17. November 2014

So funktioniert der Jugendlohn

Statt Sackgeld: Mit dem «Jugendlohn» finanzieren Jugendliche auch ihren Grundbedarf. So lernen sie früh den eigenverantwortlichen Umgang mit Geld.

Jugendlohn
Selber das Budget machen und einhalten. Die Eltern unterstützen mit Rat, aber nicht mit zusätzlichem Geld (Bild: Corbis).

Jugendliche haben es nicht leicht: Sie sollen Schule, Freizeit und das Erwachsenwerden unter einen Hut kriegen. Hinzu kommt eine der schwierigsten Herausforderungen, nämlich mit Geld umgehen zu lernen. Jugend-, Budget- und Schuldenberatungsstellen empfehlen verschiedene Konzepte. Der «Jugendlohn» ist besonders interessant: Er erzieht die Jugendlichen zu einem eigenverantwortlichen haushälterischen Umgang mit Geld.

«Beim Jugendlohn erhalten Jugendliche ab zwölf Jahren pro Monat einen fixen Betrag, mit dem sie ihre Lebenskosten selber finanzieren», erklärt Andrea Fuchs (52), Präsidentin Verein Jugendlohn. Diese Lebenskosten können beispielsweise Kleider, Coiffeur, Handy, Velo und Busabonnement beinhalten. Wichtig ist, dass Eltern dem Jugendlichen genau erklären, was er alles zu finanzieren hat. Wie viel Geld dem Kind zur Verfügung steht, entscheidet jede Familie für sich. Daher ist der Jugendlohn auch für alle Einkommensklassen geeignet. «Eltern können sich daran orientieren, was sie bisher für ihr Kind ausgegeben haben», sagt Andrea Fuchs.

Die Eltern stehen dem Kind beratend zur Seite. «Falls Fehler passieren und es mit dem Jugendlohn nicht gleich klappt, sollen Eltern nicht mit Geld aushelfen, höchstens mit Ideen für einen Nebenjob wie Kinderhüten oder Autowaschen», rät die Präsidentin Verein Jugendlohn.

Bereits in den 70er-Jahren entwickelte der Schweizer Psychologe und Familientherapeut Urs Abt den Jugendlohn. Nun hat das Kompetenzzentrum Prävention und Gesundheit der Hochschule Luzern Eltern zu ihren Erfahrungen befragt – und diese waren gut.

«Jugendlohn» reduziert Streit rund um Geldfragen

«Viele Eltern waren anfangs unsicher, doch dann waren sie erstaunt, wie gut die Jugendlichen mit dem Jugendlohn zurechtkamen», sagt Andrea Fuchs. Die meisten hätten ihren Jugendlohn schnell im Griff gehabt. Dadurch, dass die Jugendlichen wussten, was sie sich leisten können und was nicht, hatten sie kaum Schulden: «Ein Junge wollte sich erst teure Markenschuhe kaufen, hat sich dann für ein günstigeres Modell entschieden und dieses ganz stolz getragen», erzählt die Fachfrau. Auch würden Jugendliche zu ihren Sachen mehr Sorge tragen und Geschenke mehr schätzen.

Das Vertrauen, das die Eltern den Jugendlichen erweisen, brachte die Familie näher zusammen und verbesserte die Beziehung: «Viele Eltern erzählen, der Streit wegen neuen Handys oder Markenkleidern falle mit dem Jugendlohn weg, dafür könne man besser über Geld diskutieren», erklärt Andrea Fuchs. Eltern sagten sogar aus, sie hätten mit dem Jugendlohn weniger Geld ausgegeben als zuvor.

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