01. Juni 2015

Asturien ist Spanien für Geniesser

Eine herrliche Landschaft, ein gemässigtes Klima und die vorzügliche Küche machen Asturien an der Nordwestküste von Spanien zum Geheimtipp. Die Region am Jakobsweg bietet viel für wenig Geld.

An den Stränden Asturiens hats viel Platz
An den Stränden Asturiens hats viel Platz.

Ramón Celorio Labra (47) wischt sich die Schweissperlen von der Glatze. In der Showküche des Restaurants Los Arcos dampfen die Töpfe, die umliegenden Tische sind gut besetzt. Die Gaststätte in Cangas de Onís ist beliebt. Sie ist bekannt für traditionelle asturische Küche mit einer Prise Exotik.

«Traditionelle Gerichte sind relativ schwer. Ich setze etwas mehr Gemüse und weniger Fett ein. Gern verwende ich auch mal eine exotische Zutat wie Mango oder Limette, wobei ich wo immer möglich lokale Produkte von erstklassiger Qualität bevorzuge», erklärt der preisgekrönte Koch seine Philosophie. In Asturien könne er sich diesbezüglich sehr glücklich schätzen: «UnsereRegion ist eine Schatzkammer. Wir habenalles, was es braucht, für eine grosse Auswahl an Zutaten – Berge, Täler und dasMeer.»

Koch Ramón Celorio Labra verwöhnt seine Gäste unter anderem mit Käse von seinen eigenen Kühen
Koch Ramón Celorio Labra verwöhnt seine Gäste unter anderem mit Käse von seinen eigenen Kühen

Asturien liegt im nordwestlichen Zipfel von Spanien, zwischen den Pyrenäen und der Pilgerstadt Santiago de Compostela. Die Region ist ein beliebtes Reiseziel für Spanier: 90 Prozent aller Touristen stammen aus dem Inland. Sie kommen vor allem in den Sommermonaten, wenn die Mittelmeerstrände von ausländischen Touristen überflutet sind, die Hitze im Landesinnern unerträglich wird und das gemässigte Klima an der Atlantikküste Abkühlung verspricht.

Einsame Sandstrände und verführerische Leckereien

Die meisten Schweizer, die sich nach Asturien verirren, wollen den Jakobsweg begehen. Dabei hätte dieser abgelegene Winkel Spaniens nicht nur Pilgern, sondern auch Naturliebhabern, Kulturinteressierten und Badegästen viel zu bieten: Es gibt regionale Naturpärke in zerklüfteten Felslandschaften, spektakuläre Bauten, rauschende Feste sowie unzählige schöne Sandstrände.

Fast schon ein Muss ist die nordspanische Provinz für Feinschmecker. In der Küstenstadt Gijón, die sich gern als spanische Hauptstadt der Süssigkeiten bezeichnet, finden Gourmets über 60 Konditoreien. In den Auslagen liegen verführerische Leckereien – mit Schokolade glasierte Bonbons aus Ziegenkäse, caramelisierte Milchreisschnittchen auf Mürbeteig oder knusprige Waffeln, gefüllt mit Nüssen und Feigen. Mit dem im Tourismusbüro und Internet erhältlichen Voucher «Sweet Toothed Gijón» können Schleckmäuler in 16 verschiedenen Betrieben zuschlagen, wahlweise 5 Mal für 7 Euro oder 10 Mal für 13 Euro.

Teil eines Achtgängers im Restaurant Casa Fermín in Oviedo, wo auch schon König Juan Carlos zu Gast war
Teil eines Achtgängers im Restaurant Casa Fermín in Oviedo, wo auch schon König Juan Carlos zu Gast war.

Überhaupt, die Preise: Während für Spanier Ferien in Asturien eher teuer sind, wirken sie für Schweizer wie ein Schnäppchen. Im Restaurant Casa Fermín in Oviedo, wo auch schon König Juan Carlos zu Gast war, kann man für 50 Euro einen Achtgänger bestellen. Und in der Nebensaison gibt es das Doppelzimmer im 5 Sterne-Hotel auch schon mal für 90 Euro.

Wer sich allerdings nur an Sternen und Punkten orientiert, verpasst etwas. In Asturien gibt es viele kleine Hotels, deren Besitzer aufgrund der spanischen Wirtschaftskrise um die Existenz kämpfen – und folglich ihre Gäste maximal verwöhnen. Auf dass sie wiederkommen oder Freunde vorbeischicken.

Von der Krise betroffen ist auch Danièle Schmid (55) aus Argüero. Die Walliserin lebt seit rund 30 Jahren in Asturien. Die ehemalige Bankangestellte betreibt gemeinsam mit ihrem Mann, der zwar in der Schweiz aufgewachsen ist, aber asturische Wurzeln hat, das ökozertifizierte «Agriturismo Quintana de la Foncalada» . Neben Kost und Logis auf dem Bauernhof bietet das Ehepaar auch Töpferkurse an und führt ein Museum, das dem Asturcon-Pony gewidmet ist.

