28. Dezember 2017

Sie haben sich neu erfunden

Abfahrtsweltmeister Daniel Albrecht lag nach einem schweren Unfall im Koma und arbeitet heute als Mentaltrainer, Carolyn Lansdell sattelte für die Tochter von Gleitschirmfliegen aufs Postauto um, Psychotherapeut Adrian Oertli leitet Workshops in gewaltfreier Kommunikation, statt wie früher Pflastersteine gegen «kapitalistische Gebäude» zu werfen: Fünf Menschen erzählen, wie sie das Leben unter anderen Umständen oder nach einem Schicksalsschlag neu angepackt haben.

Lesezeit 10 Minuten

Ein neues Jahr ist für viele ein Ansporn, sich zu verändern. Mehr Sport, weniger Gewicht. Mehr Zeit mit Freunden, weniger Zeit am Handy. Schon solche Vorsätze sind schwierig umzusetzen. Wie also schaffen es manche, ihr Leben radikal umzukrempeln?

Das Migros-Magazin hat fünf Menschen getroffen, denen das gelungen ist: Daniel Albrecht war Skirennfahrer und baut heute Häuser. Carolyn Landsdell flog Gleitschirm-Wettkämpfe und fährt heute Postauto. Albunit* war Junkie und Dealer und ist heute clean. Adrian Oertli war Linksextremer und ist heute Psychotherapeut. Therese Pavesi war selbstständige Unternehmerin und Familienfrau und ist heute getrennt und fährt Taxi.

Für Pasqualina Perrig-Chiello (65), Psychologie-Professorin und Expertin für Lebensphasen, ist es entscheidend, ob wir uns selbst für eine Veränderungen entscheiden, oder ob Schicksalsschläge uns dazu zwingen. «Wer früh in sich hört und Korrekturen anbringt, hat bessere Karten in der Hand.» Wer hingegen plötzlich aus der Komfortzone geschmissen werde, sei besonders gefordert.

Da eine Krise das Selbstbewusstsein und das Gefühl der Dazugehörigkeit erschüttere, brauchten Betroffenen Zeit, um neue Rhythmen zu finden. Zwar sei die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln, je nach Naturell eine andere. Aber ein Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle sei allen Menschen gemeinsam. So abgedroschen es klinge, sei eine Krise immer eine Entwicklungschance. «Die meisten Menschen gehen gestärkt aus einem solchen Prozess hervor und leben danach bewusster», sagt Perrig-Chiello.

Und plötzlich Mutter

Carolyn Lansdell
Als Gleitschirmpilotin gehörte Carolyn Lansdell zu den Besten der Welt. Um ihrer Leidenschaft zu frönen, hangelte sie sich von Job zu Job und reiste viel. Dann wurde sie schwanger – und sesshaft.

Jahrelang lebte Carolyn Lansdell (51) von Saison zu Saison. Im Sommer jobbte die kaufmännische Angestellte als Landschaftsgärtnerin, Rezeptionistin oder Buchhalterin. Im Winter arbeitete sie als Snowboard- und Skilehrerin. 1988 entdeckte sie das Gleitschirmfliegen. «Regelrecht süchtig wurde ich», sagt sie. 1994 wurde sie von der Schweizer Liga aufgenommen und lernte die Welt aus der Vogelperspektive kennen, landete in ­China, Australien oder Südamerika – auch im Nirgendwo und musste sich durchschlagen.

1997 begann sie, für die Nationalmannschaft zu fliegen – und ­feierte weitere internationale Erfolge. So flog sie beispielsweise am prestigeträchtigen Red-Bull-Streckenflugwettbewerb 1999 in Aspen in den Rocky Mountains auf Höhen von über 5000 Metern zum Sieg. Ein Fluglehrer aus Hawaii bot ihr darauf eine Arbeit als Tandempilotin an. Sie nahm das Angebot an und flog einen Winter lang mit Touristen und surfte.

Als sie im Frühling wieder in die Schweiz reiste, war sie schwanger. «Nun werde ich alleinerziehende Mutter, und muss mich von meinem Leben als Wettkampfpilotin verabschieden», sagte sie sich. Mit der Geburt ihrer Tochter Robyn (heute 16) sank ihre Risikobereitschaft. Sie, die eine sorglose Lebensweise gewohnt und ständig unter Leuten gewesen war, blieb plötzlich gern zu Hause. Als ihre Tochter zwei Jahre alt war, begann Carolyn Lansdell in Interlaken wieder zu fliegen. Sie hat sich als Tandempilotin für arabische Touristinnen etabliert. In den Ferien reist sie mit Robyn nach Alaska, Mauritius oder Hawaii.

Seit drei Jahren hat die gebürtige Baslerin ein zweites Standbein. Sie fährt teilzeit Postauto. Die Bergstrecke von Saxeten nach Wilderswil BE ist einspurig und voller enger Kurven. Das entspricht ihr. Und sie schätzt es, fast alle ihrer Fahrgäste persönlich zu kennen. Das Muttersein liess Carolyn Lansdell neue Prioritäten setzen. Plötzlich konnte sie sich vorstellen, das Wettkampffliegen aufzugeben und stattdessen Personen durch die Luft oder auf der Strasse zu transportieren. Heute ist sie dankbar, dass ihr «wertvolles Souvenir aus Hawaii» ihrem Leben eine Wende gab.

