05. Dezember 2017

Sonntagsblues

Brave New Girl reflektiert sich selbst.

Frau am Meer
Die junge Frau und das Meer (Bild: Pixabay.com).
Lesezeit 1 Minute

Er schleicht sich meistens so nach 17 Uhr am letzten Tag der Woche bei mir ein. Jetzt, wo es draussen so schnell dunkel wird, klopft er manchmal kurz nach Mittag an meine Schlafzimmertür: der Sonntagsblues.

Der Sonntagsblues ist das, was passiert, wenn man plötzlich nicht mehr weiss, was man tun soll. Wenn der Kater auskuriert und die Wohnung geputzt ist. Wenn das Treffen mit Freunden, der Kinobesuch oder der Tag im Schnee passé ist. Wenn das Wochenende zwar noch nicht vorbei ist, der Kopf aber schon mitten im Montagsstress steckt.

Wir sind ständig auf Trab; Abschalten ist in Zeiten der totalen Vernetzung unmöglich geworden. Musse sind wir nicht mehr gewohnt. Schliesslich könnte man ja immer noch etwas machen. Erste Weihnachtsgeschenke einpacken oder den Siphon leeren zum Beispiel.

Doch irgendwann kommen diese Leere und das schlechte Gewissen. Faulenzen statt produktiv sein – das passt doch nicht zu mir. Habe ich wirklich genug soziale Aktivitäten unternommen, um meine Work-Life-Balance der vergangenen Woche wiederherzustellen?

Am Ende des Tages – oder besser gesagt: am Ende der Woche – gehts beim Sonntagsblues vor allem um eins: Wenn man nicht mehr abgelenkt ist, kommen die Gedanken hoch, die man sonst so leicht verdrängen kann. Bin ich zufrieden mit meinem Beziehungsstand? Sollte ich mich wieder mal beim elterlichen Sonntagsessen blicken lassen? Wie geht es mir eigentlich gerade?

Da muss man durch. Besser als ein Arbeitstag ist Selbstreflexion allemal. Auch wenn sie manchmal wehtut. 

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