22. Januar 2020

Spiel und Spass in Florida

Rund zwei Dutzend Vergnügungsparks buhlen in Orlando um Kundschaft. Und irgendwie ist für fast jeden etwas dabei: Tierfreunde, Wasserratten, Filmfans, Achterbahnsüchtige – ja sogar für tiefgläubige Christen.

Delfin und Mensch im Tier- und Wasserpark Discovery Cove
Erstes Kennenlernen zwischen Delfin und Mensch im Tier- und Wasserpark Discovery Cove.
Lesezeit 9 Minuten

Olivia (10) und die Zwillinge Ryan und Luke (8) können sich nicht entscheiden: Sollen sie es wagen, sich im tiefen Wasser von Delfin Kaylee mitziehen zu lassen oder doch lieber nur im flachen? Die Frage klärt sich rasch, als ihre Mutter Elizabeth Diaz (42) sich fürs tiefe Wasser entscheidet – und dabei sehr entspannt wirkt.

Sicher hilft, dass sie die verspielte Kaylee vorher schon ein wenig kennenlernen, sogar ihre glatte, gummiartige Haut streicheln durften. Ihr Betreuer Brian hält die 15-jährige Delfindame mit viel Fisch bei Laune und sprudelt dabei nur so vor Wissenswertem über die äusserst sozialen, neugierigen Meeressäuger. Alle drei Kinder strahlen nach ihrem Schwumm mit Kaylee, und Olivia würde am liebsten noch mal eine Runde drehen.

Über 40 Delfine tummeln sich in den drei Salzwasserseen von Discovery Cove, einem Wasser- und Tierpark, der zu Sea World gehört, aber etwas exklusiver ist und die Zahl der Gäste auf 1300 pro Tag begrenzt. Das hebt ihn wohltuend von den anderen, oft sehr überlaufenen Parks ab, erfordert allerdings auch zwingend eine rechtzeitige Reservation. Discovery Cove setzt auf Erlebnisse mit Tieren und möchte so für die von Verschmutzung und Überfischung bedrohte Unterwasserwelt sensibilisieren.

Die in Gefangenschaft geborenen und aufgewachsenen Delfine sind jeden Tag mit den Gästen im Einsatz – aber nur, wenn sie Lust haben. So kann es laut Brian durchaus vorkommen, dass mal einer mitten in einer Präsentation davonschwimmt. Aber Ersatz findet sich immer.

Unterwasserspaziergang durch ein künstliches Riff mit echten Meeresbewohnern.
Unterwasserspaziergang durch ein künstliches Riff mit echten Meeresbewohnern.

Auch das Schnorcheln in einem künstlichen Riff gefällt den Kindern; in freier Wildbahn würde man wohl nur mit viel Glück auf eine solche Fülle prächtiger, farbenfroher Fische stossen. Und lieber nicht auf Haie, die sich hier, getrennt durch eine Glaswand, schnorchelnd beobachten lassen.

Noch eindrücklicher ist der geführte 20-minütige Unterwasserspaziergang mit einem Spezialhelm, der von ausserhalb mit Luft versorgt wird. Luke und Ryan müssen leider oben bleiben, weil sie noch zu jung sind, aber Olivia darf mit, auch wenn sie zu Beginn etwas nervös ist und unten angekommen die Hand ihrer Mutter erst mal nicht loslässt. Doch man gewöhnt sich schnell an die verzögerte Fortbewegung auf dem Meeresboden, und der Tourguide führt mithilfe von Zeichensprache und Schrifttafeln durch das Riff. Am Schluss gibt es eine Fütterung, sodass die Gäste geradezu eingehüllt werden von freudig futternden Fischen.

2:1 für die Delfine

Man kann den Tag im Park auch einfach im Liegestuhl am künstlichen Strand verbringen oder sich gemütlich einen Fluss entlangtreiben lassen, aber es sind die Interaktionen, die Discovery Cove zu einem Erlebnis machen. So gibt es auch mehrere grosse Freiflugvolieren mit einer Fülle verschiedener Vögel, die sich gerne mit Futter anlocken lassen.

Mit Futterschälchen lassen sich eine Vielzahl verschiedener Vögel anlocken – wenn sie nicht schon satt sind...
Mit Futterschälchen lassen sich eine Vielzahl verschiedener Vögel anlocken – wenn sie nicht schon satt sind...

Begeistert strecken die Kinder ihre Futterschälchen aus. Doch die Tiere landen nicht immer nur auf Händen und Armen, sondern auch mal auf dem Kopf. Besonders erfolgreich ist Ryan, der gar nicht mehr hinaus will aus den Volieren und von seiner amüsierten Mutter prompt den neuen Spitznamen «Birdwhisperer» bekommt, der Vogelflüsterer.

