13. Juli 2017

Tiefgründig ist nur der Fluss

«Into the Water» heisst Paula Hawkins Nachfolge-Thriller des grossen Hits «Girl on the Train». Anders als dort ziehen sich gewisse Episoden wie Kaugummi.

«Into the Water» von Paula Hawkins
«Into the Water» von Paula Hawkins
Lesezeit 2 Minuten

Nel Abbot ist tot. Ertrunken im Drowning Pool, dem Fluss, den die Bewohner von Beckford gleichermassen lieben wie fürchten. War es ein Unfall, Suizid oder Mord? An diesem Fluss, in dem im Mittelalter vermeintliche Hexen ertränkt worden und in dem schon so mancher Bewohner von Beckford sein kaltes Grab gefunden hat, ist alles möglich. Fast jeder in dem englischen Kaff scheint Dreck am Stecken, ein Geheimnis oder zumindest schwerwiegende psychische Probleme zu haben.

Nel Abbots jüngere Schwester, als dickes Kind gemobbt und später mit einer Essstörung geplagt, kehrt zurück an den Ort ihrer eher grässlichen Kindheit. Hier muss sie sich mit dem gefürchteten Wasser, in dem sie als Teenager selbst ihrem Leben ein Ende setzen wollte, ihrer seltsamen Familie und den eigenen Schuldgefühlen auseinandersetzen, um dem Geheimnis um Nels Tod auf die Spur zu kommen.

Into the Water ist der neue Roman von Paula Hawkins, die mit ihrem Erstling Girl on the Train einen internationalen Nummer-1-Bestseller landete. Fast alle Figuren lässt Hawkins abwechselnd in Ich-Form berichten, so dass man, auch aufgrund nahezu identischer Sprache und sehr ähnlichen Schreibstils sowie diverser Rückblenden, am Anfang einige Mühe hat zu eruieren, wer da jetzt nun gerade wieder spricht. Auch wenn der Name des jeweils gerade Monologisierenden immer am unteren Seitenrand steht, muss man ständig überlegen, wer denn nun Nel/Danielle, Julia/Jules, Louise, Lena, Josh, Mark, Erin, Nickie und Patrick sind. Hinzu kommen Kapitel aus der Sicht eines Erzählers aus dem Off. Also alles ein wenig verwirrend.

Wenn man, so ab Seite 100, mit den Figuren, zu denen später nur noch Helen und Sean hinzukommen, vertraut ist, kann man sich auch besser aufs Geschehen konzentrieren. Das erinnert sequenzweise an die Kultserie Twin Peaks oder an den englischen Strassenfeger Broadchurch. Alles in allem bleibt der Roman jedoch was den Thrill betrifft hinter beiden zurück. Manche Episoden ziehen sich wie Kaugummi, das Ende ist vorhersehbar. Ist es ein Thriller, Krimi oder Mysterie-Roman? Man weiss es nicht. Auf dem Klappentext steht Spannungsroman. Dem allerdings öfters die Spannung abhandenkommt. Into the Water ist kein schlechtes Buch. Aber auch kein gutes. An seinen Vorgänger kommt es jedenfalls nicht ran.

Bei ExLibris: Into the water – Traue keinem.
Auch nicht dir selbst
Paula Hawkins
Blanvalet

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