06. Dezember 2017

Die besten (Geheim)-Tipps für das Südtirol

Das Südtirol zeichnet sich durch 300 Sonnentage pro Jahr aus, ist also auch im Winter eine Reise wert. Besonders privilegiert ist das Meraner Land mit seinem milden Klima.

Waalweg Marling
Selbst in diesen Wochen zeigt sich das Südtirol von einer schönen Seite: die Aussicht auf Meran, vom Waalweg oberhalb von Marling aus fotografiert.
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Der Wetterbericht sagt für die nächsten sieben Tage bis zum 11. Dezember 2017 über 30 Stunden Sonnenschein für Meran voraus, für Aarau beispielsweise sind es mit 11 Stunden dreimal weniger. Meran befindet sich in einem Tal, das nach Norden von den über 3000 Meter hohen Bergen der Texelgruppe geschützt ist und sich nach Süden in Richtung Bozen öffnet. Diese geschützte Lage sorgt das ganze Jahr über für ein besonders mildes Klima und für gut 300 Sonnentage. Das Meraner Land erinnert klimatisch an das Tessin, nur regnet es weniger häufig als in der vermeintlichen Sonnenstube der Schweiz.

Waalweg oberhalb von Meran
Ferienort Marling: Oberhalb von Meran befindet sich einer von zahlreichen Waalwegen. So heissen die alten Wasserwege des Südtirols. Besonders schön ist der Abschnitt von Marling bis nach Völlan.

Das Klima und die Lage in den Bergen im Norden Italiens begründeten Merans Ruf als Kurstadt. Mit dem Aufenthalt der Kaiserin Elisabeth von Österreich auf Schloss Trauttmansdorff im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Kleinstadt zum Liebling der europäischen Aristokratie: Der Grundstein für Südtirol als internationale Ferienregion war gelegt. Doch vor einigen Jahrzehnten reisten vor allem ältere Herrschaften im Reisebus in den Süden. Heute fällt auf, wie stark das deutschsprachige Italien junge Reisende anlockt. Die Therme Meran von Stararchitekt Matteo Thun hat viel dazu beigetragen, dass das Meraner Land auf der Hitliste von Lifestyletouristen ganz oben steht. Sie schätzen das kulinarische Angebot, die Landschaft und die Möglichkeiten zum Sporttreiben.

Zimmer im Hotel Oberwirt in Marling
Die öffentlichen Räume im Romantikhotel Oberwirt sind rustikal eingerichtet, die Zimmer jedoch modern.

Meine persönlichen Tipps für die Region: Zum Übernachten empfehle ich das mit vier Sternen dekorierte Romantikhotel Oberwirt in Marling oberhalb von Meran. Das ruhig gelegene Traditionshaus der Familie Waldner mit seiner ausgezeichneten Küche und dem hervorragenden Frühstücksbuffet (Zimmer ab 132 Euro pro Person inklusive Halbpension) ist zudem seit 2015 eines der 29 «Vinum Hotels Südtirol», die sich der Weinkultur verschrieben haben. Sechs Häuser davon betreiben eigenen Weinbau wie Besitzer Josef Waldner mit dem Weingut Eichenstein. Sein Chardonnay Seppelaia, der 20 Monate Hefelagerung und Reife im saarländischen Eichenholz geniesst, ist eine Offenbarung für jeden Liebhaber dieser Traubensorte. Schön sind aber auch die anderen Eichenstein-Weine wie der Sauvignon, der gemischte Satz Gloria Dei oder der kräftige rote Baccara. Im hoch über Meran privilegiert gelegenen Weingut kann man ebenfalls übernachten: Für eine Nacht kostet das Luxuschalet Eichenstein 1001 Euro, für eine Woche 360 Euro pro Tag. Hier fühlt man sich wie im Himmel auf Erden.

Aussicht Weingut Eichenstein oberhalb von Meran
Die Aussicht vom Weingut Eichenstein ist auch dann beeindruckend, wenn es nicht strahlend sonnig ist.

Zwei weitere Übernachtungstipps, die ebenfalls zu den «Vinum Hotels Südtirol» gehören: Hinter historischen Mauern verbirgt sich das elegante Schloss Plars Wine & Suites (nur acht Zimmer und vier Suiten, ab 100 Euro pro Person inklusive Frühstück, geschlossen von November bis 14 Tage vor Ostern) in Algund, quasi vis-à-vis und erhöht von Meran gelegen. Dort sorgt Andreas Theiner ebenfalls für eigene Weine. Die Gäste müssen in der Umgebung nicht hungern: «In Algund finden Sie von der Pizza über den gemütlichen Buschenschank bis zur Sterneküche alles», verspricht Theiner, dessen Grossvater das Schloss Plars gekauft hat. Und in Burgstall ausserhalb von Meran befindet sich das Designhotel Muchele (ab 135 Euro pro Person inklusive Halbpension).

Andreas Theiner vor seinem Schloss Plars Wine & Suites
Andreas Theiner vor seinem Schloss Plars Wine & Suites

Nur gut zehn Minuten beträgt die Fahrzeit vom idyllisch gelegenen Schloss bis nach Meran. Dort ist mein Favorit unter allen Beizen in der charmanten Stadt das Sternerestaurant Sissi, wo der Piemonteser Andrea Fenoglio seit Jahren auf hohem Niveau kocht und Südtiroler Produkte mit italienischer Kochkunst vermählt. Absolut empfehlenswert ist etwa «Spaghetti Omega 3» als Primi Piatti zu 20 Euro oder die zarte Kalbsschulter mit Trüffelsauce, die wie alle Hauptgerichte 32 Euro kostet, was für ein Sternerestaurant dieser Klasse ein sehr fairer Preis ist. Fenoglio ist übrigens bekannt für das Amuse bouche «flüssige Pizza» im Reagenzglas.

