28. Mai 2019

Solarstrom macht Schule

Das Projekt «Jede Zelle zählt» (JZZ) bringt Schülerinnen und Schülern das Thema erneuerbare Energie näher. Es ermöglicht Schulen den Bau einer Solaranlage auf dem eigenen Dach. Die Kinder packen dabei mit an, zum Beispiel an der Tagesschule Oberglatt ZH.

Schüler bauen eine Solaranlage
Schüler packen mit an: Unter fachkundiger Anleitung installieren sie auf dem Dach ihrer Schule eine Solaranlage.

Die Sonne über dem Zürcher Unterland ist an diesem Aprilmorgen nur ein verwaschener, heller Fleck am wolkenverhangenen Himmel. Sie spielt heute trotzdem eine wichtige Rolle. Denn sie liefert der Tagesschule Oberglatt künftig Strom. Die Schule macht mit beim Projekt «Jede Zelle zählt – Solarenergie macht Schule!» (JZZ, siehe Box) der Winterthurer Klimaschutzorganisation «myblueplanet». Heute werden auf dem Schuldach deshalb Solarpanels installiert. Die Schülerinnen und Schüler helfen dabei tatkräftig mit.

Um kurz nach 8 Uhr steigt die erste Gruppe über eine Gerüsttreppe auf das Flachdach. Dort haben die Monteure der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) bereits alles vorbereitet. Glänzende Alurahmen stehen bereit, Kabel schlängeln sich über den Kies und stapelweise Solarpanele liegen parat. Mit Helmen und Handschuhen ausgerüstet, gehen die Jugendlichen an die Arbeit. Zu zweit packen sie ein Solarpanel und legen es in den Alurahmen. Die Mitarbeiter des EKZ zeigen ihnen, wie man sie richtig verschraubt und anschliesst.

Ein Klimarat an jeder Schule

Einer von ihnen ist Projektleiter Arnold Adolf (28). «Beim Einstecken der Kabel müsst ihr darauf achten, dass kein Dreck in den Steckern ist», erklärt er, «die Schrauben am Rahmen nur handfest anziehen.» Geduldig beantwortet er Fragen und wiederholt immer wieder seine Anweisungen. Arnold Adolf ist zum zweiten Mal bei JZZ dabei. Normalerweise ist er Verkaufsberater bei den EKZ und auf erneuerbare Energien
spezialisiert. «Die Mitarbeit beim Projekt macht mir Freude», sagt er. «Wir bringen den Kindern damit erneuerbare Energien näher und können ihnen erklären, wo eigentlich der Strom herkommt. Im Alltag macht man sich dazu ja nicht viele Gedanken.» Er ist überzeugt, dass die Jugendlichen danach bewusster mit Strom umgehen. «Wenn wir die Kinder hier begeistern können, machen wir sie zu Botschaftern für erneuerbare Energien.»

Arnold Adolf von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ)
Arnold Adolf von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ).

Angela Serratore (30) steht daneben und nickt zustimmend. Sie ist die Projektleiterin von JZZ. Die erneuerbaren Energien sind aber nur ein Aspekt des Projekts. «Wir vermitteln an den Schulen Wissen zu vier Themenschwerpunkten: erneuerbare Energien, Mobilität, nachhaltige Ernährung, Ressourcen und Abfall», sagt Serratore. Mit der Installation der Solaranlage auf dem Dach ist es also noch lange nicht getan. «Das Projekt dauert für eine Schule vier Jahre. Wir begleiten sie in dieser Zeit, beraten und liefern Ideen für den Unterricht.»

Eine Besonderheit, die JZZ auszeichnet, ist das Crowdfunding: Interessierte Personen, zum Beispiel Eltern oder lokale Unternehmer, kaufen für 40 Franken eine symbolische Solarzelle. Das Geld fliesst aber nicht in den Bau der Solaranlage – diese wird entweder von der Schule selbst oder von einem Partner finanziert –, sondern in eine Klimakasse. «Die Schülerinnen und Schüler bilden einen Klimarat und entscheiden selbständig, welche Bildungsaktivitäten sie mit den Mitteln finanzieren wollen», erklärt Serratore.

Angela Serratore ist die Projektleiterin von «Jede Zelle zählt».
Angela Serratore ist die Projektleiterin von «Jede Zelle zählt».

Während auf dem Dach gewerkt wird, absolviert der Rest der Schülerschaft am Boden einen Wissensparcours zum Thema Energie: Was ist eigentlich Strom? Wie funktioniert eine Solarzelle? Die Schüler hören aufmerksam zu und machen bei kleinen Stromexperimenten begeistert mit. Das ist ganz im Sinn von Angela Serratore: «Das Thema Nachhaltigkeit und Klima ist komplex und schwierig greifbar. Mit JZZ gehen wir weg vom Theorie- und Frontalunterricht, hin zum aktiven Mitgestalten.»

Lehrreicher Tag für die Jugendlichen

Lynn (13), Schülerin an der Tagesschule Oberglatt.
Lynn (13): «Es ist cool, dass wir heute Solarpanels montieren dürfen. Vorher wusste ich nicht so viel über Solarenergie. Ich habe viel gelernt. Ich konnte auch Fragen stellen, zum Beispiel ob man Solarzellen recyceln kann.»
Kilian (9), Schüler an der Tagesschule Oberglatt.
Kilian (9): «Mir gefällt, dass wir aufs Dach durften und beim Aufbau der Solaranlage zusehen konnten. Solarenergie habe ich vorher schon gekannt. Wir haben das Thema in der Schule behandelt, und ich habe auch Youtube-Videos dazu geschaut. Es hat mich interessiert, weil ich viele Solaranlagen auf Dächern sehe.»
Jeneera (16), Schülerin an der Tagesschule Oberglatt.
Jeneera (16): «Wir haben uns in der Schule schon mit dem Thema Solarenergie beschäftigt. Heute konnten wir ausrechnen, wie viel Strom eine Solaranlage auf unserem Haus produzieren würde. Das war spannend. Ich fände es cool, auf unserem Hausdach Solarpanels zu haben.»

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