03. Oktober 2016

Kleine Schweiz mit Meeranstoss

Slowenien befindet sich zwischen den Alpen und der Adria. Die Lage ist eigentlich der Traum so manches Eidgenossen und perfekt für die Ferien. Aber hier lassen sich auch gern Schweizer für immer nieder.

Insel Bled, Slowenien
Auf der Insel Bled im gleichnamigen See führen 99 Stufen zur Kirche hinauf.

Slowenien ist gerade mal halb so gross wie die Schweiz und hat etwas mehr als zwei Millionen Einwohner. Von der Hauptstadt aus ist man in anderthalb Stunden in den Alpen und ebenso schnell an der Adria. Deshalb lebt man hier auch im ganzen Land, fährt nach Portoroz ans Meer zum Fischgenuss oder nach Bled für die lokale Spezialität, die Kremšnite. Ein perfektes Territorium für abwechslungsreiche Ferien in der «kleinen Schweiz», die übrigens auch ein direktdemokratisches System hat.

«Drei Brücken» in Ljubljana
Die «Drei Brücken» im Zentrum von Ljubljana erinnern ein wenig an Venedig.

Erste Eindrücke sammeln wir in der Landeshauptstadt Ljubljana. Der gemütliche Bummel führt durch die Altstadt, die sich zu beiden Seiten des Flusses Ljubljanica erstreckt. Es fühlt sich hier wunderbar leicht und mediterran an, mit etwas wienerischem Flair. Entlang des Flusses reihen sich Restaurants und Bars fast nahtlos aneinander. Hier sitzen schon ab drei Uhr nachmittags viele junge Leute, die einen Drink und die Sonne geniessen. Man trifft sich und plaudert. Das entspannte Treiben schliesst die Gäste aus aller Welt mit ein. Ein Ort zum Wohlfühlen, nur 55 Flugminuten von Zürich entfernt!

Das «Wienerische» hat Ljubljana dem schlimmsten Erdbeben der Region, im Jahr 1895, zu verdanken: In den folgenden zwanzig Jahren wurde die Stadt im damals aktuellen Jugendstil wieder aufgebaut.

Im ehrwürdigen Hotel Union treffen wir an einer Zusammenkunft der Frauen der Slovenian International Ladies Association (Sila) zwei Schweizerinnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Oetwilerin Ursula Szabo (49) lebt seit etwa einem Jahr mit ihrer Familie in Slowenien. Für sie sind Klubs wie Sila wichtig, «weil alle Frauen in der gleichen Situation sind und man sich austauschen kann». Ursula organisiert die Frauentreffen und sorgt fürs Netzwerken. Die meisten der Expats wissen, dass sie jederzeit von ihrem Arbeitgeber versetzt werden können und der Aufenthalt beschränkt ist.

Ganz anders die Baslerin Anna Hladnik (59), die vor 30 Jahren nach Kranj kam und für immer blieb. «Damals war alles sehr ländlich. Nach der Unabhängigkeit vom ehemaligen Jugoslawien 1991 wurde Slowenien zu einer ‹kleinen Schweiz›», erzählt Anna. Das Land löste sich 1991 von der kommunistischen Führung und nahm sich tatsächlich die Schweiz als Vorbild. Teile des direktdemokratischen Instrumentariums wurden übernommen, und es entstand in kurzer Zeit ein kleiner Vorzeigestaat, der EU-Mitglied ist, mit dem Euro als Währung. Anna führt inzwischen ihre eigene Sprachschule und bietet neuerdings Schweizerdeutschkurse via Skype an.

Pure Natur am Rand der Alpen

In Bled, eine knappe Autostunde von Ljubljana entfernt, wohnen wir bei der Bernerin Alexandra Pintar (46) und ihrem Mann Marko (52). Seit zehn Jahren leben die beiden schon in Slowenien, er ist Barpianist und Musiklehrer, Alexandra kümmert sich um die Vermietung ihrer gemütlichen Ferienwohnungen im Haus Alexandra.

Alexandra Pintar zieht an der Wunschglocke auf der Insel Bled.
Alexandra Pintar zieht an der Wunschglocke auf der Insel Bled.

Gelegentlich ist sie auch Fremdenführerin, und so erkunden wir gemeinsam das Gebiet um den See von Bled. Wir erfahren, dass der moderne Tourismus auf einen Schweizer zurückzuführen ist: Der Naturheiler Arnold Rikli († 1906) aus Wangen an der Aare gründete in Bled eine Heilanstalt. Seine «Atmosphärische Kur» war erfolgreich, bald kamen Patienten aus dem Ausland, und Hotels entstanden.

Vom Tourismus leben auch die Ruderer, die Gäste zu der Insel rudern, die man von so vielen Bildern her kennt. Zur Kirche Mariä Himmelfahrt und dem Glockenturm hinauf führen 99 Stufen. Oben angekommen, sollte man unbedingt die Wunschglocke dreimal läuten – der Wunsch könnte erfüllt werden.

Auch Naturliebhabern wird einiges geboten: Man kann beispielsweise in zwei Stunden um den Bleder See spazieren, im Triglav-Nationalpark wandern, eine Velotour von Bled zum wunderschönen Bohinjer See unternehmen, in den Seen schwimmen und im Winter im kleinen, romantischen Skigebiet Straža Bled dem Alpinsport frönen.

