21. Mai 2013

Steffi Graf: «Ich habe Andre immer von Zürich vorgeschwärmt»

Andre Agassi und Steffi Graf sind das Vorzeigepaar der Sportwelt. Beide gehörten zu den besten Tennisspielern der Welt. Heute leben sie für ihre beiden Kinder und ihre Kinder-Stiftungen.

Andre Agassi und Steffi Graf
Die ehemaligen Tennis-Profis André Agassi und steffi Graf.

Stimmt es, dass Heinz Günthardt, Stefanies damaliger Trainer, Sie beide 1999 zusammengebracht hat?

Graf: Ja, Heinz war der Mittelsmann.

Apropos Heinz Günthardt, er ist am 22. Juni an ihrem ersten Tennisshowkampf in der Schweiz dabei. Was können die Zuschauer von diesem Event erwarten?

Agassi: Ich weiss noch nicht ganz genau, was das Format sein wird. Aber wir werden ein bisschen Mixed Doubles …

Stefanie Graf gewann in ihrer Karriere 22 Grand-Slam-Turniere und führte 377 Wochen lang die Tennis-Weltrangliste an. (Bild: © Corbis)
Stefanie Graf gewann in ihrer Karriere 22 Grand-Slam-Turniere und führte 377 Wochen lang die Tennis-Weltrangliste an. (Bild: © Corbis)

Was ziehen Sie vor, miteinander oder gegeneinander zu spielen?

Graf: Also für mich ganz klar zusammen!

Sie haben während Ihrer Profi-Zeit beide in der Schweiz gespielt: Stefanie hält mit sechs Siegen immer noch den Rekord in Zürich. Andre, Sie haben in Basel gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie an die Schweiz?

Agassi: Meine schönste Erinnerung war wohl etwa 1986. Ich suchte ein Turnier zwischen zwei anderen Turnieren und entschied mich für Basel, obwohl ich nichts über Basel wusste, noch nicht mal, wo das genau war. Es lief mir super, ich kam bis in den Viertelfinal und schlug ein paar gute Spieler. Da spürte ich das erste Mal, dass ich auch mit den besseren Spielern mithalten kann.

Aber dann sind Sie nach Las Vegas gezogen …

Graf: (lacht) Ja, nur ein bisschen weiter weg, als ich gedacht habe.

Nie Probleme mit dem Wüstenklima?

Graf: Nein, ich bin zwar keine Sonnenanbeterin. Ich mag die Hitze nicht sonderlich. Aber man verbringt nicht viel Zeit draussen, wenn es heiss ist. Im Sommer sind wir oft in Europa oder reisen sonst, weil die Kinder dann nicht in der Schule sind.

Sie sind Athleten. Da werden Sie das Älterwerden noch nicht so spüren wie unsereins.

Graf: Doch, vieles wird schwieriger.

Ihre beiden Kinder, Jaden Gil und Jaz Elle, sind interessanterweise nicht unbedingt tennisbegeistert.

Graf: Sie lieben allerlei Sport. Jadens Leidenschaft ist Baseball, aber wenn er auf dem Golfplatz ist, mag er auch das. Oder Basketball. Wir machen viel zusammen, wie zum Beispiel Snowboarden, und das macht dann allen Spass. Sie haben unsere Energie geerbt.

Andre Agassi gewann acht Grand-Slam-Turniere und führte die USA zu drei Davis-Cup-Siegen. Er beendete seine Karriere nach 21 Jahren im September 2006.(Bild: Getty Images)
Andre Agassi gewann acht Grand-Slam-Turniere und führte die USA zu drei Davis-Cup-Siegen. Er beendete seine Karriere nach 21 Jahren im September 2006. (Bild: Getty Images)

Nach Beendigung der aktiven Tenniskarriere fing für Sie ein neues Leben an. Dreht sich heute bei Ihnen alles um die Kinder?

Graf: Die Familie steht im Zentrum. Was mich überraschte, ist, wie aktiv die Kinder sind. Nach der Schule Hausaufgaben, Baseball, Tanz, Malen, Klavier …

Kinder spielen allgemein eine wichtige Rolle in Ihrem Leben. Der Showkampf in Zug kommt Stefanies Kinderhilfswerk «Children for Tomorrow» zugute. Andre betreibt in Las Vegas eine Schule. Wieso haben Sie Ihre Wohltätigkeitsarbeit auf Kinder fokussiert?

Agassi: Ich finde auf einfache Weise Zugang zu Kindern. Ihre Unschuld spricht mich an, und ihre Zukunft ist doch so unglaublich wichtig. Wie man ihnen helfen kann, ist etwas komplizierter. Ausbildung ist das Werkzeug für ihre Zukunft. Dass ich in unserem Wohnort Las Vegas mit der Agassi-Prep-Schule im Ausbildungssektor gelandet bin, war das Resultat eines längeren Prozesses.

Jaz Elle (9) und Jaden Gil (11) sind zwar sehr sportlich, interessieren sich aber eher für Baseball und Tanz als für Tennis. (Bild: Dukas)
Jaz Elle (9) und Jaden Gil (11) sind zwar sehr sportlich, interessieren sich aber eher für Baseball und Tanz als für Tennis. (Bild: Dukas)

Würde Sie ein Coaching-Job nicht reizen?

Graf: Ich schaue mir immer noch gerne mal ein Spiel an, und ich bin in das Adidas-Team-Programm involviert. Sie kommen jeweils zwei Wochen nach Las Vegas, um sich auf die Hardcourt-Saison vorzubereiten. Es macht Spass, der jungen Generation zu helfen und Erfahrungen und Tipps weiterzugeben. Manchmal gehts auch gar nicht darum, was auf dem Platz passiert, sondern daneben. Aber um jemanden zu coachen, muss man 20 bis 25 Wochen reisen, und dazu sind wir nicht bereit.

Profi-Tennis ist eine ernste Sache. Deshalb die Frage: Was bringt Sie ausser den legendären Clowneinlagen von Bahrami und Leconte sonst noch zum Lachen?

Graf (hilfesuchend ihren Mann anschauend): Wie heisst diese TV-Serie nochmals, «Bang Theory»?

Wenn ich gewusst hätte, wie gut es mir ging, hätte ich vermutlich schon früher aufgehört.

André Agassi

Apropos Perspektive: Roger Federer wird eines Tages zurücktreten. Sie haben den Schritt hinter sich. Muss er da mit einem Schock rechnen, oder was können Sie ihm für die Zeit nach der Aktivkarriere mitgeben?

Agassi: Wir haben bei anderen gesehen, dass es schwierig sein kann. Aber bei uns ging es ziemlich gut. Wenn ich gewusst hätte, wie gut es mir geht, hätte ich vermutlich schon früher aufgehört.

Kann er sich zu diesem späten Zeitpunkt in der Karriere noch verbessern?

Agassi: Roger kann mich nicht mehr weiter überraschen — nur noch weiter beeindrucken. Sein Problem ist ja, sich mit dem besten Spieler aller Zeiten messen zu müssen. Er ist 31, wird 32. Kann er mit 32 besser sein als der Beste aller Zeiten? Er hat diese Messlatte ja gesetzt.

Früher waren Ihre perfekten Tage durch Siege definiert. Wie sieht für Sie heute ein perfekter Tag aus?

Agassi: Zeit mit den Kindern, den Freunden, bei der Arbeit etwas zu erreichen, den Körper und den Geist voll einzusetzen. Wenn alles, was einem lieb und teuer ist, mit dabei ist, hat man einen Prachtstag.

Bilder: Serge Höltschi

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