17. März 2014

Uhren als Wertanlage

Welche der Markenklassiker zahlen sich als Investment aus – und warum? Ein paar Schweizer wie Patek Philippe, Rolex oder Breguet führen die Liste teurer Marken an.

Patek Philippe Kaliber CHR-29-535-PS-Q
Patek Philippe erscheint meist an der Spitze der Marken mit wertsteigernden Modellen. Hier das Kaliber CHR-29-535-PS-Q. (Bild zVg)

Der ungebrochene Erfolg der Uhrenbranche, gerade im teuren mechanischen Segment, lässt sich aus drei unterschiedlichen Motivationen erklären. Oft auch durch deren Zusammenspiel. Das Naheliegendste zählt dabei meist gar nicht dazu: Welche Funktionen hat die Uhr (neben der Zeitangabe etwa die Berücksichtigung weiterer Zeitzonen, Stoppuhr, Höhen-, Druck- oder andere Angaben), wie gut erfüllt sie die?

Im Zentrum des Kaufinteresses stehen in der Regel andere Trümpfe:

A. Das Aussehen der Uhr, ihr Design, das Material oder besondere Verzierungen.

B. Der Statussymbolfaktor: Wofür steht die Uhrenmarke und dieses Modell, welche Botschaft sendet das Tragen aus?

C. Zu guter Letzt wird mit den horrenden Preisen jedoch auch wichtig: Wie gut macht sich eine Uhr als Investition? Welche bietet hohe Chancen, den Kaufwert mindestens zu erhalten oder gar markant zu erhöhen?

Vom Wert der «Komplikationen»

Unter anderem das in Liebhaberkreisen beachtete Uhrenportal Watchtime.net nahm sich der Gründe an, wann und weshalb eine Uhr eine Wertsteigerung verspricht. Denn längst nicht jedes teure Stück mit mechanischem Uhrwerk hat das Potenzial, als Geldanlage zu dienen. Übrigens: Auch bei Modellen mit entsprechendem Potenzial ist eine Steigerung natürlich so unsicher wie bei einem Grossteil der Börsengeschäfte.

Aufgelistet werden meistens diese Punkte:

1. Der Ruf des Herstellers: Klar muss es sich um eine Marke von Rang handeln. Neben einer Menge von bereits produzierten hochwertigen Produkten sollte die Manufaktur eine lange Tradition aufweisen. Eine beeindruckende Geschichte. Eben erst ins Hochpreissegment vorgestossene Häuser haben es schwer, kurzfristige Modeerscheinungen zählen kaum.

2. Die verwendeten Materialien: Woraus besteht die Uhr, wurden besonders wertvolle (oder seltene) Stoffe eingesetzt?

3. Der Zustand: Wie gut erhalten ist ein bereits etwas älteres Modell? Zumeist ist es darum bei teuren Uhren ja nicht schlecht bestellt.

4. Die Machart: Je einzigartiger das mechanische Uhrwerk aufgebaut ist, umso besser. Eine mehrheitlich nach gewöhnlichen Standards hergestellte Mechanik punktet nicht. Und: Ausserordentlicher Aufwand zahlt sich aus, speziell wenn er im Resultat erkennbar ist.

5. Die Stückzahl: Wurden wenige Einzelstücke einer bestimmten wertvollen Reihe produziert, steigert dies (neben dem Kaufpreis) tendenziell auch den Wert der Uhr über Jahre oder Jahrzehnte. Eine Sonderausgabe zu einem besonderen Anlass funktioniert oft noch besser.

6. Spezieller Schnickschnack: Verfügen die Uhren über besondere Funktionen oder Anzeigen, erhöht dies in der Regel nicht nur den momentanen Wert, sondern auch die Aussicht auf eine Wertsteigerung in der Zukunft. Die Kenner sprechen dabei von «Komplikationen».

Zur Erklärung von Nr. 6: Seit mehr als einem Jahrhundert setzen mechanische Uhrwerke nebst Zeitangabe auf die Standardkomplikationen für das Datum oder den Jahreskalender, auszuzeichnen vermag sich auch kaum die Mondphase, die automatisch eingebaute Info zum Schaltjahr oder Ähnliches.
Anders sieht es aus, wenn besondere «Features» den technischen und ästhetischen Wert eines Stücks klar steigern.

Zum Beispiel wenn die Uhr alle Stunden, Viertelstunden oder gar häufiger ein Lautsignal von sich gibt, eine sogenannte Repetition. Oder eine in kleinerer Umdrehung zirkulierende Sekundenanzeige mit Messung von Viertel- oder Achtelsekunden. Oder ein eingebauter sogenannter «Ewiger Kalender»: Damit kann über Jahrzehnte korrekt kalendriert werden, mit kurzen und langen Monaten und dem 29. Februar; der «Gregorianische ewige Kalender» berücksichtigt gar die Anpassungen alle 100 Jahre und könnte 400 Jahre ohne manuelle Korrektur laufen.

Schweizer Uhrenmarken voraus

Auffallend viele Marken mit mehreren Modellen, die als besonders werterhaltend oder sogar als wertsteigernd gelten, stammen aus der Schweiz. Jedoch längst nicht alle der im Luxussegment angesiedelten Hersteller gehören dazu. Neben seltenen ausländischen Favoriten wie der deutschen Manufaktur A. Lange & Söhne oder dem einen oder anderen Panerai-Stück (IT) werden diese Namen zuallererst genannt:

Patek Philippe
Breguet
Rolex
Vacheron Constantin

Natürlich tauchen auch mehrere Modelle anderer Schweizer Hersteller unter den mindestens werterhaltenden Uhren auf: Jaeger-LeCoultre, IWC, Omega und andere mehr.
Seit Längerem weltweit unangefochten mit Rekordpreisen für alte (wie auch noch neuere) Modelle ist jedoch Patek Philippe.

Anders sieht es bei der Beliebtheit aus: Entsprechende Listen haben meist mit den besonders wertsteigernden oder zumindest –erhaltenden Uhren nichts gemein. Hier die paar Namen, die sowohl in den USA als auch in Europa (Deutschland) unter den ersten zehn landeten:

Submariner, Datejust, Seamaster, Daytona, GMT-Master (alle Rolex!), Speedmaster (Omega) und Royal Oak Offshore (Audemars Piguet).

Während also Patek für die grössten Chancen auf Mehrwert steht, sorgt Rolex in breiten Fanschichten für die grösste Bekanntheit.

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