10. November 2017

Smarties mit Nachgeschmack

Intelligente Geräte? Jedes ist nur so smart wie der damit verbundene Onlinedienst. Und was ist mit dem Datenschutz?

Smart? Nur wenn mit gutem Onlinedinst angebunden
Illustration: vectorstock
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Mit Telefonen hat alles angefangen, danach kamen die Fernseher dazu, später Uhren und zum Schluss ganze Häuser. Alle sollen sie «smart» sein. Schlau, wie mir ein Übersetzungsdienst verrät. Aber das ist ein Irrtum: Würde «smart» korrekt übersetzt, käme «mit dem Internet verbunden» dabei raus. Jedes Gerät ist in Tat und Wahrheit nur so intelligent, wie der angebundene Onlinedienst, den es nutzt.

Es ist eigentlich wie beim Bescheissen in der Schule: Sitznachbar Google weiss viel und flüstert einem meist die richtige Antwort zur richtigen Zeit ins Ohr. Wer hingegen von einer Pfeife namens Yahoo abschreibt, kriegt öfter einen «Tolggen» ins Heft, als ihm lieb ist. Daran wird sich auch im folgenden Jahr nichts ändern. Ein Smartphone ohne Internetanschluss ist eigentlich ein Dumbphone. Dasselbe gilt für eine angeblich schlaue Uhr oder ein Häuschen im Grünen, das ohne Internet weder die Storen selbst bedienen, noch die Blumen wässern oder den Kühlschrank nachfüllen kann.

Smartes an sich ist nichts Schlechtes. Doch wir – Sie und ich – dürfen den Preis nicht aus den Augen lassen, den wir für die technischen Smarties bezahlen. Gemeint sind nicht die paar hundert Fränkli für die Anschaffung oder die Zeit, die das Einrichten braucht oder die wir uns damit manchmal unnötig vertreiben. Nein, wir zahlen mit etwas viel Wertvollerem: mit unseren persönlichen Daten, die viel über unser Leben verraten.

Jedes smarte Gerät muss wissen, was Sie damit machen, wohin Sie es mitnehmen, wie Sie es nutzen. Nur wenn es sich an Ihre Nutzung anpasst, wird es als schlau wahrgenommen, und nur dann nutzen Sie es gern.

Seit ungefähr zehn Jahren gibt es das erste ernstzunehmende smarte Gerät. Ein Jahrzehnt, in dem viel passiert ist – ausser in einem Bereich steht die Welt still: beim Datenschutz. Es fehlt nach wie vor eine globale, verlässliche Regelung. Dies wäre wirklich smart. 

Reto Vogt (32), Ressortleiter Online Migros-Magazin, @revogt

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