oder einer Art Nebel.

Und weshalb überhaupt haben sie ihren Verein gegründet? «Viele Menschen getrauen sich nicht, über unerklärliche Dinge zu reden, da sie Angst haben, als verrückt hingestellt zu werden. Wir fanden, es ist an der Zeit, damit an die Öffentlichkeit zu gehen und den Menschen diese Angst zu nehmen.» Damit die Geisterwesen im Emmental endgültig den Weg ins Licht finden, macht Thomas Frei ein sogenanntes Clearing. Dabei spricht er zu den Geistwesen und räuchert das ganze Haus aus. Mit einer Falkenfeder läuft er durch alle Zimmer und verteilt den Rauch, der aus indischem Weihrauch, Kampfer und weissem Salbei besteht. «Mach dich bereit, um ins Licht begleitet zu werden», spricht Frei. «Schau dich um, du hast einen geistigen Helfer oder einen verstorbenen Verwandten, der dir hilft und dich begleitet», sagt er. «Möchtest du ihnen auch noch etwas sagen?», fragt er die Mutter. «Lasst meine Töchter in Ruhe!», ruft sie in die Stube hinein.

In einer Filmszene würden spätestens jetzt Gegenstände durch die Luft fliegen. Aber die Geister bleiben ruhig. Erleichtert lässt sich der Ghosthunter auf dem Sofa in der Stube nieder. «Jetzt sollte hier erst einmal Ruhe einkehren», sagt er. Im Haus ist es still geworden. Nur das Ticken der Uhr des Grossvaters ist zu hören. 

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