Leser-Beitrag
19. Juli 2017

Tinnitus, ein lästiges Übel

Ein Erlebnisbericht von Kurt Born aus dem Kanton Aargau.

Tinnitus
Kurt Born litt zehn Jahre an Tinnitus (Bild: GettyImages).

Das Übel Tinnitus hatte ich vor Jahren auch. Darunter litt ich mindestens zehn Jahre. Ich wurde fast wahnsinnig wegen dieses aufdringlichen Pfeifens in den Ohren. Vor meiner Ausbildung als Betriebsfachmann hatte ich wenige Arbeiten am Bildschirm zu erledigen. Erst nachdem ich ins Büro gewechselt hatte, nahm die Bildschirmarbeit zu, und damit begann auch die ständige Zunahme der Pfeifgeräusche in den Ohren. Das wurde mir aber erst nach der «Heilung» richtig bewusst. Am Ende machte mich dieses konstante und lästige Pfeifkonzert richtig fertig. Ich wusste nicht mehr weiter. Ich hörte und las zwar viel, wie diese Krankheit behandelt werden könnte. Aber weil ich mich weder operativ noch mit Medikamenten behandeln lassen wollte, freundete ich mich wohl oder übel mit diesem lästigen Pfeifgeräusch an bis, ja, bis auf ein interessantes Erlebnis:

Ich war mit meiner Frau in Schinznach Bad. Dort hat es einen grossen gebogenen Wasserhahn, aus dem ein dicker, starker Wasserstrahl kommt. Unter diesen stellte ich mich und massierte ausgiebig meinen Nacken. Dasselbe wiederholte ich in der kleinen Grotte. Da hat es einen Wasserarm mit vielen kleinen Düsen. Der ganze Arm reicht über die gesamte Nackenpartie. Die Massage darunter, welch herrliches Gefühl! Nach dem Besuch stellte ich zu Hause fest, dass das Pfeifgeräusch in den Ohren weg war.

Seit diesem Erlebnis beobachtete ich mich und stellte dabei fest: Immer wenn ich

➢ eine konstante Haltung - Bildschirmarbeit

➢ gekrümmte Nackenpartie beim Liegen auf der Couch

➢ schiefe Kopfhaltung bei einem Nickerchen im Zug eingenommen hatte,


entstand eine Verspannung der Nackenmuskulatur. Und das Pfeifen ertönte wieder.

Durch meine jahrelange Bildschirmarbeit hatte ich eine permanente, konstante Körperhaltung. Dadurch verspannte sich die Nackenmuskulatur und verhärtete sich. Und die Adern wurden offensichtlich verengt. Der Blutdruck erhöhte sich. Dies nahm ich dann als Pfeifen im Ohr wahr. Eine starke Verhärtung der Nackenmuskulatur lasse ich heute gar nicht mehr zu. Verspannungen löse ich regelmässig mit einer starken Nackenmassage unter der Dusche. Seither verspüre ich nur noch gelegentlich das Pfeifen in den Ohren. Jedoch nur, wenn ich mich wieder durch eine Fehlhaltung verspannt habe. Aber längst nicht mehr so lästig wie vor dieser Erfahrung.

Diese Anwendung hat mir geholfen und ist hoffentlich auch für andere hilfreich. Es gibt aber auch andere Ursachen für das Entstehen von Tinnitus. Ich hatte Glück, dass mein Tinnitus «mechanisch» bedingt war (durch Verspannungen im Nackenbereich). So habe ich durch diese simple Therapie wieder meine Ruhe gefunden vor dem lästigen Pfeifen in den Ohren. Ich jedenfalls bin froh, dass ich durch Zufall entdeckt habe, wie ich mir selbst helfen kann:

➢ Richtige Körperhaltung am Bildschirm, kurze Arbeitsintervalle

➢ Richtige Kopfhaltung im Schlaf

➢ Ausgiebige Nackenmassage

➢ Entspannungsübungen für den Nacken

Der Schwager meiner Frau bestätigte mir in einem Gespräch, dass auch er unter Tinnitus litt. Er war über Jahre hinweg als Lastwagenfahrer tätig. Meine Überprüfung seiner Nackenmuskulatur bestätigte die Vermutung. Sie war total verhärtet.

Wichtigste Erkenntnisse:

Tinnitus kann bei allen Personen mit «statischer» Kopfhaltung, zum Beispiel Bildschirmarbeit, Auto- und Lastwagenfahren auftreten.

Diese Form aber ist rein mechanisch bedingt und kann auf diese Weise auch wieder behoben werden!

Entweder durch eine ausgiebige Massage durch einen Masseur oder eben, wie ich das mache, mit der mechanischen Kraft des Wassers.

Das bedeutet aber auch: Falsche Körperhaltung ist das Übel manchen Leidens. Oder, noch wichtiger, Prävention hilft Kosten sparen! Prävention nicht nur empfehlen, sondern aktiv mitwirken, dass diese Empfehlungen auch umgesetzt werden!

Mein Bericht hört sich etwas zu einfach und simpel an, um den Tatsachen zu entsprechen. Trotzdem ist es so, wie ich es beschrieben habe. Ich habe meine Erfahrungen schon mit verschiedenen Leuten, sogar Verwandten, die selbst betroffen sind, diskutiert. Die meisten haben nicht ein einziges Mal auch nur ausprobiert, wie sich meine Erfahrung bei ihnen auswirkt. Was solls, ich auf jeden Fall habe den Tinnitus heute voll im Griff. Ohne auch nur mit einem Franken die Krankenkasse zu belasten! Manchmal sucht Mann oder Frau die Lösung eines Problems viel zu weit. Ich weiss nicht, wie viele Menschen unter Tinnitus leiden. Ich weiss nur, dass es verschiedene Arten dieser Krankheit gibt.

Nämlich:

Die elektrische Art: Bei dieser wird als Signal vom Gehirn aus gesendet. Dieses Signal kann leider bis heute noch nicht korrigiert, sondern nur mit entsprechenden Medikamenten oder Musiktherapien gemildert werden.

Die mechanische Art: Ich nenne diese so, weil das Pfeifgeräusch durch mechanische Verspannung der Nackenmuskulatur ausgelöst wird. Unter dieser Art habe ich gelitten. Diese Tinnitusvariante kann, wie ich es festgestellt habe, auch wieder mechanisch gelöst werden: Dabei öffnen sich die Adern, das Blut kann wieder mit konstanter Geschwindigkeit fliessen, und der lästige Pfeifton verschwindet.

Ich hatte somit Glück, meine Erkrankung so einfach in den Griff zu bekommen. Für jeden Betroffenen ist es mit Bestimmtheit ein Versuch wert, die Geduld aufzubringen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Denn wenn es dann doch nichts nützt, so schadet es auch nicht. Oder auch anders ausgedrückt: Wer nichts wagt, der gewinnt auch nichts!

Durch ein Gespräch mit einem Kollegen habe ich erfahren, dass er unter extremer Migräne litt. Migräne kann offensichtlich auch, unter denselben Umständen, wie Tinnitus entstehen, nämlich durch eine verspannte Nackenmuskulatur, die wiederum die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigt. Seit er die Nackenpartie regelmässig mit einer kräftigen Dusche massiert, sind seine Migräneanfälle massiv zurückgegangen.

Text: Kurt Born

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