05. März 2018

Toto mit «Africa» zurück in Zürich

David Paich, Gründungsmitglied der US-Rockband Toto, ist auf dem Weg zur Probe. Kurz zuvor nimmt sich der Musiker Zeit für ein Gespräch. «Bald geht es los mit der Tour», verrät der Sänger und Pianist. Am 12. März macht die Band halt in Zürich.

US-Rockband Toto
David Paich (2. v.l.) mit seiner Band Toto.
Lesezeit 5 Minuten

40 Jahre Toto: herzliche Gratulation! Wie fühlt sich das an für dich?

Es fühlt sich toll an. Es kommt mir fast unrealistisch vor. Ich bin mit diesen Typen seit der Highschool zusammen, und wir sind wie Brüder. Wir werden älter. Wir haben vor so vielen Leuten gespielt. Die Fans mögen uns immer noch. Das ist herzerwärmend. Toto hat nach all diesen Jahren ein Vermächtnis hinterlassen. Aber wir wollen einfach eine Band sein und unsere Musik spielen. 40 Jahre später kommen wir jetzt nach Zürich und touren dann durch ganz Europa. Wir sind sehr glücklich und gesegnet, dass wir das immer noch tun dürfen und uns die Leute immer noch wollen.

Auf welche Erfolge bist du besonders stolz?

In meinem Privatleben auf meine Ehe, die seit 35 Jahren funktioniert, und auf meine Tochter Elizabeth, die gerade ihren Master macht. In Bezug auf die Musik ... weisst du, immer wenn wir ein neues Album machen, bin ich stolz darauf. Das neueste heisst «40 Trips Around The Sun». Wir haben viel Zeit verbracht mit der Erarbeitung der Texte und der Musik. Es ist unsere Schweizer Uhr geworden. Wir wollen allen zeigen: Schaut, was wir gemacht haben. Wir sind so stolz darauf.

Was hat euch so erfolgreich gemacht?

Es ist die Konstellation unserer Band. Jeder von uns ist ein talentierter Produzent, ein toller Songwriter und ein hervorragender Musiker. Es ist so, als wären wir eine Person. Aber du hast fünf verschiedene Perspektiven. Jeder von uns kann jeweils von den Erfahrungen des anderen profitieren. Wir wissen, was die Leute mögen. Und wir haben alle Kinder, und die sagen uns, was sie gern hören und was draussen abgeht. Aber schliesslich machen wir einfach die Musik, die wir mögen.

Was hast du für ein Verhältnis zu Songs wie «Africa» oder «Rosanna», die du nun schon seit mehr als 30 Jahren spielst?

Schlussendlich sind es die Fans, die dich immer wieder mit Energie aufladen. Sie sind es, die uns anspornen weiterzumachen. Die Herausforderung als professionelle Musiker ist, die Songs frisch zu halten. Es muss jedes Mal so sein, als würdest du den Song zum ersten Mal spielen. Und die Fans helfen dir, dass dies gelingt. Aber wir wechseln immer ein wenig ab bei den Liedern, spielen immer wieder mal neue. Wir sind wie Theaterschauspieler, die bei jedem Auftritt tiefer in die Rolle hineinwachsen.

Was ist heutzutage die grösste Herausforderung in deinem Job?

Auf Tour lebst du wie ein Vagabund. Wir sind zwei Monate unterwegs wie ein Zirkus. Es kostet Kraft, von Punkt A zu Punkt B zu gelangen. Wir sind keine superreichen Rockstars, die ihr eigenes Flugzeug haben. Wir fahren noch immer mit den Bussen umher. Aber wir können auf die Unterstützung unserer Crew zählen. Wir werden jetzt älter, aber wir fühlen uns immer noch gut.

Was sagt eigentlich deine Familie dazu, dass du immer noch auf Tour gehst?

Alle fragen mich, warum ich das tue. Und ich sage: Alte Musiker lassen sich nicht pensionieren – weil sie ihren Job geniessen. Je älter sie werden, desto besser werden sie. Wir als Band sagen: Lass uns auf Tour gehen. Es gibt sogar Musiker, die 80 Jahre alt und immer noch unterwegs sind. Ich werde vielleicht irgendwann nicht mehr auf Tour gehen, aber ich werde immer Songs schreiben. Ich liebe das Songwriting. Das ist das Wichtigste für mich.

Wie wichtig ist für dich der Austausch mit Musikern, die schon ähnlich lange auf der Bühne stehen?

