22. Dezember 2017

Spazieren im Val Bever

Lohnende Winterwanderwege gibts im Engadin einige. Wir haben einen nördlichen Seitenarm des Haupttals getestet, weitab von Hektik und sportlicher Herausforderung.

Auf halber Strecke zwischen Bever und Spinas
Auf halber Strecke zwischen Bever und Spinas: Ein bisschen Sonne scheint durchs Geäst.
Lesezeit 3 Minuten

Winter in den Bergen bedeutet für mich nicht nur die Zeit des Drinnen-Sitzens und Feierns, unterbrochen von einigen Abfahrten auf der Skipiste oder dem x-ten Versuch, auf den Langlauflatten wenigstens halbwegs vom Fleck zu kommen. Ebenso gern kombiniere ich in den letzten Jahren im Engadin einen halben Tag Lektüre oder Home Cinema mit einem ... altmodischen Winterspaziergang.
Und nein, wir reden nicht von verkappten Parforcetouren in hohem Tempo oder Schneeschuh-Aufstiegen (das hab ich zwar auch mal wieder vor), sondern von ein- bis höchstens dreistündigen Routen auf bestens unterhaltenen Wanderwegen.

Weil viele Engadin-Erfahrene die paar Wege im Haupttal (z.B. Maloja–Silvaplana südlich der Seen, Punt Muragl–La Punt, La Punt–S-chanf) fast so gut kennen wie die beiden malerischen Seitenarm-Klassiker (das Fextal von Sils und das Rosegtal von Pontresina aus), empfehlen wir hier etwas auf Anhieb Unscheinbares: Der Weg - von Bever über eine Schlaufe am Nordhang bis Spinas, auf dem Strässchen westlich zurück bis kurz vor Bever, dann vom Bahnhöfchen aus auf einem kurzen Höhenweg und einem Stückchen Vita-Parcours-Strecke nach Samedan - lässt sich zudem ideal mit einer Kurzbesichtigung von Bever und/oder Samedan kombinieren, sollte man die Orte nicht kennen.

Optionen hat man unterwegs auch: Noch gemütlicher bis Spinas wandern und vom Bahnhöfchen alle zwei Stunden mit der RhB nach Samedan zurückrauschen (Achtung: Bever direkt steht nicht im Angebot!) verkürzt die Laufzeit auf gut eine Stunde und serviert dennoch viele Höhepunkte. Interessant gerade für Familien mit kleineren Kindern oder gar im Kinderwagen (mit robusteren Modellen kommt man problemlos durch, sofern es nicht gerade stark schneit). Oder man lässt das letzte Stück Bever–Samedan weg, bestaunt länger den historischen Palazzo Salis und trinkt oder isst dort etwas. Samedan mit dem Hauptplätzchen und der einen oder anderen Gasse (eher nördlich den Hang hinauf) lohnt sich ebenso, vom Hauptplatz mit Kirche und Gemeindehaus 200 Meter hangabwärts gelangt man übrigens zu einem der besten Fleich- und Käsespezialisten der Region: Plinio.

Route Bever-Spinas-Samedan

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1500 x 1000 px / © swisstopo)

Das erste Wegstück am Hang über Bever dient dazu, sich vom Haupttal für eine Weile zu verabschieden. Ausser im Winter treffen Kinder übrigens bis zur ersten grösseren Weggabelung auf sechs Stationen mit je einer Skulptur (etwa von Not Vital), vor der niemand in Ehrfurcht zu erstarren braucht, und daneben einem Engadiner Märchen, das an Hörstationen sitzend verfolgt wird. Im Hochwinter begnügt man sich mit dem Eintritt ins malerische Val Bever, das in der folgenden Dreiviertelstunde mit stetem Wechsel zwischen lieblicher Einbettung zwischen Waldsäumen und Bachbett sowie karg-spröder Winterlandschaft hin und her wechselt.

In Spinas angekommen, bestaunt man die imposante Baustelle für den neuen Albula-Scheiteltunnel, bevor man sich in der Beiz hinter dem Bahnstatiönchen aufwärmt. Im Winter liefert das Strässchen eine Abwechslung für den Rückweg, ansonsten ist wegen erhöhtem Auto- und Veloverkehr der Rückweg auf dem Wanderweg (östlich) die bessere Lösung.

Ach ja, fast hätte ichs vergessen: Wer gar nicht laufen mag, bucht eine Schlittenfahrt von Bever nach Spinas. Die ist auch günstiger und weniger zum Hype geworden als jene zum Hotel Fex im gleichnamigen Südtälchen.

Geeignet für spazierende Entdecker
Höhepunkt: ganzes Val Bever
Pause: Spinas, Bever
Dauer: 2 Std. 45 (Laufzeit ohne Pausen)
Höhenmeter (bergauf): 240 m

Trümpfe der Wanderung Bever-Spinas-Samedan

Reto Meisser über seine Kolumne «Hike & Bike»

Video: Elena Bernasconi

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