26. November 2017

Tibet und Momos lassen grüssen

Ein Besuch im Zürcher Restaurant Shangrila

Im Sharingla: Glasnudelsalat mit Tibet Rolle, daneben Momos und frittierte Teigtaschen
Im «Sharingla»: Glasnudelsalat mit Tibet-Rolle, daneben Momos und frittierte Teigtaschen.
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Momos also. Wir sind mitnichten auf der Suche nach der verlorenen Zeit, sondern haben uns ins Zürcher «Shangrila» begeben, um die Welt der tibetischen Momos zu erkunden. Das sind ähnlich den chinesischen Dim Sum gefüllte und gedämpfte Teigtaschen.

Als eine Gruppe von 19 Leuten haben wir uns angemeldet und bekommen eine lange Tafel sowie einen runden Tisch in dem kleinen Restaurant im Kreis 3 in Zürich. Der Speiseraum ist einfach eingerichtet und sparsam mit tibetischen Bildern und einem Buddha eingerichtet. Die vielen Rosen fallen mir sofort ins Auge. Ein simples, aber doch warmes Ambiente.

Die Besonderheit für uns: Wir haben ein spezielles Momo-Menü bestellt, das so nicht auf der Karte steht. Alle Gerichte, die wir bekamen, finden sich aber auch auf der Standardkarte wieder. Auf dem Tisch stehen schon zu Beginn Cracker.

Wir beginnen mit einer klaren Gemüsesuppe, bei der jeder nach Belieben mit einer scharfen Sauce den Würzgrad selbst bestimmen kann. Als Nächstes kommt ein «Pfing Drangtsel», ein leichter Glasnudelsalat, dazu eine knusprige Frühlingsrolle, die hier «Tibet Rolle Vegi» heisst. Auf der regulären Karte wären das zwei separate Gerichte. Ich bin froh, dass ich einigermassen mit Stäbchen klarkomme. Und sympathisch, dass nicht gleich jedem Schweizer Gast ein Besteck aus Gabel und Messer hingelegt wird. Dennoch: Glasnudeln sind definitiv eine höhere Schule für Leute, die nur gelegentlich zu Stäbchen greifen.

Als Getränk war für uns im Voraus ein Primitivo (Sette Torri il Primitivo) bestimmt worden. Ein einfacher, leichter Wein, vielleicht nicht der passendste. Ich bleibe bei asiatischen Gerichten ohnehin viel lieber bei Wasser – oder Tee. Egal, wie viel ich trank, das Glas wurde immer rasch nachgefüllt – leider ohne zu fragen. Einige mögen das als umsichtigen Service empfinden, ich mag es nicht; und so legte ich mehrmals die Hand aufs Glas.

In der Pause, bis das Buffet auf unserer langen Tafel aufgebaut war, bekommen wir feuchte und heisse Frotteetücher, damit wir unsere Hände auf die Momos vorbereiten können. Einiges ist nämlich nicht zum Verzehr mit Stäbchen gedacht. Ich bin immer sehr glücklich im Restaurant, wenn die Teller vorgewärmt sind – gerade bei einem warmen Buffet. Ich werde nicht enttäuscht. Und dann kommen die Momos: «Sötum Shemo» (Momo mit Rindfleischfüllung), «Shetsel Shemo» (Gemüse-Momos) für die Vegetarier, «Chicken Shemo» (mit Pouletfüllung) sowie die «Bio Yak Shemo» – mit Bioyak aus Andermatt.
Das auf der regulären Karte vermerkte Momo-Menü für 34.50 Franken enthält 12 Momos, dazu eine Suppe, Gemüsebeilage sowie eingelegten Rettich und Gurkensalat. Das wäre schon eine Portion, mit der ich mengenmässig einige Zeit beschäftigt wäre – die Momos sättigen sehr. Die Momos sind durchweg mild bis gut gewürzt und bekommen durch die süss-saure Chilisauce oder auch die mit Chili gewürzte Joghurt-Dip-Sauce einen pikanten Dreh.

Aber wir bekommen nicht nur Momos, sondern auch noch «Shabalep», die frittierten Teigtaschen mit Rindfleischfüllung. Die lassen sich aufgrund ihrer runden Form und der Grösse definitiv nicht mehr mit Stäbchen essen. Sie sättigen – wie eigentlich alles Frittierte – sehr. Im Menü für 36.50 Franken gäbe es dementsprechend auch «nur» sieben Stück inklusive Suppe, Gemüse und des obligatorischen, pinkfarbenen Rettichs und des Gurkensalats. Ein kleiner Tipp zum Essen der Momos und der Shabalep: Man ist gut bedient, zunächst nur ein kleines Stück abzubeissen und dann erst einmal den Saft aus der Teigtasche zu saugen. Ich war nicht die Einzige am Tisch, bei der es beim ersten herzhaften Hineinbeissen spritzte.

Wir bekamen aber kein reines Teigtaschenmenü, sondern auch noch andere tibetische Hauptspeisen: «Mönsen», gebratene Auberginen, und «Tofu Khatsa», einen pikant gebratenen Tofu. Die Auberginen vertragen nach meinem Gaumen etwas Würzsauce. Alle an unserer langen Tafel geniessen das Probieren der unterschiedlichen Speise und Momos.

Wir haben alle schon reichlich Teigtaschen gegessen, aber die Momos stapeln sich noch immer. Die überaus freundliche und umsichtige Bedienung und Tochter von Gastgeberin Tsomo Tersey bringt uns kleine Plastikschüsseln, damit wir die übrig gebliebenen Leckereien mit nach Hause nehmen können. Davon machen fast alle Gebrauch. Eine schöne Möglichkeit, um Food-Waste, die Verschwendung von Lebensmitteln, zu reduzieren. So blieb es daheim auch für mich nicht nur beim Erzählen von den tibetischen Gerichten, ich konnte auch noch Kostproben zu später Stunde geben.

Mein Entschluss steht fest: Momos werde ich selbst einmal machen. Ein Rezept dafür gibt es übrigens im Dezember-/Januar-Heft von Migusto. Und zwar das Rezept von Tsomo Tersey, die die Momos im «Shangrila» zubereitet.


Shangrila Tibetan Restaurant
Birmendsdorferstrasse 297
8055 Zürich

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