11. Januar 2018

Siegeszug der Nerds

«The Big Bang Theory» läuft inzwischen seit elf Jahren. Aber ist die TV-Sitcom über Naturwissenschaftler mit grosser Leidenschaft für Sci-Fi- und Fantasywelten immer noch so gut wie zu Beginn?

Big Bang Theory Season 10
Leonard und Penny (Mitte) beschliessen in der 10. Staffel, noch ein zweites Mal zu heiraten – diesmal mit Feier und Familie. Natürlich läuft dabei längst nicht alles so wie geplant.
Lesezeit 3 Minuten

Wer in den 80er-Jahren ein Fan von «Star Wars», «Star Trek» oder «Batman» war, gehörte zu einer milde belächelten, exotischen Minderheit. Heute befinden sich diese Filme gemeinsam mit «The Lord of the Rings», «Game of Thrones», den «Avengers» und «Harry Potter» fest im kulturellen Mainstream, werden vom breiten Publikum geliebt und selbst vom Feuilleton immer wieder wohlwollend gewürdigt. Letzteres wohl auch deshalb, weil einige der jugendlichen Fans von damals heute in wichtigen Positionen der Medienwelt angekommen sind.

Nichts verkörpert diesen Siegeszug der Nerds besser als der enorme Erfolg von «The Big Bang Theory», einer US-TV-Sitcom, die seit 2007 auf Sendung ist, Ende nicht in Sicht. In deren Zentrum stehen vier junge Männer, Ingenieure und Naturwissenschaftler im kalifornischen Pasadena, die nicht nur mit Leidenschaft in ihrer Arbeit aufgehen, sondern auch passionierte Fans sämtlicher Sci-Fi-, Fantasy- und Comicbook-Superhelden-Welten sind, die man sich vorstellen kann. Natürlich sind sie alle single, da sie sich im Umgang mit Frauen schwertun – insbesondere der Inder Raj (Kunal Nayyar), der überhaupt nur dann ein Wort in Anwesenheit von Frauen rausbringt, wenn er Alkohol getrunken hat (dann wiederum kann es rasch eskalieren).

Sie alle wurden in ihrer Jugend von den coolen, gut aussehenden Typen gemobbt und gequält und nagen daran noch immer, haben sich aber dank ihrer beruflichen Erfolge inzwischen ganz gut eingerichtet. Die beiden Physiker Leonard (Johnny Galecki) und Sheldon (Jim Parsons) wohnen sogar zusammen in einer WG. Ihr Leben wird allerdings gehörig durcheinandergewirbelt, als in der Wohnung gegenüber eine junge Frau einzieht, nicht eben besonders hell, aber äusserst attraktiv. Penny (Kaley Cuoco) will eigentlich Schauspielerin werden, arbeitet allerdings als Kellnerin bei der Cheesecake Factory – und sie verdreht nicht nur Leonard sofort den Kopf, sondern auch Raj und Howard (Simon Helberg), dem Vierten im Bunde, der noch bei seiner ziemlich dominanten Mutter lebt. Nur der leicht autistische Sheldon, der es gar nicht mag, wenn irgendetwas in seinem Leben nicht seinen gewohnten Gang geht, ist eher irritiert vom grossen Einfluss der jungen Frau auf seine Freunde. Penny derweil findet die nerdigen Jungs mit ihren seltsamen Eigenheiten und Passionen irgendwie niedlich, und zaghaft entwickelt sich so was wie eine Freundschaft.

So weit die Ausgangslage der Sitcom, die ihren Humor nicht zuletzt aus der Kollision zwischen einer leichten Weltfremdheit der Nerds mit der bodenständigen Mainstream-Welt von Penny entwickelt. Highlights sind auch regelmässige Auftritte prominenter Gaststars, von Wil Wheaton («Star Trek – The Next Generation») und Carrie Fisher («Star Wars») über Steve Wozniak (Apple-Co-Gründer) bis hin zu Stephen Hawking (Astrophysikergenie). Bis zur 10. Staffel, die gerade neu auf DVD erschienen ist, hat sich allerdings vieles verändert: Leonard und Penny sind verheiratet, Sheldon und Howard ebenfalls in festen Händen, Letzterer erwartet mit seiner Frau Bernadette (Melissa Rauch) gerade sein erstes Kind. Nur Raj ist noch immer single, kann allerdings längst auch ohne Hilfe von Alkohol mit Frauen kommunizieren und hatte auch schon ein paar Freundinnen.

Auch in Sheldons Beziehungsleben tut sich in der 10. Staffel einiges.

Die zu Beginn so seltsamen Jungs haben sich also sozial ziemlich erfolgreich assimiliert. Dennoch gelingt es den Autoren noch immer, aus der Konstellation unterhaltsame und witzige Storys zu entwickeln. Durchgehend hohe Qualität beweisen sie zudem bei der Darstellung der Fanpassionen – wer «Star Trek» oder «Game of Thrones» tatsächlich liebt, erkennt sich nicht nur wieder, sondern kann nur staunen, wie durchgehend fehlerfrei die Bezüge in der Sitcom jeweils sind. So macht «The Big Bang Theory» noch immer Spass, auch wenn der Charme der ersten Staffeln ein wenig verblasst ist.

Wie erfolgreich die Sitcom weiterhin ist, zeigt auch der gelungene Start des Spin-offs «Young Sheldon» letzten September, in der Sheldons Kindheit mit seiner Familie in Texas im Zentrum steht. Die neue Comedy-Serie erklärt beiläufig auch gleich, wie sich einige seiner heutigen Auffälligkeiten entwickelt haben. Die Idee kam ursprünglich von Hauptdarsteller Jim Parsons, dessen Stimme als Erzähler auch in dieser Sitcom präsent ist. Seit 8. Januar läuft sie auf Pro 7 .


Bei Ex Libris gibt es nicht nur die 10. Staffel auf DVD und Blu-ray, sondern auch alle vorherigen.


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