Gericht Restaurant Sissi
Kochkunst à la Andrea Fenoglio: Tradition und Innovation auf einem Teller vermählt. Es schmeckt und sieht erst noch gut aus.

Nachmittags lädt Meran dazu ein, auf dem Tappeinerweg zu spazieren, entlang der Gilfpromenade, oder durch die Laubengasse zu bummeln, die an die Berner Altstadt erinnert. Wer gern einkaufen geht, ist in der Laubengasse mit den vielen Kleider- und Spezialitätenläden genau richtig.

Weinliebhaber sollten sich jetzt schon einen Termin merken: Im November findet jeweils im zentral gelegenen Kursaal das «Merano WineFestival» statt. Über 450 Weingüter aus Italien sowie aus der ganzen Welt präsentieren während vier Tagen ihre Weine. Darunter hat es viele köstliche Tropfen aus dem Südtirol. Tipp: Am letzten Tag des Anlasses hat es weniger Besucher. Gleiches gilt für die Zeit um 10 Uhr sowie ab 15/16 Uhr. Sonntags ab 12 Uhr ist die Degustationshalle zum Bersten voll. Wann genau das Weinfestival 2018 ausgetragen wird, steht noch nicht fest. Bei der Touristeninformation oder unter Meranerland.com ist übrigens ein neuer Faltprospekt erhältlich, der rund 20 Adressen zum Meraner Weingenuss aufgeführt hat - mit teils architektonisch interessanten Weingütern.

Meran mit Kurhaus, Weinfestival
Meran ganz im Zeichen des Weinfestivals, das hauptsächlich im Kurhaus (Gebäude rechts) stattfindet.

Zwei weitere Genussadressen: Das Restaurant Miil befindet sich in Tscherms südlich von Meran in einer Mühle aus dem 13. Jahrhundert. Hier zaubert Küchenchef Othmar Raich seit 2010 lokale Produkte, international interpretiert, auf den Teller. Der Südtiroler sagt: «Ich koche traditionell mediterran und vereine Südtiroler Küche.» Ein «Menü in 5 Akten», wie es so schön heisst, kostet 70 Euro, die Weinbegleitung 35 weitere Euro. Frisches Quellwasser ist inklusive. Das «Miil» sei eine Pilgerreise für Geniesser, heisst es auf der Homepage. Das stimmt! Wer Wein mag, sollte sich für die Begleitung entscheiden.

Restaurant Miil in Tscherms
Unbedingt besuchen: das Restaurant Miil in Tscherms. Es umfasst 70 Plätze und startete 1985 als Weinkneipe.

Denn das Restaurant gehört zum Erlebnis Kränzelhof, das auch einen zwei Hektar grossen Kunstgarten umfasst. Winzer Franz Graf Pfeil versteht sein Handwerk und sorgt für wunderschöne Weine. Er sagt zwar: «Wir machen keine Weine, wir versuchen, Kunstwerke zu schaffen. Die Philosophie ist, dies so gut zu machen, dass die Kunden zu uns kommen und wir nicht zu ihnen gehen. Deshalb haben wir beispielsweise keinen Stand am Weinfestival.» Franz Graf Pfeil verkauft 70 bis 80 Prozent der Köstlichkeiten ab Hof. «Kunstwerk der Natur» steht auf den Weinetiketten. Sie versprechen nicht zu viel. Sein Weissburgunder Helios 2015, der selbst nach zehn Jahren noch nicht seinen Höhepunkt erreicht hat, ist grandios. Gleiches gilt für die Pinot Noirs, wobei der Jahrgang 2012 jetzt besonders gut schmeckt.

Das Lokal des Restaurants Zum Löwen wurde im Frühjahr 2008 nach einer umfangreichen Renovation wieder eröffnet.

Ebenso begeistert wie vom «Miil» war ich vom Restaurant Zum Löwen in Tisens, wobei bereits die Anreise über Lana ein (landschaftliches) Erlebnis ist. Hier kocht Anna Matscher, gleichermassen sympathisch wie talentiert und Südtirols einzige Sterneköchin. Das Gasthaus wurde bereits 1405 in einem Kaufvertrag genannt. 1987 hat Alois Matscher mit seiner Frau Anna, Autorin des kürzlich publizierten Buchs «Schnittlauch statt Petersilie», den Löwen von seiner Grossmutter übernommen. Matscher kocht modern, vergisst aber trotzdem ihre Südtiroler Wurzeln nicht. Zum Beispiel: Ravioli mit Alpkäse gefüllt auf Blattspinat, Schüttelbrot und Speck zu 22 Euro. Als Gaumenfreude offenbarten sich ebenso die Hirschnüsschen mit Kornelkirschen, Kakaobohnen und Topfenspatzlen (Rahmspätzli).

Ja, und nach so viel Essen und Trinken sollte man sich am nächsten Tag unbedingt auf die Waalwege begeben. Die künstlich angelegten Wasserkanäle, die zur Bewässerung der Obstwiesen und Weinberge dienten, wurden ab dem 13. Jahrhundert angelegt und eignen sich zum Joggen oder Spazieren - je nach Formstand. Die Waalwege rund um Meran haben eine Länge von rund 60 Kilometern und sind mehrheitlich ganzjährig begehbar. Die Waale, im Wallis auch als Suone bekannt, führen von Anfang April bis Ende Oktober Wasser. Es sind der kulinarische Genuss, die landschaftliche Vielfalt und die Mischung aus alpiner und mediterranter Küche, die diese Ecke des Südtirols so attraktiv machen.

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