22. November 2018

So geht Glück

Alle wollen langfristig zufrieden sein. Aber kann man selbst etwas dazu beitragen? Die positive Psychologie konzentriert sich stark auf die individuellen Stärken.  

Illustration: Charakterstärken für mehr Glück
Machen glücklich: Sinn fürs Schöne und Tatendrang, Ruhen in der eigenen Lebensphilosophie und in Freundschaften, Wissensdurst sowie Neugierde
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Wer den Duft von frischem Kaffee liebt oder sich freut, wenn Schneeflocken vom Himmel rieseln, macht schon etwas richtig. Denn der «Sinn für das Schöne» und das Geniessen mit allen Sinnen ist eine von 24 Charakterstärken, die Menschen zufrieden machen und zu Wohlgefühl führen. Das sagt Willibald Ruch, Professor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik an der Universität Zürich im Interview.

«Zum Leben gehören nicht nur die Krankheiten, mit denen sich die Psychologie lange Zeit in erster Linie beschäftigt hat, sondern auch positive Aspekte wie Stärke, Wachstum, Glück oder Kreativität», sagt Glücksforscher Ruch. Zufrieden oder «glücklich» ist, wer mehr positive als negative Gefühle hat – was die Vergangenheit, das Leben in der Gegenwart oder die Zukunft betrifft. Dabei geht es nicht darum, Trauer oder melancholische Stimmungen zu verdrängen oder sich gar einzubilden, Krankheiten liessen sich durch «Positive Thinking» kurieren. Vielmehr sollte man solche Gefühle und Zustände zulassen. «Sie bilden immer die Startbahn zu neuem Glück, sofern sie nicht zu lange dauern», so Ruch.

Lebenslanges Lernen

Gute Gefühle – so die Vertreter der positiven Psychologie – sind nicht nur Schicksal, sondern lassen sich antrainieren. Dies bestätigt die Neurowissenschaft, die nachgewiesen hat: Das Gehirn bleibt ein Leben lang formbar. Was abstrakt klingt, gewinnt durch Beispiele schnell an Anschaulichkeit.

Ein positives Gefühl, das die Vergangenheit betrifft, ist Dankbarkeit: «Dankbarkeit können wir trainieren, indem wir einer Person, der wir dankbar sind, einen Brief schreiben, um ihr zu danken. Den Sinn für das Schöne kann ich fördern, indem ich jeden Tag aufschreibe, was ich Schönes gesehen habe», führt Willibald Ruch aus.

Fotos aus der Kindheit können ein Schlüssel sein, um seine Stärken herauszufinden. Denn Neugierde, Ausdauer beim Spielen, Freude am Lachen oder ein ruhiges und besonnenes Wesen zeigen sich bereits in jungen Jahren. Ein weiterer Ansatz sind gute Bekannte: Sie können Stärken oft besser benennen. Wer lieber Fragebögen ausfüllt, fährt mit dem auf charakterstaerken.org, der Website des Psychologischen Instituts der Uni Zürich, gut. Der Glücksforscher rät allen, die nach Lebenszufriedenheit streben, die Gegensätze des Lebens zu akzeptieren und wegen trauriger Phasen nicht zu erschrecken. Ausserdem: Die Glückssuche gelte es entspannt anzugehen: Wenn man sie überstrapaziert, «wird sie zur Retourkutsche».

«Glück ist lernbar», sagt Willibald Ruch, Professor am Psychologischen Institut der Universität Zürich und Experte für positive Psychologie. Das Interview mit dem Glücksforscher.

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