25. September 2017

Typisch Bueb, typisch Meitli

Bänz Friedli kaufte seinem Zweijährigen auch einmal einen pinkfarbenen Pulli. Hier kannst du die Hörkolumne herunterladen und dich mit dem Autor oder anderen LeserInnen austauschen.

Wickie
Wickie, selbst (bald) auch eine starke Frau oder ein starker Mann?
Lesezeit 2 Minuten

«Säg mal, spinnsch?» Plötzlich gerieten unsere Kinder aneinander. Wo sie doch sonst meist friedliche Geschwister sind. «Nei, du spinnsch!» – «Nei, du!»
Grund für ihren Disput war die Zeichentrickfigur Wickie aus «Wickie und die starken Männer», dieses kleine Wesen mit dem schulterlangen rötlichen Haar, äusserlich vielleicht zu scheu und allzu schmächtig, zumal unter Wikingern – dafür aber schlauer als Freund und Feind und mit seinen genialen Einfällen all den erwachsenen Raufbolden rund um Vater Halvar von Flake, den Häuptling, hoch überlegen.
Eigentlich sind Sohn und Tochter für solchen Kinderkram ja längst zu alt, doch irgendwann im Sommer kam das Gespräch plötzlich auf Wickie, und die beiden waren uneins …

Was macht eigentlich einen Jungen, ein Mädchen aus? Sie war im Fussballclub, er las lieber. Dafür trug er seine Haare so lang, dass er mal nepalische Grenzbeamte in hellen Aufruhr versetzte, weil er angab, ein Junge zu sein. Und als sie dann festgestellt hatten, dass er wirklich einer war, kamen sie aus dem Kichern nicht mehr heraus.
Nie vergesse ich den Tag, da er in einem Benetton-Laden im südlichsten Italien, kaum zweijährig, unter den Knabenkleidern einen pinkfarbenen Pullover erspähte. Den wollte er haben, unbedingt! Und am «Zeigitag», als es galt, ein Lieblingsspielzeug mit in den Kindsgi zu bringen, nahm er seine Puppe Monika mit. Es trug ihm Hohn und Spott ein.

Was ihn, der zahllose Jugendbücher verschlang, besonders ärgerte: dass darin alle Girls pfiffig und tapfer, die Jungs dagegen tollpatschig dargestellt werden.
Gewiss, unsere Kinder waren nicht nur untypisch: Er, der Tüftler, brachte mit seinem Freund Aurel schon früh auseinandergeschraubte Radiogeräte zum Explodieren; sie lernte mit Freundinnen die Songs von Katy Perry auswendig. Wir versuchten halt einfach, zu Hause möglichst nicht vorzugeben, wie Jungen und Mädchen sich zu verhalten hätten. Das wurde ihnen von aussen schon genug eingehämmert.

Ihr Zwist, diesen Sommer, drehte sich übrigens darum, ob Wickie ein Junge oder ein Mädchen sei. «Nein, schau!», war Tochter Anna Luna sich sicher, «es wird ja Wickie mit -ie geschrieben, also weiblich.» Solange sie denken kann, war Wickie für sie ein Mädchen. Sie ist jetzt neunzehnjährig.
Ebenso überzeugt war ihr Bruder Zeit seiner Kinderjahre, Wickie sei ein Bub. Wer von beiden recht hatte? Spielt es eine Rolle? Hand aufs Herz, sehen Sie Wickie als Junge oder als Mädchen? Und möchten Sie sich diese ­Meinung nehmen lassen?

Die Hörkolumne (MP3)

Bänz Friedli live: 28. 9. Schaffhausen, 30. 9. Unterwasser SG

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