13. Dezember 2017

Trampeltier Ugur muss unters Messer

Die Geburtenkontrolle in einer Trampeltierherde ist eine grosse Herausforderung. Die Lösung heisst Sterilisation – und der Weg dahin führt über die Pferdechirurgie. Und was tun Private, die Tiere aus der Kamelfamilie halten möchten?

wird der junge Trampeltierhengst Ugur sterilisiert
Kastration beeinträchtigt das Wachstum. Deshalb wird der junge Trampeltierhengst Ugur sterilisiert. (Bild: Tierspital UZH)
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Das Durchschnittsalter in der Trampeltierherde des Walter Zoo ist relativ hoch, nämlich über 20 Jahre. Eine Ausnahme ist Hengst Ugur: Er ist erst zweieinhalb Jahre alt und bald geschlechtsreif. Die alten Stuten sollten aber nicht mehr gedeckt werden, weshalb wir handeln müssen.

Eine einfache Methode wäre die Kastration, doch dieser Eingriff könnte Ugurs Wachstum beeinträchtigen – und das, bis er sieben ist. Ihn von der Herde zu trennen, kommt auch nicht infrage, denn Kamele, zu denen Tramelptiere zählen, sind soziale Tiere.

Für intakten Hormonhaushalt

Bleibt also die Sterilisation: Sie verhindert die Fortpflanzung, ohne den Hormonhaushalt zu beeinflussen. Allerdings ist die Durchtrennung des Samenleiters bei Trampeltieren kein Routineeingriff. Denn ihre Geschlechtsorgane sind sehr klein und liegen kompakt am Körper.

Ich studiere Fachliteratur, frage mich durch – bis zu einem amerikanischen Experten. Seine Antwort: «Hab ich noch nie gemacht, könnte schwierig werden!» Dann finde ich im Tierspital der Universität Zürich doch noch einen Chirurgen, der vor Jahren Trampeltierhengste sterilisiert hat.

Erst Pferdedoktor, dann Erholung bei Kühen
Und so fahren wir Ugur nach Zürich. In der Klinik für Pferdechirurgie versetzt man ihn in Vollnarkose, dann wird er zwei Stunden lang operiert. Ich bin dabei – und lerne.
Der Chirurg durchtrennt einen der beiden Samenleiter, an den anderen kommt er nicht ran: Wie vermutet, befindet sich der zweite Hoden noch tief in der Bauchhöhle, von wo er in der Regel innerhalb der ersten Lebensjahre in den Hodensack absteigt. Aufgrund der höheren Temperatur in der Bauchhöhle ist er zurzeit unfruchtbar, also unproblematisch. Sollte der Hoden doch noch absteigen, wäre eine zweite Operation nötig.

Für den Moment aber hat es Ugur überstanden: Im Tierspital kann er sich in einer Box – neben offensichtlich interessierten Kühen – etwas erholen. Am Abend ist er fit für die Reise zurück in den Zoo – zurück zu seiner Herde, zu den alten Stuten. 

Karin Federer (31) ist Tierärztin und berichtet regelmässig aus dem Walter Zoo in Gossau SG.

Kamel vor dem EIngriff
Das Kamel vor dem EIngriff. (Bild: Tierspital UZH)

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