10. März 2014

Suferin Alena Ehrenbold: Auf der Suche nach der perfekten Welle

Surferin, Gymnasiallehrerin, Filmproduzentin: Alena Ehrenbold hat viele Talente. Im März kommt ihr Film «I Wanna Surf» in die Kinos. Es ist der erste Schweizer Surffilm.

Alena Ehrenbold ist amtierende Schweizer Surfvizemeisterin.
Adrenalin pur: «Wenn ich auf Hawaii eine grosse Welle erwische und der Wellenwand entlangschiesse, bekomme ich ein ziemliches Tempo, und der Körper schüttet eine gehörige Portion Adrenalin aus.» (Bild: Bradley Masters)

Alena Ehrenbold (30) verbringt jede freie Minute am Meer. Und das ist für eine Gymnasiallehrerin, die in Luzern wohnt, keine Selbstverständlichkeit. Die Grossgewachsene mit ihren schulterlangen blonden Haaren fühlt sich vom Surfen magisch angezogen. «Surfen ist für ein paar Sekunden eins werden mit der Natur. Keine Welle bewegt sich gleich wie ihre Vorgängerin. Dieses unbeschreibliche Glücksgefühl können nur andere Surfer nachvollziehen.»

Alena Ehrenbold ist amtierende Schweizer Surfvizemeisterin.
Alena Ehrenbold ist amtierende Schweizer Surfvizemeisterin. (Bild: Fabian Unternährer)

Zum Beispiel Alenas Ex-Freund, der sie vor zehn Jahren zum Sport brachte. Als er sie kennenlernte, sagte er, dass er surfe. Sie erwiderte: «Toll!» Er: «Das hat aber Konsequenzen, denn ich verreise nur zum Surfen.» Alena hatte die Wahl, am Strand zu liegen und von ihrem Partner Surffotos zu schiessen oder selbst aufs Brett zu steigen.

Gute Wellen befinden sich oft an besonders abgelegenen Orten

Nördlich von Lissabon besuchte sie ihren ersten Surfkurs. Als sie 2006 auf Lombok, der Nachbarinsel von Bali, eine gegen drei Meter hohe Welle erwischte und auf ihr surfen konnte, war es um die Binnenländerin endgültig geschehen. «Ich dachte, jetzt schnätzlet es mich, und wow, das ist ein krasser Sport.» In ihrem liebsten Surfrevier Indonesien nimmt sie in Kauf, für eine gute Welle nur auf einer Pritsche für drei Dollar pro Nacht zu übernachten. Gute Wellen, so Alena, seien oft an abgelegenen Orten ohne Infrastruktur.

Surferin Alena Ehrenbold auf dem Surfbrett am Paddeln, um ins Line-up zu gelangen.
«Bevor ich eine Welle surfen kann, muss ich zuerst ins sogenannte Line-up gelangen. Das bedeutet – je nach Welle – zwischen 5 und 20 Minuten auf dem Brett liegen, paddeln und tauchen.» (Bild: Bradley Masters)
Surferin beim Duck Dive unter Wasser
«Damit ein Surfer schon gebrochene Wellen überwinden kann, muss er zu einem sogenannten Duckdive ansetzen. Das heisst, ich tauche mit meinem Brett unter der Schaumwalze durch.» (Bild: Bradley Masters)

Seither schwimmt und paddelt die Luzernerin auf Schweizer Seen, fährt mit dem Mountainbike und macht als Ausgleich Yoga. Wenn sie gesund ist, betreibt sie täglich Sport. Sie trägt einen braunen Gürtel in Karate, war schweizweit die Nummer vier im Dreisprung und nahm schon an den Schweizer Meisterschaften über 100 Meter Hürden sowie in der Sprintstaffel teil. Deshalb überrascht es kaum, wenn die bewegungssüchtige Surf-Schweizer-Meisterin 2010 und amtierende Vizemeisterin sagt: «Bewege ich mich nicht, werde ich unleidlich und fühle mich unwohl. Ich achte auf gesunde Ernährung und versuche, genügend zu schlafen. Das ist nicht einfach mit all den Hochzeiten, auf denen ich tanze.» Trotzdem gönnt sie sich in der Freizeit mal ein Glas Syrah oder Cabernet oder ein Bier.

