18. Januar 2018

Tempowechsel: Videos schneller oder langsamer abspielen

Gewusst? Videos im Internet lassen sich schneller oder langsamer abspielen. Wer das bewusst macht, kann davon profitieren.

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Serien sind das neue Fernsehen: «Game of Thrones», «Westworld», «Tote Mädchen lügen nicht», «Prison Break» oder «Charité» - fast jeden Monat erscheint eine neue Serie oder Staffel auf Netflix, Amazon oder Apple TV. Wer den Einstieg verpasst, hinkt schnell mehrere Folgen hinterher. Aufholen ist dann schwer, ausser man schaut schneller.

Gemeint ist nicht der schnelle Vorlauf, sondern beschleunigtes Abspielen. Ausgeklügelte Algorithmen sorgen dafür, dass der Ton dabei nicht in hohe Frequenzen abrutscht oder das Bild stolpert. Wer sich Videos mit erhöhter Abspielgeschwindigkeit ansieht, ist ein Speedwatcher. Die meisten Schnellgucker schauen sich ihre Serien, Dokus oder Videovorlesungen der Uni etwa 10 bis 20 Prozent schneller an als normal. Nach einer Eingewöhnungszeit gehen manche Speedwatcher aber auch bis zur doppelten Abspielgeschwindigkeit – so schaffen sie doppelt so viele Folgen wie normal.

Effiziente Zeitnutzung ist aber nicht der einzige Vorteil der beschleunigten Wiedergabe. Studenten der Brigham Young University spielten versuchsweise Lernvideos der Uni 80 bis 120 Prozent schneller ab. Das Wortfeuerwerk offenbarte eine positive Nebenwirkung: durch das beschleunigte Abspielen schien der Lerneffekt bei den Studenten grösser zu sein, da sich der Zuhörer stärker konzentrieren muss und so mehr Leistung vom Gehirn abfordert.

Aber auch Entschleunigung ergibt durchaus Sinn. Anleitungen auf Youtube für Handwerksarbeiten oder Clips zum Erlernen des Klavierspielens oder einer Fremdsprache lässt sich einfacher folgen, wenn sie langsamer ablaufen. Langsamer abspielbare Nachrichten aus der TV-Mediathek wären zudem für Ältere besser verständlich.

Aber noch ist das variable Abspielen in den Medienplayern nicht Standard. Hörbüchern der Streamingdienste wie Deezer, Spotify oder Audible lässt sich schon länger schnell oder langsam lauschen. Auch Youtube-Videos sind im normalen Browser auf dem PC beliebig schnell abspielbar. Die mobile Youtube-App kennt das jedoch nicht. Auch den Playern der grossen TV-Mediatheken sowie den Filmportalen wie Amazon, Netflix und Co. fehlt diese Funktion. Abhilfe schafft bisher nur die kleine kostenlose Erweiterung «Video Speed Controller», die es für die Browser Chrome und Firefox gibt. Mit ihr lässt sich jedes im Browser abgespielte Video beliebig be- und entschleunigen.

Wer seine auf Festplatte oder dem Smartphone/Tablet gespeicherten Filme in individueller Geschwindigkeit abspielen möchte, sollte sich dort den kostenlosen VLC-Player installieren. Den gibt es zudem nicht nur für PC, Mac, iOS und Android. In Verbindung mit einem Amazon-Fire-TV-Stick, Google Chromecast oder dem neuesten Apple TV kann er die Filme auch auf dem heimischen Fernsehgerät schneller oder langsamer abspielen.

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