Am Ende sind die Kinder ziemlich erschöpft, aber sehr glücklich und würden am nächsten Tag am liebsten wiederkommen. Und welche Tiererlebnisse haben am meisten begeistert? Die Delfine gewinnen 2:1 gegen die Vögel.

Discovery Cove: Tickets ab 150 Franken pro Person und Tag (Kinder unter 3 Jahren gratis), das Schwimmen mit den Delfinen und der Unterwasserspaziergang kosten zusätzlich; Frühstück, Mittagessen, Getränke und Snacks (all you can eat and drink) sind im Preis inbegriffen, ebenso Schnorchel-Equipment und Handtücher. Preise variieren nach Jahreszeit und ausgewähltem Tag. Ab und zu gibt es Sonderangebote. Unbedingt rechtzeitig buchen.

Millenium Falcon aus «Star Wars» in Disney's Hollywood Studios
Als wäre man auf einem fremden Planeten: Gäste bestaunen den Millenium Falcon aus «Star Wars» in Disney's Hollywood Studios.

Welcher «Star Wars»-Fan hat nicht schon immer davon geträumt, einmal selbst die Welten zu besuchen, in denen die aufregenden Abenteuer seiner Helden spielen? Näher als in «Star Wars: Galaxy’s Edge», dem im vergangenen Sommer eröffneten neuen Teil von Disney’s Hollywood Studios, kann man diesem Traum auf dem Planeten Erde wohl nicht kommen.

Als wir uns in die nordöstliche Ecke des Parks bewegen, betreten wir quasi eine andere Welt, den Planeten Batuu, einen wilden Aussenposten am Rand der Galaxis, wo sich Schmuggler, Händler, aber auch imperiale Sturmtruppler tummeln. Wir spazieren über einen Markt und probieren in diversen kleinen Lokalen exotische Gerichte wie «Endorian Roasted Chicken Salad» oder Drinks wie den «Jedi Mind Trick». Wobei es beim Flanieren schon passieren kann, dass man von einer Patrouille Sturmtruppler aufgehalten und misstrauisch nach seinen Plänen gefragt wird. Was natürlich am Ende nicht in einer Verhaftung gipfelt, sondern in einem Selfie mit den Bösewichten.

Eine Mission für die Rebellen

Vor allem aber pilotieren wir höchstselbst den Millenium Falcon, Han Solos legendäres Raumschiff. Dafür müssen wir allerdings zuerst eine Warteschlange durchstehen, die sich immerhin durch eine unterhaltsame Raumschiff-Werkstatt bewegt und schliesslich ins Cockpit des Schmugglerschiffs führt. Und wir haben Glück: Wir werden als Piloten eingeteilt (es gäbe auch Schützen und Ingenieure), sodass wir das Schmugglerschiff auf einer kleinen Mission für die Rebellen tatsächlich selbst steuern wie in einer Art Videospiel.

Hier bauen sich Fans selbst kleine Droiden zusammen.
Hier bauen sich Fans selbst kleine Droiden zusammen.

Das Konzept von «Galaxy’s Edge» nennt Disney «immersiv», wir sollen uns also nicht wie in einem Park fühlen, sondern wie auf Batuu. Das funktioniert nur leidlich, sind wir doch pausenlos von Horden anderer Parkgäste umgeben – darunter viele offensichtliche Fans: Nicht nur tragen sie entsprechende T-Shirts, sie shoppen auch enthemmt in den vielen, vielen, vielen Merchandising-Läden. In einigen kann man sich sogar ein Laserschwert oder einen Miniroboter konstruieren, aber natürlich nur mit dem nötigen Kleingeld. Im Fall der zugegebenermassen sehr coolen Schwerter kostet das schnell mal über 200 Franken.

Bald soll die Immersion noch eine Stufe weitergehen: Disney baut derzeit in der Nähe des Parks ein Hotel im Look des Science-Fiction-Megahits. Darin soll man sich dann rund um die Uhr so fühlen, als wäre man in einem echten «Star Wars»-Raumschiff untergebracht. Der Eröffnungstermin steht allerdings noch nicht fest.

Buzz Lightyear begrüsst die Besucher im «Toy Story Land»
Buzz Lightyear begrüsst die Besucher im «Toy Story Land», eine weitere Spielwelt von Disney's Hollywood Studios.

Disney’s Hollywood Studios bietet natürlich noch mehr als «Star Wars». Wer sich gerne gruselt, sollte sich den von der TV-Serie «Twilight Zone» inspirierten «Tower of Terror» nicht entgehen lassen, und kleinere Kinder dürften im «Toy Story Land» viel Spass haben.

Expresszugang reservieren

Sage und schreibe vier Parks betreibt Disney in Orlando, und in allen ist der Andrang enorm. Immerhin kann man pro Tag drei kostenlose sogenannte «FastPass+»-Reservationen machen. Dadurch erhält man für gewisse Attraktionen ein Zeitfenster, in dem man in eine Expressschlange kommt, was die Wartezeiten dramatisch verkürzt.

