27. September 2017

Teile, so wird dir gegeben

Eine Staude zu teilen und einen Teil weiterzuverschenken, macht gute Laune: beim Schenker, beim Beschenkten und – tatsächlich – auch bei der Staude selbst.

Geteilte Staude
Aus eins mach zwei macht drei macht vier...
Lesezeit 2 Minuten

Meine erste geteilte Pflanze erhielt ich vor bald 30 Jahren: Als ich im Garten meiner norddeutschen Gotte einen Knoblauch-Schnittlauch bestaunte, der unzählige Schmetterlinge anzog, schnappte sie sich kurzerhand einen Spaten und stach mir ein grosszügiges Stück ab. Dieses Teil reiste dann, sorgfältig gewässert und in Zeitungspapier verpackt, mit mir ins Zürcher Oberland, wo es mich noch heute erfreut. Und nicht nur mich: Unterdessen finden sich Abstecher (Ableger wäre in diesem Fall wohl die falsche Formulierung) meines norddeutschen Mitbringsels in Hettlingen und Rüschlikon, in Ottikon und Frauenfeld, in Weisslingen und Winterthur und in mindestens vier Nachbargärten.

Wer Stauden teilt oder Stücke absticht und weiterverschenkt, schlägt übrigens gleich mehrere Fliegen auf einen Schlag:

Erstens tut man sich selbst damit etwas Gutes, denn schliesslich macht Geben selig.

Zweitens erfreut der abgetrennte und weitergegebene Teil einen Pflanzenfreund, der nun möglicherweise seinerseits zum Spaten greift, eine Staude aus dem eigenen Gartenbeet teilt und diese Teile weiter verteilt. Womit wir bei einer Art Schenkkreis wären, was zwar ein bitzeli heikel sein könnte von wegen Schneeballsystem und so. Ein Schneeballsystem jedoch, das anders als andere garantiert für alle Beteiligten einen grossen Gewinn abwirft.

Denn drittens – und jetzt kommts – erleben besagte Stauden durch das Teilen eine richtiggehende Verjüngungskur. Was sie wiederum zum Wachsen und Blühen anregt, was wiederum den Gärtner erfreut: ganz im Stil von «teile, so wird dir gegeben».

Apropos: In meinem Garten tummeln sich neben besagtem Knoblauch-Schnittlauch noch diverse weitere Pflanzen, die mir zuteil geworden sind: zum Beispiel ein weisser, süss duftender Phlox (danke, liebe Iris), ein ausbreitungwütiger Alant, der drum nicht aus seiner Gelte darf, sowie eine schneckengeplagte Hosta (für beides ein Dankeschön an die liebe Verena), ein Agapanthus, der nach der letzten Teilaktion endlich wieder blüht (danke, lieber Ahmed), diverse Christrosen, die sich unterdessen überallhin selbst versamen und drum von mir nicht mehr geteilt, sondern als Sämling weiter verteilt werden (danke, lieber Chasper), und eine Fetthenne, die so fett ist, dass ich demnächst einen eigenen Schenkkreis für Fetthennen-Interessierte gründen werde (danke, lieber Papa).

Und jetzt? Jetzt schnapp ich mir meinen Spaten und steche schon mal ein paar grosszügige Stücke von meinem norddeutschen Knoblauch-Schnittlauch ab. Weil ich nämlich jetzt schon weiss, dass ich nach Erscheinen dieses Textes diverse Anfragen erhalten werde. Wetten?

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