22. September 2019

Teenager Elia und sein Garten

Bananenstauden, Zitronenbäumchen, Feigenbäume: Elia pflegt alles, was in unseren Gefilden besondere Zuwendung braucht. Zur Entspannung zieht der Teenager aber auch gewöhnliches Gemüse.

Elia mit selbst gezogenen Tomaten
Lesezeit 4 Minuten

Der Palmfarn kommt aus Mailand (I) und hat in der Hitze des Autos ein wenig gelitten. «Aber der wird sich wieder erholen», sagt Elia. Er betastet die gelblichen Blätter des Farns, rückt die Brille auf der Nase zurecht, geht weiter zu einer Bananenstaude und erklärt: «Eine Musa Basjoo. Die könnte übernächstes Jahr erstmals Früchte tragen.» Elia, 1,90 Meter lang, schlaksig, Brille, Zahnspange, 14 Jahre alt, weiss genauestens Bescheid über alle Pflanzen, die im Garten des elterlichen Einfamilienhauses stehen – mit Ausnahme der drei oder vier Gewächse, die seinem Vater gehören. Dessen Oleander und Lavendel streift der Teenager  mit einem kurzen Blick, während er auf ein winziges Gewächshaus zusteuert. «Mein Tropenhüsli», sagt der Sekschüler aus Oberdorf SO und taucht ein in den kleinen Dschungel, um ein paar Minuten später wieder herauszukommen, die Hände voll mit prächtigen reifen Tomaten. In dem Plastikhaus hinter ihm wachsen auch Peperoni, Gurken und Salate. Und direkt daneben teilen sich weitere Salate, ein blühender Fenchel, Knoblauch und Radieschen ein Beet.

Den Fenchel lässt der junge Gärtner blühen, damit er das Saatgut gewinnen kann.
Elia hätschelt auch die eine oder andere Feige. Egal, ob sie schwierig ist oder pflegeleicht.

Dem Gemüse gilt Elias ganzes Interesse, aber den Exoten seine Liebe: Fünf oder sechs verschiedene Sorten von Bananenstauden besitze er, schätzt Elia, insgesamt gut 20 Exemplare. Zudem ein Zitronenbäumchen, eine chinesische Hanfpalme, eine mexikanische Minigurke, mehrere Olivenbäumchen in verschiedenen Grössen und Fruchtstadien, Feigen von süss bis schwierig, eine Fingerlimette.

Die Zitrone trägt erstmals eine geniessbare Frucht.
Elias Zitrone trägt erstmals eine geniessbare Frucht.

Hübsch gruppiert stehen die tropischen und subtropischen Schützlinge rund um den Sitzplatz und den Pool, dazwischen Liegestühle, eine gepflegte Rasenfläche und die Oleanderbüsche des Vaters. Ein Stückchen Mittelmeer im Solothurnischen.

Vom Lernen zum Buddeln und Schnipseln

Jeden Tag kümmert sich Elia um seine Gewächse. Sät, setzt, giesst, pflegt und erntet, und manchmal verarbeitet er die Ernte gleich, etwa zu einem bunten Salat für die ganze Familie.

Ein paar Tomaten, Bohnen und Gurken, etwas Knoblauch: Kurz nach dem Pflücken  bringt Elia die Ernte als Salat auf den Tisch. Frischer gehts nicht.
Ein paar Tomaten, Bohnen und Gurken, etwas Knoblauch: Kurz nach dem Pflücken bringt Elia die Ernte als Salat auf den Tisch. Frischer gehts nicht.

Derweil sich diese wundert, von wem Elia den erstaunlichen Drang zum Gärtnern hat. «Von uns nicht», sagt Mutter Mirja (43) lächelnd und mit einer Geste leichter Ratlosigkeit. Sie ist von Beruf Medizinische Praxisassistentin. Und weder sie noch ihr Mann noch Elias grosser Bruder sind besonders pflanzenaffin. Einzig der Nonno väterlicherseits, 1967 aus Apulien (I) eingewandert, hat etwas mit selbstgezogenem Gemüse am Hut. «Als Kind habe ich mit ihm zusammen Tomaten gesetzt und geerntet», sagt Elia, «ich weiss noch, dass mich das interessiert hat.» Es ist ja auch nicht allzu lange her.

Inzwischen hat sich der Teenager jede Menge Pflänzchen und Bäumchen und ein breites Wissen zugelegt. Es fasziniert ihn, etwas wachsen zu sehen, das man am Ende sogar essen kann. Und wenn er über den Schulbüchern sitzt, geht er zwischendurch kurz in den Garten, buddelt und schnipselt ein wenig. «Das hilft mir, den Kopf zu lüften.» In der freien Zeit googelt er Pflanzenkrankheiten, guckt auf Youtube Filme und tauscht sich auf Instagram mit anderen Hobbygärtnern aus. On- wie offline kauft er Saatgut und Setzlinge, soweit das Taschengeld reicht. «Aber manchmal hilft auch Papi, wenn ich etwas nicht alleine zahlen kann.»

Einen Schulkollegen hat er bereits angefixt

Und der Junge werkelt auch im Garten: Er hat sein Tropenhaus selber aufgebaut, ein Bewäs­serungssystem entwickelt und zusammen mit dem Vater einen Teich ausgehoben. Nächste ­Vorhaben sind ein stabileres Gewächshaus mit Glasfenster und ein neues Frühbeet. Dort zieht er exotische Zimmerpflanzen und weiteren grünen Nachwuchs: eine Avocado, eine Vanille-Orchidee, ein Kaffeebäumchen, mehrere Geranienstecklinge.

Das Frühbeet mit empfindlichen Pflänzchen
Das Frühbeet mit empfindlichen Pflänzchen.

Dass Elia mit seinem Interesse für Pflanzen in seiner Altersgruppe nicht gerade viele Gleichgesinnte hat, lässt ihn kalt. Aber es freut ihn doch, dass er einen Schulkollegen mit seiner Leidenschaft angesteckt hat. Mit dem fachsimpelt er jetzt über Bananenstauden.

Es gibt aber auch noch ein paar andere Themen in Elias Leben. Er ist im Fischerverein und möchte später «beruflich etwas mit Medizin machen. Der Garten ist und bleibt mein Hobby». Allerdings eins, das zunehmend Platz verschlingt, meist auf Kosten der Rasenfläche. «Dafür muss Papi immer weniger mähen», sagt Elia und lacht. Er liebt einfach das Experimentieren. Bald hat er das erste selbstgewonnene Fenchelsaatgut bereit. Dann versucht er erstmals, die Peperonipflanzen, die bei den meisten Gärtnern Ende Saison auf dem Kompost landen, über die kalte Jahreszeit zu bringen.

Den Fenchel lässt der junge Gärtner blühen, damit er das Saatgut gewinnen kann.
Den Fenchel lässt der junge Gärtner blühen, damit er das Saatgut gewinnen kann.

Die grosse Herbstarbeit ist aber der Umzug der Exoten ins Winterlager. Dafür wird auf dem Sitzplatz ein riesiges Zelt aufgebaut. Es bewahrt empfindliche Pflanzen vor dem Erfrierungstod. Im Februar wird Elia im Haus die nächste Generation heranziehen: alte Tomatensorten und neue Melonen etwa – und weitere Bananenstauden.

Elia auf Instagram: @kleingarten_schweiz

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