26. Januar 2018

Still und laut

Sängerin Jaël, am Silvestermorgen Mutter geworden, berichtet von den schönen und anstrengenden Momenten mit dem bald einmonatigen Purzel.

auf dem Sitzball
«Man schaukelt, streichelt, wippt auf dem Sitzball ... »
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Die Tage ziehen dahin, und der Purzel ist bald einen Monat alt. Wir haben drei funktionierende Stillpositionen und einen Vierstundenrhythmus gefunden. Es gibt Momente voller Liebe und Glück, wenn er seine allerliebsten Meerschweinchengeräusche macht oder mit grossen Augen das Licht bestaunt. Wenn er schläft, sieht er aus wie ein Engel, und ich vergesse zu schlafen, weil ich nicht aufhören kann, ihn anzusehen. Wenn er dann noch einen Lachanfall kriegt, schmelze ich dahin und male mir aus, was er gerade träumt.

Es gibt aber auch Momente der krebsroten Köpfe und der ratlosen Mama. Heisst dieser verzweifelte Ruf meines Lieblings:
a) Ich hab Hunger,
b) Die Windeln sind voll,
c) Die Windeln sind nicht voll, aber mach sie bitte weg, damit ich Freiluftpipi machen kann,
d) Ich bin müde,
e) Ich hab Bauchweh,
f) Mir ist kalt,
g) Mir ist heiss,
h) Das Pyschi juckt oder
i) Heute bin ich einfach untröstlich?

Letzteres fordert einen am meisten. Man schaukelt, streichelt, puckt, wippt auf dem Sitzball, dreht Runden durchs Wohnzimmer, Fliegerposition, Wickeltuch, Finger, Nuggi … Alles Fehlanzeige. Jeder Schrei, den man
nicht wegtrösten kann, schmerzt – im Mamaherzen weit mehr als im Mamaohr.
Mit Singen hab ich es auch probiert. In der Hitze des Gefechts fiel mir lustigerweise kein einziger meiner eigenen Songs ein, und Buebli musste sich mit Beatles-Klassikern und anderen Liedern aus meiner Jugend zufriedengeben. Bei «We Are The World» artete es in einen Wettbewerb aus, wer lauter ist, und so gab ich auf und entschied, seine Laune stumm mit ihm auszuhalten.

Es gibt ja auch viel zu verarbeiten. Ein Neugeborenenalltag ist voller Premieren: das erste Mal Tram, Bus und Auto fahren, das erste Mal Grossmami und Grosspapi besuchen, im Tragtuch und Kinderwagen herumkutschiert werden, das erste Mal baden oder in einem Restaurant gestillt werden …

Auch für mich sind das alles Feuertaufen, und ich bin erleichtert, wenn sie mit Bravour überstanden sind. Wenn der Chef de Service und die Tischnachbarn verzückt den kleinen Knopf bestaunen, der still drei Stunden lang im Restaurant weilt und so tut, als ob das alles ein Kinderspiel wäre, dann bin ich die stolzeste Mama der Welt. Weiter im Takt.


Jaëls Videoporträt

Video: Elena Bernasconi

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