30. Mai 2018

So läuft es bei der Bewerbung

Über 3800 Lernende absolvieren ihre Ausbildung bei der Migros. Eine von ihnen ist Angéline Reichenbach: Seit fast einem Jahr arbeitet sie bei Hotelplan Suisse in der Marketingabteilung. In ihrem Blog blickt sie zurück auf die Lehrstellensuche und gibt Tipps, wie man sie erfolgreich meistert.

Angéline Reichenbach und Thomas Knöpfel
Bei meinem Bewerbungsgespräch mit dem Hotelplan-Verantwortlichen Thomas Knöpfel war ich schon sehr nervös.

Ach, diese Bewerbungen sind doch immer so eine Sache! Ich weiss nicht, wie, ich weiss nicht, was schreiben. Ich habe keinen Mut, um zu telefonieren, und Informationen zu suchen, ist schwierig. Viele Jugendliche haben jedes Jahr genau damit zu kämpfen. Ich selber war vor etwa zwei Jahren auch in der Situation. Deshalb möchte ich hier meine Erfahrungen teilen und vielleicht auch einige Tipps geben, die mir geholfen haben, mich im Dschungel der Lehrstellensuche zurechtzufinden.

Schritt 1 – Berufswahl
Eins ist schon mal klar: Die Berufswahl ist für jeden anders. In der 2. Sekundarstufe stand die Berufslehre auf dem Stundenplan. Dort gab es einige Tests, um herauszufinden, welcher Beruf zu wem passt. Bei mir schwankte es immer zwischen den Berufsbildern Polydesignerin 3D und Kauffrau in der Reisebranche. Ich entschied dann, mich in beiden Branchen zu bewerben.

Schritt 2 – Bei welcher Firma möchte ich arbeiten?
Wenn man dann mal weiss, was man später beruflich machen möchte, sollte man sich überlegen, wo. Klar, kennt man die bekanntesten Grossbetriebe in verschiedenen Branchen, doch es gibt auch kleinere und mittelgrosse Betriebe, die genauso spannend sind. Da hilft das Internet bei der Suche. Dort findet man alle Infos und kann sich vielleicht sogar online bewerben. Persönliche Kontakte oder das Inserat in der Tageszeitung können ebenfalls helfen.

Schritt 3 - Bewerbungsschreiben
Ich wollte meine Lehre unbedingt in einem Grossbetrieb absolvieren und bewarb mich gleichzeitig beim Flughafen Zürich und bei Hotelplan Suisse, da beide Unternehmen mit Reisen zu tun haben. Bei einer Bewerbung muss man in der Regel folgende Dokumente einreichen: Motivationsschreiben, Lebenslauf und alle Zeugnisse aus der Oberstufe. Das Motivationsschreiben sollte möglichst schlicht, fehlerfrei und mit den wichtigsten Informationen verfasst werden, zudem sachlich und sauber strukturiert sein. Am besten gebt ihr die Dokumente einem Lehrer oder den Eltern zum Gegenlesen, um Rechtschreibfehler auszumerzen. Für den Lebenslauf habe ich im Internet recherchiert und mich so von einigen Vorlagen inspirieren lassen. Kopiert aber ja keinen Lebenslauf aus dem Internet. «Copy-paste-Lebensläufe» sind von Personalverantwortlichen nicht gern gesehen. Ganz wichtig ist dazu das eigene Porträtbild in hochauflösender Form. Denn der erste Eindruck zählt.

Schritt 4 – Eignungstest
In meinem Bewerbungsverfahren bei Hotelplan Suisse wurde ich vor dem Bewerbungsgespräch zu einer Prüfung eingeladen. Dort wurde das Allgemeinwissen getestet. Erst nach erfolgreich absolvierter Prüfung kam man in die nächste Runde.

Schritt 5 – Bewerbungsgespräch
Juhuu, ich wurde eingeladen! Aber Moment mal: Da treffe ich meinen zukünftigen Chef. Was, wenn ich etwas falsch mache? Keine Angst. Ich war selber unglaublich nervös bei meinem Bewerbungsgespräch. Das ist aber ganz normal. Einfach sich selbst bleiben und ein Mal durchatmen. Ein Vorteil ist, wenn man schon einiges über die vielleicht zukünftige Firma weiss. Wie zum Beispiel, welche Dienstleistungen das Unternehmen anbietet oder wer die Mitbewerber sind.

