26. Oktober 2017

Späte Mama?

Sängerin Jäel schreibt übers Mami werden.

Jaël auf Herbstspaziergang
Lesezeit 2 Minuten

Jetzt also doch noch», kommentieren die einen, «das war wohl ein Unfall», vermuten die anderen, «hat aber lange nicht geklappt», flüstern Dritte. Schliesslich bin ich seit fünf Jahren verheiratet, und die biologische Uhr tickt schon lange: Mit 38 Mama zu werden, gilt als unverschämt spät.

Also: Es ist weder ein Unfall, noch hat es vorher nicht geklappt. Wir waren schlicht erfüllt mit unserem Leben, genossen die Zweisamkeit, die Unabhängigkeit und die Flexibilität, spontan wegfliegen zu können. Wir verwendeten jede freie Sekunde darauf, mit Hingabe unseren zu Jobs gemachten Hobbys nachzugehen und mit dem Rucksack nach Südostasien zu reisen. Doch, wir haben immer wieder mal diskutiert, ob in unserem Leben ein Kind fehlt, und wir kamen zum Schluss, dass es uns zu zweit gutgehe.

Was ich mir doch anhören musste in den vergangenen Jahren. Und die vielwissenden Blicke: «Das bereust du dann schon noch» ... Das ging so weit, dass ich mir überlegte, ob mit mir etwas nicht stimmt, weil ich nicht sehnsüchtig jedem Baby hinterherschaute. Warum nimmt sich so mancher das Recht heraus, uns Frauen bei einem so persönlichen Thema wie der Familienplanung dreinzu­reden? Mit 20 Mama werden, mit 30, 46 oder – pardon: auch gar nicht! Das ist doch alles wunderbar, sofern es für das Paar stimmt. Männliche Kollegen werden nicht gefragt, wann sie Kinder haben werden. Mir schien dies irgendwann nur noch absurd. Als ob mich jeder fragen würde: «Wann wanderst du eigentlich nach Timbuktu aus?» Das würde mein Leben wohl auf die gleiche Weise verändern.

Grossartigerweise freue ich mich heute uneingeschränkt auf dieses nächste Kapitel.

Früher wurde ich an Tagen um Kinder herum irgendwann kribbelig, sehnte mich nach mehr Tempo, meiner Gitarre und dem Textblock, dachte an die nächsten sieben Termine und an wilde Nächte im Tourbus. Und jetzt? Ich bin die Ruhe selbst und habe das wunderbare Gefühl, nichts verpasst zu haben. Selig spaziere ich durchs raschelnde Herbstlaub, vorfreudig darauf, mir vom Purzel alles zeigen zu lassen. Post-Konzert-Heimfahrten zum eigenen Bett ziehe ich jeder Hotelzimmerparty vor. Für mich? Genau der richtige Moment, Mama zu werden.

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Jaël hat sich mit Literatur über Geburt, Kinderentwicklung und 
Elternsein eingedeckt.