Schweizer, die für immer blieben

Wir sind unterwegs Richtung Küste und kommen nach Logatec, einer Stadt, die von mehreren Naturschutzgebieten und Höhlen umgeben ist. Hier sind wir bei den Schweizern Ruedi Sutter (68) seiner Frau Ivanka (66) zu Gast, die gemeinsam ein kleines, gemütliches Bed & Breakfast (B&B) führen. Vergnügt sitzen die beiden in ihrem Garten, der ein wenig aussieht, als wäre gerade Schweizer Nationalfeiertag. Nicht, dass die beiden Heimwehschweizer wären, aber sie sind stolz auf ihre Herkunft.

Die Schweizer Ivanka und Ruedi Sutter vor ihrem Bed & Breakfast.
Die Schweizer Ivanka und Ruedi Sutter vor ihrem Bed & Breakfast.

Ruedi, der in der Migros die Lehre gemacht hat und Filialleiter in Schlieren ZH gewesen ist, hat mit Ivanka schon vor 40 Jahren die Ferien in Slowenien verbracht. Vor 18 Jahren sind sie für immer geblieben. Über den Anfang des B&B erzählt Ruedi: «Meine Slowenischlehrerin, die selber eine Pension betreibt, schickte uns Gäste, wenn sie selber ausgebucht war. Heute haben wir fast nur noch Stammkunden, darunter viele Biker.» Und alle schätzen das Frühstück, das keine Wünsche offen lässt: Viel Hausgemachtes wie Konfitüre und Zopf gehören dazu, aber auch Honig vom Nachbarn.

Höhlentouren im Karstgebiet

Das Haus der Sutters ist gut gelegen, um Ausflüge zu den berühmten Postojna-Höhlen und zur Burg von Predjama zu unternehmen. Die riesigen Höhlen sind ein Muss, auch wenn es dort sehr touristisch zugeht. Weil die schönsten Tropfsteinformationen so weit im Innern des Bergs sind, werden die Besucher mit einer Bahn 2,5 Kilometer weit hineingefahren, dann geht es zu Fuss weiter.

Postojna-Höhlen
Die Postojna-Höhlen sind ein wahres Wunderwerk der Natur.

Höhepunkt ist schliesslich das Aquarium mit den Grottenolmen. Die kleinen, weissen Lurche, die keine Augen haben, würde sonst kein Besucher zu sehen bekommen. Zum Postojna-Park gehört auch die Höhlenburg Predjama. Sie steht in einem Höhlenportal, und die Führung durch die verschiedenen Anbauten bis in die ursprüngliche Höhle hinein, gleicht einer Zeitreise – vom 16. Jahrhundert bis in die Altsteinzeit.

In der Weingemeinde Vipava, ebenfalls nicht allzu weit von den Sutters entfernt, sind vor allem die Quellen des Flusses Vipava, die römische Tabor-Brücke und das Barockschloss der Lanthieri sehenswert.

Durchs Weinland zum Meer

Wer nach dem Rundgang Lust auf ein Glas Wein verspürt, darf sich während einer Degustation in der Vinothek neben der Touristeninformation überraschen lassen. Wir treffen dort auf die Unternehmerin Doris Poljšak-Kane (61). Die Luzernerin lebt zusammen mit ihrem Gatten Milan (67) seit 19 Jahren im Vipavatal, ihr Geschäft sind Weintanks. Spezialanfertigungen, die in der Gegend produziert und weltweit in Weinkeller eingebaut werden.

Ihre beruflichen Wurzeln hat Doris allerdings im Luftverkehr. Die Lehre hat sie bei der Swissair gemacht, danach lange für das Unternehmen gearbeitet. Nach Slowenien gekommen ist sie wegen ihres Gatten, den sie in der Schweiz kennengelernt hat. Sie fühlt sich ausgesprochen wohl: «Alles ist hier viel natürlicher und ursprünglicher.»

Die Hafeneinfahrt ins hübsche Städtchen Piran.
Die Hafeneinfahrt ins hübsche Städtchen Piran.

Jetzt fahren wir endlich ans Meer, nach Piran bei Portorož. In der von venezianischer Architektur geprägten Altstadt spazieren wir durch verwinkelte Gassen bis zur Kathedrale St. Georg hinauf. Dort werden wir mit einer tollen Aussicht über die Dächer und das Meer belohnt. Das Wahrzeichen der Stadt, die burgartige Kirche St. Clementa, liegt unten am westlichsten Zipfel von Piran.

Die touristische Hochburg am kurzen Meeranstoss Sloweniens ist gut besucht, wie auch das benachbarte Portorož. Es ist etwas mondäner und hat keine Altstadt. Die beiden grossen Häuser Life Class Hotels & Spa und das Kempinski Palace Hotel bilden das Zentrum. Davor erstreckt sich ein langer Sandstrand, gesäumt von Bars und Restaurants. An den beiden Enden des Strands findet man jedoch noch ruhigere Plätzchen.

Portorož ist der Badeort des Landes schlechthin und auch für die Slowenen ein beliebtes Ziel. Von hier aus lassen sich Ausflüge nach Italien und ins kroatische Istrien unternehmen, und in nur anderthalb Autostunden sind wir auch wieder in Ljubljana am Flughafen. Bei der Abreise ist klar, dass wir zurückkehren werden .

Diese Reportage wurde vom Slovenian Tourism Board organisiert.

Bilder: Heinz Jucker

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