Zum Outfit: Ich denke nicht, dass es nötig ist, sich so elegant wie möglich anzuziehen. Trotzdem sollte alles sauber und dezent sein, das heisst keine verrissenen Jeans oder Baseballkäppli. Mitgenommen habe ich einen Notizblock, einen Stift und einige Fragen, die ich am Schluss stellen will. Das zeigt Interesse und kann die eine oder andere Frage zur Lehre beantworten.

Angéline Reichenbach beim Unterschreiben des Lehrvertrags mit Hotelplan Suisse
Die Suche hat ein Ende: Als ich meinen Lehrvertrag unterschrieb, war die Freude gross.

Schritt 6 – Schnuppern
Bei Hotelplan Suisse gibt es vor der Bewerbung einen offiziellen Schnuppertag. Dort wird den Teilnehmenden alles erklärt - und wer weiss, vielleicht lernt man da schon seine zukünftigen Mitlernenden kennen. Wenn es keinen Schnuppertag gibt, kann man einfach vorher anrufen oder beim Bewerbungsgespräch fragen, ob man noch danach schnuppern kann. So könnt ihr noch mehr von euch überzeugen und zeigen, dass ihr die Stelle wirklich wollt.

Schritt 7 – Lehrvertrag
Zum Schluss das Beste: Wenn alles für beide Seiten stimmt, bekommt ihr hoffentlich die Zusage für die Lehrstelle. Dann folgt das Unterschreiben des Lehrvertrags und ... Freude herrscht!

Noten haben nicht immer oberste Priorität

Thomas Knöpfel

Mein Berufsbildner Thomas Knöpfel, Leiter der Berufsbildung Hotelplan Suisse, spricht im Interview über seine Erfahrungen bei der Lehrstellenvergabe und gibt Tipps für ein erfolgreiches Bewerbungsverfahren.

Thomas Knöpfel
Der Leiter Berufsbildung Hotelplan Suisse: Thomas Knöpfel

Wann sollte man deiner Meinung nach mit dem Bewerben beginnen?
Das ist von Unternehmen zu Unternehmen verschieden. In der Reisebranche werden die Lehrstellen ab August des Vorjahres vergeben.

Findest du es wichtig, dass man zuerst anruft und fragt, ob man seine Bewerbungsunterlagen schicken darf?
Am Hauptsitz von Hotelplan Suisse bringen telefonische Anfragen kaum Vorteile, da es unzählige davon gibt. In den Filialen ist ein Anruf jedoch zwingend notwendig, um die Verfügbarkeit von Lehrstellen im Reisebüro abzuklären.

Worauf achtest du bei den Bewerbungsunterlagen?
Ich achte vor allem auf das Motivationsschreiben, die Darstellung und die Rechtschreibung sowie auf die Vollständigkeit und die Zeugnisse. Bei elektronischen Bewerbungen sind mir zudem eine saubere Zusammenstellung und die Beschriftung der PDF-Dokumente wichtig.

Wenn wir schon vom Zeugnis sprechen: Wie wichtig sind die Schulnoten?
Noten sind wichtig, haben aber nicht immer oberste Priorität. Ausschlaggebend ist vor allem der Notenverlauf während der letzten zwei Jahre. Aber auch die Absenzen und die Beteiligung am Unterricht haben einen Einfluss.

Welche Gründe sind bei dir dafür ausschlaggebend, dass du Bewerber nicht zum Vorstellungsgespräch einlädst?
Bei Hotelplan Suisse werden Bewerber nicht eingeladen, wenn Anforderungen wie zum Beispiel das Sek-A-Niveau nicht erfüllt werden oder die Bewerbungsunterlagen mangelhaft beziehungsweise nicht komplett sind.

Was war die ausgefallenste Bewerbung, die du je erhalten hast?
Ich habe schon sehr kreative Bewerbungsunterlagen erhalten. Zum Beispiel Ferienfotos in Form einer Postkarte der Kandidaten.

Wie sieht der typische Bewerbungsprozess bei Hotelplan Suisse aus?
Als Erstes gibt es im Frühjahr einen Schnuppertag, danach reicht man eine schriftliche Bewerbung ein und wird, bei Erfüllung der Anforderungen, zum Eignungstest aufgeboten. Wer diesen erfolgreich absolviert, wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Welches sind die No-Gos beim Bewerbungsgespräch?
Für mich sind es Unpünktlichkeit, unangebrachte oder übertriebene Kleidung und Verschwiegenheit.

Hast du weitere Tipps und Tricks?
Ich empfehle unbedingt, als Vorbereitung die Website des Unternehmens zu studieren und sich die Eckdaten zu notieren.

Alle Informationen zu den Ausbildungsmöglichkeiten bei der Migros und Tipps zur Bewerbung gibt es auf new-talents.ch.

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