Freizeit und damit Surfzeit hatte die polysportive Schweizerin in jüngster Zeit ziemlich viel: Statt Wirtschaft und Recht zu unterrichten, nahm sie unbezahlten Urlaub und reiste von Mitte September 2013 gut vier Monate der Sonne und den Surfspots nach: Die 30-Jährige startete in Frankreich, fuhr nach Spanien und Portugal und reiste anschliessend nach Hawaii und im Januar auf die Kanarischen Inseln. «Mit Hawaii hat sich ein Traum erfüllt. Da musste ich einfach einmal hingehen, weil Hawaii als Proving Ground des Surfens gilt und mich immer alle fragten, ob ich schon dort war.» Oahu und Kauai gelten als Inbegriff der Surfparadiese. Dort finden auch Wettkämpfe der Welttournee statt. «Es war unglaublich, die erste Pipeline! Das Gefühl, diese sich überschlagende Welle zu surfen, ist, wie wenn ein Bergsteiger einen Gipfel bezwingt.»

Premiere in Bern mit dem ersten Schweizer Surffilm

Bereits vor drei Jahren startete sie zusätzlich mit einem Projekt, das sie heute noch beschäftigt: «I Wanna Surf» heisst der erste Schweizer Surffilm. Der 60-minütige Streifen feiert seine Premiere am 20. März in Bern und läuft bis zum 5. April in Schweizer Kinos.

Alena Ehrenbold ist einer der porträtierten Hauptcharakteren des Films, war Mitproduzentin, organisierte Teile der Produktion, ging auf Sponsorensuche und verwaltete das Budget von 42'000 Franken. «Es war ein Herzblutprojekt. Der Film zeigt, was für uns Schweizer Surfer Leidenschaft bedeutet. Oft lässt sich das nicht in Worte fassen, dafür aber in Bilder.»

Alena am Bodysurfen im Wasser.
Das Lieblingsziel: «Ich mag grosse, kräftige Wellen wie in Indonesien: Hier kann man mit genug Körperspannung auch ohne Brett bodysurfen. Allerdings sollte man genau wissen, wie man sich an den Strand spülen lassen muss. Sonst kann dieser Spass ziemlich gefährlich werden.» (Bild: Bradley Masters)

Sie habe ein Jahr lang unzählige Stunden für diesen Film aufgewendet und sei nun «sehr erleichtert, dass er bald in die Schweizer Kinos kommt». «I Wanna Surf» porträtiert diverse Protagonisten der Schweizer Surfszene und zeigt die Situation der Binnenländer auf.

Doch damit gibt sich Alena Ehrenbold nicht zufrieden. Sie geht davon aus, dass sie erst in fünf Jahren ihren sportlichen Zenit erreichen wird, weil die Erfahrung beim Surfen enorm wichtig ist; sie hofft, in den kommenden Jahren weiterhin für die Schweiz an Welt- und Europameisterschaften starten zu dürfen. Mehrere Sponsoren finanzieren die Auslagen von Alena Ehrenbold.

«Es gibt Beaus, die sich kaum auf dem Surfbrett halten können»

Sie weiss, dass sie sich als Frau in diesem von Männern dominierten Sport doppelt beweisen muss. In der Surferszene gelten ungeschriebene Regeln: Jede Welle kann nur von einem Surfer geritten werden, Einheimische haben Vorrang. Nur sind Schweizer am Meer nie einheimisch. «Wenn man sich falsch verhält, bekommt man eins auf die Nase. Als Frau wird man wenigstens nur angebrüllt.» Das sei jedem Surfer einmal passiert. Je mehr Leute im Wasser, desto grösser sei das Konfliktpotenzial.

Surfer haben weniger das Image von Streithähnen als von coolen Sonnyboys. «Es gibt viele Möchtegerns und Beaus, die sich kaum auf dem Surfbrett halten können. Sie achten extrem auf den Stil, wie die Badehose aussieht und was man an Land trägt.» Talentierte Surfer hingegen könnten sehr zurückhaltend sein. Das erinnere sie an die Snowboarder: Da gebe es auch Poser und solche, die super fahren, ohne auffallen zu wollen. Sie selbst sei keine Poserin, wäre gerne unsichtbar, fällt aber als Frau und mit langen blonden Haaren auf. «Wir Surfer sind eben ein wenig ein spezielles Völkchen.»

http://iwannasurf.ch (Trailer zum Surffilm)

Benutzer-Kommentare