28. Juni 2017

Uni oder FH?

Ene, mene, muh und raus bist du.

Entscheidung für das passende Studium
Die Entscheidung für das passende Studium fällt fast so schwer wie die Entscheidung fürs beste Zückerli im Candy Store.
Lesezeit 3 Minuten

Aus·schluss·ver·fah·ren [1]: Methode nach der man etwas aussucht, indem man ungeeignet erscheinende Wahlmöglichkeiten eliminiert. Geht auch bei der Wahl des passenden Studiums. Ich habe ausprobiert, gemerkt, dass es nicht passt, aufgehört und weitergemacht.

Die Qual der Wahl

Erschreckend, wie früh wir schon wissen müssen, ob wir mal studieren wollen. Und wenn ja, was. An der Uni oder an der Fachhochschule? Voll- oder teilzeit? Ich gehörte zu den 60 Prozent der Schweizer Maturanden, die erst einmal ein Zwischenjahr absolvieren, und entschied mich für ein Praktikum. Wie gern hätte ich mich schon früh festgelegt und mich mit Leidenschaft und Enthusiasmus in die Forschung transfizierter Zellkulturen eines Campylorhynchus brunneicapillus (das ist ein Vogel) gestürzt. Leider Gottes konnte ich diese Leidenschaft nicht aufbringen. Nach dem einjährigen Praktikum quälte mich wieder dieselbe Frage: Was und wo will ich studieren?

In den Schuhen meiner Schwester

Als jüngste von drei Schwestern ahmte ich schon früh nach, was diese vorlebten. Zum Beispiel, wie man mit dem Zahnputz-Stüehli an den Süssigkeiten-Vorratsschrank in der Küche gelangte oder eben: was man denn so studieren könnte. Die Älteste studierte Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Fribourg. Sie schwärmte, das Studentenleben sei super, die Fribourger Partys weitum berüchtigt. Zudem könne man dort prima sein Französisch aufbessern. Ich schrieb mich ein. Tolles Gefühl.

Das Studentenleben und die Partys waren tatsächlich toll. Aber ich besserte weder mein Französisch auf (immer wenn ich auf Französisch un petit pain beim Bäcker bestellte, bekam ich erstens das falsche Brötli und zweitens auf Deutsch eine Antwort), noch sagte mir das Studium an der Uni zu. Grosse Studiengruppen, riesige Hörsäle, ein Campus so gross wie drei Fussballfelder – das war irgendwie eine Nummer zu gross und zu anonym für mich.

Uni – das wird nix mit uns!

Fluch und Segen zugleich: An der Uni wählt man die Module selbst aus, legt sich einen eigenen Stundenplan zurecht, macht wilde ECTS-Mischrechnungen und entscheidet, ob man sich zur Prüfung anmeldet. Ich war très überfordert. Obwohl die Vorlesungen grösstenteils spannend waren, fehlte mir vor allem eines: der Praxisbezug. Ich lernte für Prüfungen monatelang unzählige Kommunikationsmodelle auswendig, doch hängen geblieben sind nur deren Erschaffer: Watzlawick, Von Thun und Maletzke. Immerhin. Auch wenn ich tolle Studienkollegen ( Hello Dinah! ) kennenlernte, konnte ich mich mit dem Studium an der Universität nicht anfreunden. Ich brach nach einem Semester ab und nahm ein Praktikum bei einer PR- und Eventagentur in Zürich an. Ungeeignet erscheinende Wahlmöglichkeit eliminiert. Check.

Welcher Typ bist du?

Hello FH!

Die Suche nach dem passenden Studium ging weiter. Ich besuchte verschiedene Infoveranstaltungen von FHs. Die Hörsäle waren überschaubar, Modulauswahl und –aufbau überzeugten mich, wie auch der bereits vordefinierte Stundenplan und die gesetzten Prüfungstermine. Das Kommunikationsstudium war ein Teilzeitstudium, somit konnte ich weiterhin 60% in der Agentur arbeiten. Grosses Plus: Bereits an der Uni absolvierte Module konnte ich zum Teil dem FH-Studium anrechnen. Ich schrieb mich ein und dieses Mal blieb ich. An der FH gab es praxisorientierten Unterricht bei Dozenten, die massenweise Case Studies aus der Wirtschaftswelt mitbrachten. Die Modelle von Watzlawick, Von Thun und Maletzke musste ich zwar wieder lernen, doch dieses Mal sind sie haften geblieben.

PS: Den exakt anderen Weg als ich gingen Jona & Elle – zwei, die von der FH an die Uni wechselten. Sie standen der NZZ Red und Antwort .

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