16. Februar 2019

Und was kritzelst du?

Unsere Stadt-Land-Kolumnistin liebt das «Mölele». Du errätst nie, was das über sie aussagt.

Block
Was diese Zeichnungen wohl zu bedeuten haben? (Bild: unsplash.com)
Lesezeit 2 Minuten

Ich tue es an Sitzungen und beim Telefonieren. Früher habe ich es in der Schule getan. Gern gesehen war es nie, gemacht habe ich es doch: nebenbei etwas aufs Papier kritzeln, Auch «mölele» genannt. Herzchen, Blumen, Wolken, «Rundumeli», Menschenköpfe, Schachbrettmuster. Je weniger konzentriert ich beim Zuhören werde, desto mehr küsst mich die Muse. Besonders ausgeprägt war das früher in Mathe. Herr Strebel sagte einmal auf die Frage meiner Eltern, wie ich mich so schlage: «Also im ‹Mölele› ist sie sehr gut.» Die beiden waren nicht erfreut.

Neulich bin ich über einen Artikel gestolpert, in dem stand, dass die gekritzelten ­Symbole viel über den Schöpfer aussagen. Das ist wie beim Traumdeuten. Offenbar ­helfen uns die Malereien, Erlebtes oder Wünsche zu verarbeiten. Laut Artikel werden am häufigsten Herzen gezeichnet. Wer sie malt, gehört zu den Gefühlsmenschen. Ihnen ist die emotionale Ebene wichtig. Wer hingegen Augen oder Wimpern zeichnet, steht unter Stress und neigt zur Selbstkritik. Beliebte Motive sind auch Gesichter, Tiere oder Figuren. Ihnen wird Humor zugeordnet. Zudem sind diese Kritzler gute Kameraden und ­gelten als Teamplayer. Vorsicht übrigens vor Menschen, die ihren Namen malen: Sie sind selbstverliebt und rücksichtslos. Wer Blumen zeichnet, gilt als aufgeschlossen und harmonieliebend. Und Quadrate oder ausgemalte Buchstaben entlarven kopfgesteuerte Leute, bei denen Emotionen zu kurz kommen.

Wenn ich meine vollgekritzelten Blätter so anschaue, mache ich mir Sorgen. Ich bin eine emotionale Person ohne Emotionen. Gestresst und humorvoll, rücksichtslos und Team­playerin. Kein Wunder, kann ich mich nicht zwischen Stadt und Land entscheiden. 

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