Statt zum Beispiel 45 Minuten anzustehen für die coole, wilde Achterbahn «Expedition Everest» in Disney’s Animal Kingdom, laufen wir einfach durch und sitzen in nicht einmal fünf Minuten bereits in unserem Wagen auf dem Weg zum Yeti.

Abenteuer auf dem Planeten Pandora, inspiriert vom Filmhit «Avatar» in Disney's Animal Kingdom
Abenteuer auf dem Planeten Pandora, inspiriert vom Filmhit «Avatar» in Disney's Animal Kingdom.

Doch wer nicht früh genug reserviert (ab einem Monat vorher), geht bei besonders populären Bahnen leer aus und muss tatsächlich anstehen, manchmal mehr als eine Stunde. Das lohnt sich am Ende nicht immer, aber manchmal eben doch. Etwa bei «Avatar Flight of Passage» im Animal Kingdom, in dem ein Flug auf einem der drachenähnlichen Wesen des Planeten Pandora aus dem Science-Fiction-Film «Avatar» simuliert wird – und zwar derart überzeugend und eindrücklich, dass wir ernsthaft überlegen, uns bei der Schlange gleich wieder hinten anzustellen.

Disney-Parks: Hollywood Studios, Animal Kingdom, Magic Kingdom, Epcot. Tickets: ab 109 Franken pro Person, Park und Tag (Kinder von 3 bis 9 Jahren ein wenig günstiger, Kinder unter 3 Jahren gratis); Preise sind abhängig vom ausgewählten Tag, Anzahl Tage, zusätzlich gibts Upgrades, manchmal Discounts.

Aufwendig inszenierte Show rund um die Geburt von Jesus in The Holy Land Experience.
Aufwendig inszenierte Show rund um die Geburt von Jesus in The Holy Land Experience.

Eigentlich sind wir hier, um die Kreuzigung zu sehen, die in diesem Park üblicherweise zweimal täglich in allen blutigen Details nachgestellt wird – inklusive Satan, der sich dazu triumphierend die Hände reibt. Doch es ist Vorweihnachtszeit; die Parkbetreiber sind milde gestimmt und konzentrieren sich in diesen Wochen ganz auf die freudigen Ereignisse rund um Jesus’ Geburt. Die Kreuzigung gebe es erst gegen Ostern wieder, informiert uns der Kassierer am Eingang.

The Holy Land Experience ist ein Unikum unter den Freizeitparks in Orlando. Es gibt keine Achterbahnen, keine Warteschlangen und von drei Kamelen und einem Esel abgesehen auch keine Tiere zu bestaunen. Wer hierherkommt, ist entweder sehr, sehr christlich oder hat ein Interesse an Kuriositäten. Obwohl es schon ein paar Parallelen zu den Disney-Parks gibt: Auch hier wird Merchandising verkauft, und die Angestellten laufen verkleidet umher, winken uns zu und grüssen freundlich: «Shalom, good morning, schön, dass Sie hier sind!»

Als befände man sich im Heiligen Land vor 2000 Jahren.
Als befände man sich im Heiligen Land vor 2000 Jahren.

Vor allem aber setzt man ebenfalls auf die Kraft der Illusion: Der Park will uns in die Zeit und an die Orte zurückversetzen, in denen die biblische Geschichte spielt. Wir spazieren über einen Markt im alten Jerusalem und begutachten die Bundeslade im Tempel des Herodes (der 70 nach Christus von den Römern zerstört wurde und dessen verbliebene Westmauer im heutigen Jerusalem die Klagemauer ist).

Gesang, Tanz und sogar Humor

Und in überraschend professionell aufgezogenen Shows werden diverse Szenen aus der Bibel nachgespielt – mit viel Gesang, Tanz und ja, sogar Humor. Richtig interessant ist ein grosses Modell der Stadt Jerusalem um das Jahr 66 herum, das bei einer Führung historisch und archäologisch eingeordnet wird.

Wir finden es schon alles reichlich schräg, aber das (primär amerikanische) Publikum wirkt insgesamt durchaus angetan: Werden wir am Ende einer Show mit einem fröhlichen «God bless» entlassen, schallt meist ein vielstimmiges, freudiges «Amen» zurück.

The Holy Land Experience: Tickets kosten Fr. 50.– (Fr. 35.– von 5 bis 17,
Jüngere gratis).

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Die Reise nach Orlando wurde bezüglich Hotel und Mietwagen von Hotelplan unterstützt. Ein Aufenthalt im Vier-Sterne-Hotel «Floridays Resort Orlando» ist bei Hotelplan ab Fr. 76.– pro Person und Nacht im Doppelzimmer buchbar. Mietwagen gibt es ab Fr. 241.– für 7 Tage;. Eintritte für die Disney-Themenparks sind bei Hotelplan ab Fr. 183.– pro Person erhältlich.

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