09. Mai 2018

Soll man jetzt eine Festhypothek abschliessen?

Thomas Pentsy, Markt- und Produktanalyst der Migros Bank, über die zu erwartende Zinsentwicklung bei Fest- oder Libor-Hypotheken.

Entwicklung der Hypotheken: Fest vs. Libor

Der Zinsanstieg hat begonnen. In den USA wie in Europa haben die langfristigen Zinsen dieses Jahr angezogen. Nach Jahren im Negativbereich werden selbst Schweizer Bundesanleihen (sogenannte Eidgenossen) mit zehnjähriger Laufzeit wieder über der Nullprozentschwelle gehandelt. Treibende Kraft hinter dem Renditeanstieg sind vor allem die guten Konjunkturperspektiven.

Unter dem neuen Chef Jerome Powell hat die US-Notenbank (Fed) ihren Leitzins im März um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent angehoben. Zudem signalisierte das Fed, dass weitere Zinserhöhungen bevorstünden. Wir rechnen für 2018 mit drei weiteren Leitzinsanhebungen. In Europa hat die Europäische Zentralbank (EZB) zwar noch keine Zinsschritte vorgenommen, sondern nur leichte Veränderungen bei ihren Anleihekäufen. Aber das nahende Ende des Programms zur Quantitativen Lockerung der Geldpolitik (QE-Programm) wird den langfristigen Euro-Zinsen einen leichten Aufwärtsschub verleihen. Leitzinserhöhungen vor Ende des QE-Programms erachten wir indes als unwahrscheinlich.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sieht noch keinen Grund für eine rasche Abkehr von ihrer Geldpolitik. Sie hält den Leitzins weiter unverändert und wird ihn erst nach der EZB anheben. Frühestens Anfang 2019 dürfte es so weit sein. Für lange Laufzeiten sind die Zinsen dagegen bereits gestiegen; sie dürften auf Jahressicht weitere 0,25 Prozentpunkte zulegen.

Entsprechend werden auch die Zinssätze für Festhypotheken weiter anziehen. Für risikoscheue Kreditnehmer erscheint daher der Zeitpunkt für den Abschluss einer Festhypothek günstig. Der Zinsaufschlag von Festhypotheken gegenüber Libor-Hypotheken ist zurzeit noch gering. Im Umfeld steigender Langfristzinsen nehmen die Aufschläge jedoch zu. Risikofreudigere Kreditnehmer haben noch keinen Handlungsbedarf. Zwar ist auch bei Libor-Hypotheken mit höheren Zinskosten zu rechnen, auf absehbare Zeit dürfte der Zinsaufschlag dort aber überschaubar bleiben.

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