26. Juni 2017

Tom Volkers spielt in Engelberg Winnetou

Tom Volkers spielt an den Karl-May-Freilichtspielen in Engelberg OW den Apachen-Häuptling Winnetou, von dem er schon seit seiner Kindheit begeistert ist. Er ist überzeugt: «Winnetou steht für hehre Werte».

Der Deutsche Tom Volkers
Der Deutsche Tom Volkers (52) wohnt in Sattel-Hochstuckli SZ.
Lesezeit 3 Minuten

Wie kamen Sie zur Rolle des Winnetou in Engelberg?

Ich habe Winnetou bereits auf vier Bühnen in Deutschland gespielt. 2013 entstanden dann die ersten Pläne für eine Produktion in der Schweiz. Zunächst war ich lediglich als Produzent vorgesehen, aber der Regisseur wollte mich dann auch für die Hauptrolle. Die weiteren Darsteller haben wir in der Schweiz und in Berlin gecastet.

Und wie fühlt es sich an, diese legendäre Figur zu spielen?

Für mich ist ein Kindheitstraum wahr geworden. Im Gegensatz zu vielen anderen Buben wollte ich nicht Polizist werden, sondern Indianerdarsteller. Das wurde drei Jahrzehnte später Wirklichkeit. Ich spüre für die Rolle eine grosse Verantwortung: Winnetou ist nicht irgendjemand, er steht für hehre Werte.

Haben Sie sich bei Pierre Brice Ratschläge geholt?

Nein. Aber er wusste von meiner Arbeit und hat mich bei einer Vorstellung besucht. Dabei haben wir uns tiefgründig, freundschaftlich und auf Augenhöhe über die Figur Winnetou unterhalten.

Wie bereiten Sie sich auf die Rolle vor?

Wichtig ist die innere Einstellung. Ich achte also darauf, mich anzugleichen, wo es mit Winnetou keine Parallelen gibt. Schon vor Jahren fragte ich andere Leute, wie sie mich sähen. So bekam ich ein Bild davon, wie man mich wahrnimmt. Dieses Wissen ist bei der Vorbereitung sehr wichtig. Anschliessend geht es darum, wie ich Herz und Seele in die Rolle einbringen kann.

Wir haben uns bemüht, möglichst nah an der Buchvorlage zu bleiben.

Welche Eigenschaften von Winnetou decken sich mit Ihren?

Ich war schon immer ein Macher und übernehme gern Verantwortung. Ich habe gelernt, mich selbst zu analysieren und zu meinen Fehlern und Unzulänglichkeiten zu stehen. Und ich schätze den respektvollen Umgang mit meinen Mitmenschen – egal, ob sie weiss, schwarz, Schweizer oder Deutsche sind. Mir ist wichtig, was der Mensch im Herzen trägt.

Ein bisschen muss ja auch das Äussere passen.

Genau. Ich habe mein Leben lang Leistungssport betrieben, war Zehnkämpfer und Kraftsportler, fahre Velo und schwimme. Ich achte also auf meine Form. Da ich in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr auf einem Pferd sass, frische ich seit Herbst letzten Jahres meine Reitkenntnisse auf. Damit bin ich gut auf Engelberg vorbereitet.

Wie nah geht Ihnen die Romanfigur? Träumen Sie manchmal von Winnetou?

Nein. Vor 20 Jahren habe ich am Theater gelernt, die Rolle abzulegen, sobald die Vorstellung vorbei ist. Und das, obwohl ich von klein auf ein grosser Winnetou-Fan bin.

Wie kam es dazu?

Mein Onkel und mein Vater waren begeisterte Karl-May-Fans. Schon als Fünfjähriger war ich von den Werten dieses Indianers fasziniert. Ich schätze seine Naturverbundenheit, den ehrlichen, respektvollen Umgang mit den Menschen. Allerdings bin ich in der DDR aufgewachsen, wo Karl May als nicht systemkonform galt und nur inoffiziell via tschechische oder ungarische Antiquariate erhältlich war.

Weshalb das denn?

Das Heroische der Hauptfiguren, dieser Ausdruck der Individualität und die Selbstdarstellung waren der DDR-Führung nicht genehm. Dennoch habe ich einmal in der Schule, als jeder seinen Lieblingsautor vortragen sollte, Karl May präsentiert. Dafür erhielt ich zwar Bestnoten, wurde aber gemahnt wegen der Darstellung eines unerwünschten Autors.

Was wird das Besondere an den Freilichtspielen in Engelberg sein?

Wir haben uns bemüht, möglichst nah an der Buchvorlage zu bleiben – sofern das mit unseren finanziellen Mitteln möglich war. Fans werden das erkennen. Dabei inszenieren wir auch Dinge, die es bei Karl-May-Produktionen noch nie zu sehen gab. Wir wollen Menschen zeigen, mit ihren Vorzügen und Schwachstellen. Es ist ein Mix aus Abenteuer, Romantik, Action, Humor und Tiefgang, mit Botschaften ohne erhobenen Zeigefinger. Jeder kann sich Dinge mitnehmen, in denen er sich wiederfindet.


Ab Mitte Juli sind die Abenteuer von Winnetou und Old Shatterhand erstmals live als Freilichtaufführung in der Schweiz zu sehen: Vom 15. Juli bis 13. August bringen ein Dutzend Profi- und 50 Laiendarsteller den Wilden Westen nach Engelberg OW, unterstützt vom Migros-Kulturprozent. Gespielt wird «Winnetou I» – also die Geschichte um den Beginn der Freundschaft zwischen den Blutsbrüdern. Daten, Tickets und Trailer gibts hier .

Benutzer-Kommentare

Mehr zum Thema

Komponist Martin Böttcher
Winnetou und Old Shatterhand