Die Walliserin Danièle Schmid, die seit rund 30 Jahren ein Agriturismo in Asturien betreibt
Die Walliserin Danièle Schmid, die seit rund 30 Jahren ein Agriturismo in Asturien betreibt.

«Ich habe mich hier von Anfang an zu Hause gefühlt. Es gibt Berge wie in der Schweiz, und sogar die Getreidespeicher sehen fast so aus wie jene im Wallis», schwärmt Danièle. Der kleine, aber bestechende Unterschied sei, dass sie auf ihrem Hof bloss zehn Gehminuten vom Meer entfernt lebe.

Wie im Gourmettempel von Ramón Celorio Labra kommen selbstverständlich auch bei Danièle vor allem lokale Produkte auf den Tisch: Fleisch von einheimischen Schweinerassen, Gemüse aus dem eigenen Garten und natürlich der allgegenwärtige Apfelwein.

Die besten Käse reifen in abgelegenen Naturhöhlen

La Sidra, das Nationalgetränk, wird aus zwei Meter Höhe eingeschenkt
La Sidra, das Nationalgetränk, wird aus zwei Meter Höhe eingeschenkt.

La Sidra ist in Asturien das, was in München das Bier oder im Wallis der Wein ist. In der Region gibt es rund 100 verschiedene Produzenten, und an jeder Ecke sitzen Leute zusammen und öffnen gemeinsam eine ­Flasche. Das Spezielle dabei: Alle trinken aus demselben Glas, und der Kellner schenkt vor jeder neuen Runde nach – aus zwei ­Meter Höhe. Auf dem Weg von der Flasche ins Glas geraten Luftblasen in das Getränk, wodurch es auf der Zunge prickelt und seinen Geschmack besser entfalten kann. So schnell wie die Blasen drin sind, sind sie auch wieder draussen. Deshalb schmeckt das Getränk kurz nach dem Einschenken am besten.

Besonders zu einem traditionellen Gericht mag Danièle den sauren Most inzwischen lieber als Wein. Sie bevorzugt die naturtrüben Sorten von kleinen Biobetrieben: «Sie enthalten mehr Restsüsse und riechen noch stärker nach Apfel.»

Besonders gut passt der Most zu einer der rund 42 einheimischen Käsesorten. Asturien gilt als die Region mit der grössten Käsevielfalt innerhalb der Europäischen Union. Unbedingt probieren sollte man den Cabrales. Ein in Höhlen gereifter Blauschimmelkäse, der aus der Milch von Kuh, Schaf und Ziege hergestellt wird. In der Nase ist er ein echter Stinker, auf der Zunge jedoch eine scharfsaure Offenbarung mit sanftweichem Abgang.

Filipe Lopez besitzt drei Grotten, in denen er seinen preisgekrönten Blauschimmelkäse reifen lässt.
Filipe Lopez besitzt drei Grotten, in denen er seinen preisgekrönten Blauschimmelkäse reifen lässt.

Filipe Lopez (56), der im Bergdorf Sotres gemeinsam mit seiner Tochter Jessica eine Käserei betreibt, hat bereits mehrere Preise für seinen Käse abgeräumt. Sein Geheimnis sind seine drei Keller, allesamt Naturhöhlen. Die beste ist nur auf einem rund stündigen Fussmarsch erreichbar, die zweitbeste immerhin mit dem Pferd.

«Eine gute Höhle ist Gold wert, auch wenn sie abgelegen liegt», erklärt Filipe den Aufwand. Gut sei eine Höhle, wenn die Temperatur konstant tief und die Luftfeuchtigkeit hoch sei. Ist der Käse im Berg, wo er bis zu elf Monaten bleibt, muss er jede Woche ein Mal gewaschen werden. Alles andere macht die Natur. Das heisst, der Blauschimmel wird nicht etwa in die Laibe geimpft, sondern bildet sich selbständig – aus Sporen, die natürlich in der Höhle vorkommen.

Auch Spitzenkoch Ramón Celorio Labra tischt in seinem Restaurant gern Blauschimmelkäse zum Nachtisch auf. Probieren muss man, auch wenn im Bauch längst kein Platz mehr ist. Aber abzulehnen, wäre eine Beleidigung. Denn der Ramoneu ist nicht irgendein Käse. Ramón produziert ihn selber, mit der Milch der eigenen Kühe, die er nach Biorichtlinien hält. Auch das ist Spanien zum Geniessen.

Die Recherche dieser Reise wurde unterstützt vom Spanischen Fremdenverkehrsamt Zürich, www.spain.info

Bilder: Roger Wehrli

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