29. Oktober 2012

Swiss Made: Wie Schweizer Männermodels die Modewelt erobern

Laurin Krausz ist ein Senkrechtstarter: Vor 13 Monaten entdeckt, lief er bereits Wochen später für Calvin Klein über den Catwalk in Mailand. Doch der Bündner ist bei Weitem nicht das einzige erfolgreiche Schweizer Männermodel.

Laurin Krausz
Laurin Krausz wird im November erst 19 Jahre alt. Bereits hat der Bündner Beau aber sein Markenzeichen für Modeaufnahmen und Laufsteg: seinen ernsten Blick.

Laurin Krausz (18) ist schön. Er ist mit seinen markanten Gesichtszügen, seinem gut gebräunten Teint und den blauen Augen sogar sehr schön und erinnert ein wenig an den jungen Leonardo DiCaprio. Sein trainierter, 187 Zentimeter grosser Körper bringt 77 Kilogramm auf die Waage. Zineta Blank von der Zürcher Modelagentur Visage entdeckte den Kantonsschüler, als er in einem Kleiderladen in Landquart GR jobbte. «Er sieht aus wie ein kleiner Gott», urteilt die Expertin. Das fand auch Calvin Klein und engagierte ihn als Model für die Herbst-Winter-Kollektion 2012. Worauf andere drei Jahre warten, das gelang Laurin innert Wochen. «Meine Modelkarriere startete sehr schnell. Aus der Modewelt kannte mich niemand, ich trat zuvor weder an Shows noch an Fashion Weeks auf», sagt Laurin, der kürzlich in Chur die Matura abgeschlossen hat.

Werbeaufnahmen in Manhattan

Eigentlich wollte er Medizin studieren — sein Vater arbeitet als Homöopath. Aber die steile Modelkarriere hat dem Beau mit ungarischen Wurzeln neue berufliche Perspektiven eröffnet. Er war kürzlich für Castings und Shows je zwei Wochen in Mailand und Barcelona und flog Ende September für zweieinhalb Monate nach New York. «Das ist ein cooles Gefühl. Ich freue mich, die Stadt zu sehen und meine dortige Agentur kennenzulernen.» Laurin wird in Manhattan für Werbekampagnen fotografiert. Wenn es gut laufe und er weitere Kampagnen erhalte, werde die ganze Modewelt auf ihn aufmerksam. Bei solchen Kampagnen werden 10'000 bis 20'000 Franken bezahlt. Armani-Models verdienen laut Laurin Krausz sogar über eine Million Franken pro Jahr.

Schweizer Models sind sehr diszipliniert

Inzwischen sind über ein Dutzend Schweizer Männer international als Model erfolgreich. Eine solche Ansammlung gab es noch nie. Peter Kuhn, Headbooker der Modelagentur Scout in Zürich, sagt: «Kaum eines dieser Models sieht wie ein typischer Schweizer aus. Der ethnische Mix macht es aus.» Das sei ähnlich wie bei den erfolgreichen Frauenmodels aus Brasilien, die Einflüsse aus Japan, aus Italien oder anderen europäischen Ländern hätten. Zineta Blank meint: «Die Schweizer Männer haben einen speziellen Look, sind sehr diszipliniert und verfolgen die Ziele, die sie vor Augen haben.» Die jungen Frauen hätten diese Ausdauer oft nicht und brächen ihre Karriere wieder ab. Ursula Knecht, Direktorin der Modelagentur Option, urteilt ähnlich: «Die Männer sind mehr und mehr motiviert, vollberuflich zu modeln.» Dafür würden sie mit viel Sport an ihrer Figur arbeiten.

Laurin Krausz in Mailand. (Bild: Dukas/Matteo Rossetti)

Der Bündner Schönling Laurin hat den ganz grossen Durchbruch noch nicht geschafft und muss das Appartement in New York mit anderen Models teilen. Er wird täglich an bis zu zehn Castings teilnehmen. Dafür braucht es Kondition. Laurin raucht nicht, Alkohol trinkt er nur einmal im Jahr am Churer Fest: «Ich versuche, meinen Alltag gesund zu gestalten.» Solange er jedoch nicht jeden Tag Chips und Glace esse, müsse er nicht speziell auf die Ernährung achten, erzählt er. An seinem Körper störe ihn nichts. Er geht wöchentlich dreimal ins Fitness und zweimal 40 Minuten joggen. Er habe gesehen, dass viele Models rauchen und viel trinken, in der Szene in Mailand werde auch mal gekokst. Die meisten dieser Models seien jedoch nicht erfolgreich.

Wie ist es für ihn, auf das Äussere reduziert zu werden? «Klar, Bilder sind oberflächlich. Doch bei der Auswahl der Models schauen die Agenturen heute vermehrt auf den Charakter», entgegnet Krausz.

«Ich modle sicher ein Jahr. Und wenn ich gute Jobs kriege und entsprechend verdiene, arbeite ich noch länger in dieser Branche. Ich kann auch noch mit 22 studieren», sagt er. Nach New York läuft er im Januar an der Modewoche in Mailand und danach in Paris. «Wenn ich für eine Parfümkampagne von Armani gebucht werde, ist das das Grösste für mich.» Der bald 23-jährige Kanadier Simon Nessman, das aktuelle Gesicht für Giorgio Armani, ist sein Vorbild.

Auch privat läuft es für den Beau rund. Laurin hat seit zwei Jahren dieselbe Freundin. Sie wohne in der Region, er selbst hat seinen Schweizer Wohnsitz bei der Mutter in Felsberg, einem Dorf in der Nähe von Chur — seine Nachbarin ist Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf.

Viel will er über seine Freundin nicht verraten, nur das: Sie habe die Kantonsschule abgeschlossen. Und: «Als sie erstmals von meinen Modelplänen hörte, machte es ihr Angst.» Er kann das verstehen: «Die Gefahr, in einer solchen Welt die Bodenhaftung zu verlieren, ist gross. Wichtig ist, einen starken Charakter zu haben. Ich bin nicht besser als alle anderen, werde nur für mein Aussehen gelobt.» Heute sei das zwar viel wert, aber doch nicht alles.

Bilder: Jorma Müller, Agentur Visage, Agentur Scout, Option Model Agency, Dukas

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