03. August 2017

Sport am TV ist so teuer und kompliziert wie nie

Swisscom und UPC Cablecom besitzen die Übertragungsrechte für Fussball- und Eishockeyspiele. Wer alles sehen will, muss doppelt zahlen. Eine Lösung ist nicht in Sicht – mit einer Ausnahme.

Wer Bundesligaspiele wie FC Bayern München gegen Borussia Dortmund am TV sehen will, muss tief in die Tasche greifen
Wer Bundesligaspiele wie FC Bayern München gegen Borussia Dortmund am TV sehen will, muss tief in die Tasche greifen (Bild: Matthias Schrader/AP/Keystone).
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Teleclub-Besitzerin Swisscom hat diesen Sommer im Spiel gegen UPC Cablecom (neu: UPC) zwei kolossale Eigentore geschossen. Die Übertragungsrechte für zwei elementar wichtige Wettbewerbe – die Schweizer Eishockeymeisterschaft und die deutsche Fussballbundesliga – liegen seither (grösstenteils) bei MySports, dem neu gegründeten Sender von UPC. Teleclub muss ab sofort mit einem deutlich ausgedünnten Angebot auskommen.

Geblieben sind dem (ehemaligen) Platzhirsch:

  • Schweizer Super und Challenge League
  • Schweizer Eishockey Cup, NHL und die Eishockey-Weltmeisterschaft
  • 40 Bundesligaspiele (30 Freitagsspiele, 5 Sonntagsspiele, 5 Montagsspiele) und DFB-Pokal
  • Fussball aus Italien, Frankreich, Belgien, Schottland
  • Tennis, Formel 1 sowie Handball.

Schweizer Sportfans gucken in die Röhre

Wer sich vor allem für Schweizer Sport interessiert, hat seit diesem Sommer ein Problem: Es ist nicht mehr möglich, alle Schweizer Fussball- und Eishockeyspiele von einem Anbieter aus einer Hand zu beziehen. Beide Provider können ihren Content aus technischen Gründen gar nicht immer zum Kunden bringen: Je nach Wohnort ist im Fall von Swisscom die Internetverbindung zu langsam, um überhaupt ein Swisscom-TV-Abo abschliessen zu können. UPC hingegen kann seine Dienste übers Kabelnetz gar nicht in jeder Wohngemeinde anbieten. Zwar gibts 18 Partnerschaften mit lokalen Kabelnetzanbietern, aber eine Abdeckung der ganzen Schweiz garantiert das nicht.

Doch das ist nicht das Hauptproblem. Schuld ist auch nicht primär die verworrene bzw. fragmentierte Rechtesituation, sondern eindeutig das Geschäftsmodell beider Provider Swisscom und UPC. Sie verkaufen «Live-Sport» nur an Kundinnen und Kunden, die ein Internetabo von Swisscom resp. UPC nutzen. Aus technischer Sicht ist das nicht nötig. Die Rechteinhaber könnten, wenn sie denn wollten, sämtliche Sportereignisse als sogenannten Over-the-top content (OTT) anbieten – losgelöst von einem Internetabo. Vorreiter in diesem Bereich ist DAZN: Dessen Inhalte, dazu gehören unter anderem Fussballspiele der spanischen, englischen und türkischen Liga, können unabhängig von Internetprovider und Abspielgerät bezogen werden.

Was bringt die Zukunft?

Jede Art von Content muss unabhängig von Provider, Zeit und Ort verfügbar sein. Es ist nicht mehr zeitgemäss, diesen an ein Internetabo zu knüpfen – das widerspricht der Netzneutralität. Doch Zeichen deuten unmissverständlich darauf hin, dass die Sportrechte-Reise in die richtige Richtung geht:

«Sky Sport» besitzt unter anderem die Senderechte an der deutschen Fussballbundesliga (ausser an jenen 40 Spielen, die Swisscom zeigen darf). Das obige Facebook-Posting kündigt den Markteintritt in die Schweiz an. Bedeuten kann dies nur eines: Dass Sky in direkte Konkurrenz zu DAZN tritt und Bundesligaspiele als OTT-Content anbieten wird. Immerhin etwas. Fehlt nur noch, dass dasselbe für Schweizer Fussball- und Eishockeyspiele geschieht. Das dürfte zwar noch nicht heute oder morgen geschehen, aber vielleicht übermorgen. In der Hand haben es die Schweizer Sportfans selbst.

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