04. Februar 2019

Skolstrejk för Klimatet

Bänz Friedli über das Engagement der Jugend gegen den Klimawandel. Hier kannst du dich mit ihm oder anderen Leser(inne)n austauschen und die vom Autor selbst gelesene Hörkolumne herunterladen.

Greta Thunberg in Davos
Die schwedische Klimaktivistin Greta Thunberg bei der Ankunft am World Economic Forum in Davos. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
Lesezeit 2 Minuten

Dauernd war Helikopterlärm über unserem Haus, Tag und Nacht: Kloten–Davos, Davos–Kloten. Während des Weltwirtschaftsforums, vorige Woche, habe ich kaum ein Auge zugetan. Dauernd mussten wichtige Männer in die Bündner Berge pilotiert werden, damit sie dort rasch das Klima retten konnten.

Nur eine nahm den Zug: die schwedische Schülerin mit dem Pappkarton, Aufschrift «Skolstrejk för Klimatet». Greta Thunberg, 16-jährig, Initiantin der weltweiten Schülerinnen- und Schülerstreiks, reiste mit der Eisenbahn an, zweiunddreissigeinhalb Stunden hin, zweiunddreissigeinhalb Stunden zurück. Greta ist die einzige WEF-Teilnehmerin, die ich so richtig ernst nehmen konnte. Ansonsten wurde zwar viel übers Klima parliert, in den Hinterzimmern aber ging es um schrankenlosen Handel und klimaschädliche Deals. Unappetitliche Regimes wie China und Saudi-Arabien hatten ihren grossen Auftritt. Und wurden von der offiziellen Schweiz genauso hofiert wie der neue brasilianische Präsident, der Hitler für einen «grossen Strategen» hält.

Doch bereits sind sie zur Stelle, all diejenigen, die vorschnell wissen, dass diese Greta sowieso nicht selber denkt. Ebenso wenig wie all die Jugendlichen, die es ihr an Demonstrationszügen gleichtun. Eine gewisse Vroni aus Rümlang ist sich sicher, dass «dieses Mädchen instrumentalisiert wird». Ein Ruedi aus Zürich spricht von «Klimahysterie» und behauptet, die Kinder würden dafür «eingespannt». Er verkennt, dass Kinder selber denken können. Und Peter aus Feldkirch wettet, «dass 90 Prozent dieser streikenden Kinder selber keine Massnahmen treffen für den Klimaschutz, weiter Strom verbrauchen, Plastiktüten und Flaschen wegwerfen».

Erstaunlich, wie hurtig sie in Leserbrief- und Kommentarspalten Urteile fällen. Es sind Vorurteile. Wer sie hegt, hat vermutlich noch mit keinem dieser Jugendlichen und jungen Erwachsenen gesprochen. Diese Klimaaktivisten, ich weiss es aus eigener Erfahrung, diskutieren mit ihren Eltern, sie hinterfragen, woran wir Älteren uns so wohlig gewöhnt haben: rasch hier- und dorthin zu jetten, per Billigflug übers Wochenende; Bio-Avocados aus Übersee zu konsumieren; im T-Shirt in der überheizten Wohnung zu hocken. Und was tun sie, diese Jugendlichen? Sie nehmen den Nachtzug nach Kopenhagen, planen Pfadilager mit dem Ziel, null Abfall zu produzieren und sämtliche Verpflegung von Bauern vor Ort zu beziehen, buchen Interrail, statt Auto zu fahren. Engagiert, aufrichtig, konsequent. Sie werden nicht lockerlassen, diese «Kinder». Wir sollten uns an ihnen ein Beispiel nehmen.

Die Hörkolumne (mp3)

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