Ja, da existiert schon eine Kameradschaft. Über die Jahre wird man Freunde. Es ist so toll, wenn man einen Kollegen auf Tour trifft, der nachempfinden kann, was man gerade erlebt. Es ist wie eine Bruderschaft von Musikern. Wir teilen dieselbe Leidenschaft. Es ist immer toll, wenn ich zum Beispiel David Gilmour von Pink Floyd treffe. Aber es ist auch toll, junge Musiker zu sehen. Seit wir Familie haben, sind wir mehr zu Hause, als mit Musikern abzuhängen. Ich kann aber nur für mich selbst reden. Es ist hart für uns, dass wir schon so viele Musikerfreunde verloren haben. Aber wir versuchen, gesund zu bleiben.

2008 hatten sich Toto aufgelöst. 2010 habt ihr euer Comeback gegeben. Was genau ist geschehen?

Meine Schwester wurde sehr krank, und ich wollte bei ihr sein. Die anderen Jungs haben an Filmen gearbeitet oder andere Dinge gemacht. Wir sind dann wieder für eine zweiwöchige Tour zusammengekommen, weil wir unserem an ALS erkrankten Bassisten Mike Porcaro helfen und Geld für ihn sammeln wollten. Die Rechnungen waren so hoch. Irgendwie hat sich das Spielen auf der Bühne so gut angefühlt. Die Band hat sich so gut angehört. Da haben wir beschlossen, ein weiteres Jahr anzuhängen. Die Fans wollten es auch so sehr, und dann sagten wir, wir kommen jeden Sommer für ein paar Monate zusammen. Dann entwickelte sich ein Schneeballeffekt, weil sich auch junge Leute für uns interessierten. So sagten wir: Lasst uns weitermachen!

Wie hat sich die Musikindustrie verändert, seit ihr mit Toto angefangen habt?

Als wir jung waren, standen Bands hoch im Kurs. Jetzt sind es die Sänger. Adele, Beyoncé, Bruno Mars – all diese Leute singen super. Heute geht es vor allem darum. Die Musikindustrie ist gar nicht mehr so wichtig. Alles ist frei. Die Schattenseite davon ist, dass es Musiker schwer haben, von ihren Songs zu leben. Um finanziell über die Runden zu kommen, müssen die Bands auf Tour gehen. Aber alle wollen das. Die Konkurrenz ist hoch. Wenn du nicht zu den Top Fünf gehörst, machst du kein Geld.

Im März spielt ihr in Zürich. Welche Verbindung habt ihr zur Schweiz?

Die Schweiz ist eines unserer Lieblingsländer, seit wir zu touren angefangen haben. In den frühen 80ern waren wir in Bern, Zürich und Genf. Wir spielten mit Mike and The Mechanics an einem Festival. Das hat grossen Spass gemacht. Ich liebe Zürich übrigens, die Leute sind sehr herzlich. Ich nehme meine Frau mit, und dann gehen wir in ein schönes Restaurant.

Erkennen die Leute dich in einem Restaurant in der Schweiz?

Ich bin nicht so berühmt, dass mich jeder erkennt. Aber es kommt schon vor, dass mich ein richtig grosser Toto-Fan anspricht. Ich habe nicht die Probleme, die Justin Bieber oder Justin Timberlake haben. Zum Glück nicht. Es ist toll, einfach normal zu sein. Wir sind einfach Musiker.

Was würdest du anders machen, wenn du nochmals von vorn beginnen könntest?

Ich glaube mehr Rumpfbeugen. Ich würde mehr für meinen Körper tun. Mehr ins Fitnesscenter gehen. Heute sehen alle so frisch und gesund aus. Aber für einen alten Typ bin ich nicht schlecht in Form. Ich schwimme jeden Tag und gehe joggen. Aber es ist erstaunlich, wie sich alle für die Kamera herausputzen. Früher ging man einfach irgendwie auf die Bühne. Ich glaube, Toto hat einen guten Job gemacht. Wir haben irgendwann alle Alben nochmals angehört, und ich muss sagen, ich würde heute nicht viel anders machen. Ich hätte gern in der Originalbesetzung weitergemacht, nicht immer den Sänger gewechselt. Ich selbst kann zwar meine Songs singen, aber für einen guten Leadsänger reicht es nicht.

Welchen Traum möchtest du dir unbedingt noch erfüllen?

Ich habe vieles gemacht im Leben. Aber mit den Rolling Stones auf der Bühne zu stehen, wäre toll. Und ich würde gern mehr Filmmusik schreiben. Aber ich lebe immer noch meinen Traum.

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