04. Januar 2018

Test: Tolino Epos

Der neue eReader von Tolino ist eine Wohltat für die Augen und bietet viel Text pro Seite. Ein Vergleich mit dem Konkurrenzprodukt von Kindle zeigt aber: Der Preis des Neulings ist nicht gerechtfertigt.

Der Tolino Epos ist nur bedingt geeignet für einhändiges Lesen
Der Tolino Epos ist nur bedingt geeignet für einhändiges Lesen
Lesezeit 2 Minuten

Der Unterschied zu allen anderen eReadern ist augenfällig: Der Tolino Epos ist mit seinem 7,8-Zoll-Bildschirm grösser als die meisten bisherigen eReader. Das ganze Gerät entspricht ungefähr einem A5-Format. Der Vorteil des Megascreens: Er fasst mehr Text als kleinere Bildschirme, entsprechend weniger oft muss umgeblättert werden. Der Nachteil liegt relativ schwer auf der Hand: Der Tolino Epos wiegt ganze 260 Gramm und ist 14 Zentimeter breit. Das mag für kurze Lesephasen kein Problem sein, für Lesemarathons ist der Kindle Paperwhite deutlich angenehmer zu halten – zumal er auch gut in eine Hand passt: Das meistverkaufte Modell von Kindle wiegt 200 Gramm und hat ungefähr die Masse einer Postkarte. Der Bildschirm misst 6 Zoll.

So angenehm kann elektronisches Lesen sein

Weil es aber bekanntlich nicht nur auf die Grösse ankommt, hat der Tolino Epos auch innere Werte zu bieten: So verfügt das Display nicht nur über eine regulierbare Beleuchtung, sondern auch über etwas, das sich «Farbtemperatur» nennt. Diese passt sich dem Umgebungslicht an. In der Praxis sieht das so aus, dass der Bildschirm morgens eher kalt, abends warm leuchtet. Tagsüber unterscheidet sich das Display tatsächlich kaum von einem beschriebenen Blatt Papier. Angenehmer geht Elektronischlesen kaum. Toll auch, zumindest von der Idee her: Sämtliche Texte in EPUB-, PDF- oder TXT-Format sind mit dem Tolino kompatibel, wobei einige PDF-Dateien eine Adobe-ID verlangen. Hat man diese erstellt und auf dem Gerät registriert, lassen sich daher auch E-Bücher von Ex Libris oder anderen Anbietern sowie solche aus Onlinebibliotheken auf den Tolino laden. Wer das über den Webbrowser macht, tut sich schwer: Das Surfen ist langsam und von nervigem Flackern begleitet. Einfacher ist es, bereits ausgeliehene Bücher nur noch auf den Tolino zu transferieren. Oder man verbindet das Gerät per USB-Kabel mit dem Computer und übermittelt die Daten auf diese Weise. Als Kaufbücher stehen über zwei Millionen eBooks von Orell Füssli und von Vertragspartnern wie Weltbild oder Thalia zur Verfügung. Bei Kindle sind es über drei Millionen eBooks, alle von Amazon, und einige davon exklusiv als Kindle-eBooks erhältlich. Zeitschriften und Magazine gibt es bei beiden.

Angenehmes Leseerlebnis: Der Tolino Epos passt die «Farbtemperatur» der Umgebung an.

Ansonsten wartet der Tolino Epos mit kleinen Features auf, die man auch als Spielereien einstufen kann: Eine gewisse Wasserfestigkeit macht ihn badewannentauglich, Blättern funktioniert nicht nur mit Antippen oder der Eingabe der Seitenzahl, sondern auch geschmeidig mit einem Schieberegler. Das Umstellen vom Hoch- ins Querformat geht ein klein wenig schneller als beim Kindle. Alles in allem zeigt sich: Die grossen beiden eBook-Anbieter feilen an den Details, seit beide Lesevergnügen auf hohem Niveau anbieten.

Fazit: gut, aber zu teuer

Der Tolino Epos ist eine lohnende Anschaffung für Leser, die Wert auf einen grossen Bildschirm legen. Zudem ist mit zahlreichen Textformaten die Wahlfreiheit des Lesestoffs ungleich grösser. Der Preis von 289 Franken ist aber verglichen mit den 159 Franken für den Kindle Paperwhite etwas hoch und lässt sich durch die technischen Unterschiede nicht rechtfertigen.

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