Tipp: Veränderung ist Leben und Leben ist Veränderung: Erkenne, wo sich eine Tür öffnet, und gib auf diesem Weg dein Bestes.

Die Kraft des Willens

Daniel Albrecht
Abfahrtsweltmeister Daniel Albrecht erlitt ein Schädelhirntrauma und lag drei Wochen im Koma. Nach einem kurzen Comeback beendete er seine Karriere. Heute ist er Mentaltrainer und arbeitet daran, das Bauen mit einheimischem Holz zu fördern.

Der Gedanke, Skirennfahrer zu werden, war früh da. Das sei kein Beruf, befand seine Lehrerin. Doch das war Daniel Albrecht (34) egal. Schon mit 14 Jahren entschied er sich, ein Sportgymnasium in Österreich zu besuchen. «Es war hart», erinnert er sich. «Aber es machte mich stark.» Dank seiner mentalen Stärke habe er als Rennfahrer Erfolg gehabt und es auch geschafft, nach seinem Sturz in Kitzbühel im Januar 2009 wieder gesund zu werden. Als er damals nach drei Wochen im Koma aufwachte, war alles weg: Erinnerungen, Gefühle, Worte. Es folgten lange Wochen kleiner Fortschritte. Er erkannte seine Kerstin (33) wieder, spielte mit ihr Eile mit Weile, konnte kurze Gespräche führen.

Noch im selben Jahr wollte Daniel Albrecht zurück auf die Bretter, «um seine Gefühle wiederzufinden.» Dachte er ans Skifahren, sah er sich auf dem Skilift. Die kühle, klare Luft, der Blick auf die Berge – dieses Bild war wunderbar positiv besetzt. Und schon bald war ihm klar: Er wollte wieder Rennen fahren. Er selbst hatte keine Erinnerungen an den Sturz, auch nicht, wenn er sich die Aufzeichnungen ansah, er verband sie emotional nicht mit sich. Doch in den Augen seiner Trainer sah er die Unsicherheit. Sie wollten ihn nach seinem Comeback schützen. So kämpfte er zwei Wochen vor seinem ersten Weltcup nach dem Sturz darum, überhaupt starten zu dürfen. Er schaffte schliesslich den überraschenden 21. Rang. Dennoch verpflichtete ihn sein Trainer zu einer Pause. Das war der Anfang vom Ende. Eine Knieverletzung bewog ihn zwei Jahre später zum endgültigen Rücktritt. Rückblickend bereut er, nicht auf sich selbst gehört zu haben. Deshalb ist sein Comeback für ihn, so wichtig es war, auch negativ besetzt. Nicht so sein Unfall. «Danach ging es nur aufwärts mit mir.»

Auf sein Karriereende blickt der Weltmeister ohne Wehmut zurück. Für ihn bedeutete es nicht den einen grossen Neustart. Vielmehr siet er sein Leben als eine Abfolge von vielen neuen Starts, die er immer gleich angeht: Schritt um Schritt, den Blick nach vorne. Er hat die Ausbildungen zum Mentaltrainer, zum Skilehrer und Skitrainer absolviert und schon wieder ein neues Ziel. Der Vater von Maria (1) möchte in Fiesch VS und Umgebung Häuser aus lokalem Holz bauen, in denen man sich wohlfühlt.

Tipp: Höre immer auf dich, denn was auch immer du entscheidest, du trägst die Folgen.

Nein zum Kampf mit Pflastersteinen

Adrian Oertli
Während Jahren marschierte Adrian Oertli an Demos am 1. Mai oder beim WEF vorne mit und schmetterte Pflastersteine gegen «kapitalistische Gebäude». Heute setzt er sich für Demokratie und Gewaltfreiheit ein und arbeitet als Psychotherapeut.

Jahrelang fühlte sich Adrian Oertli (37) als Mitglied einer linksextremen Gruppierung in Zürich sehr wohl. Die Zukunftsvision einer schönen, gerechten Welt und der Zusammenhalt in der Gruppe waren fast schon berauschend, erzählt er. In die Szene reingerutscht war er Anfang 20, als seine erste grosse Liebe zerbrochen war und er beim Übertritt an die Uni viele Freunde aus der Kantizeit verloren hatte. Durch die Gruppendynamik sei man zu illegalen Aktivitäten angestachelt worden, erzählt er. Adrian Oertli spricht von Mitkomplizenschaft, begleitet von einer Räuberromantik. Obwohl er Gewalt schon immer hinterfragt hatte, liess er sich dazu hinreissen, Pflastersteine gegen «kapitalistische Gebäude» zu werfen. «Wir mussten unsere Loyalität ständig beweisen.»

Äusserte er sich kritisch gegenüber Gewalt, hiess es: «Du bist so bürgerlich! Du studierst, dein Vater ist Unternehmensberater, du bist privilegiert aufgewachsen!» Lange glaubte er dies selbst. Sein Engagement in der Unipolitik stärkte jedoch sein Selbstvertrauen, und er liess seine kritische innere Stimme lauter werden. Als die Gruppe den Mord der Roten Brigaden am italienischen Regierungsberater Marco Biagi 2002 glorifizierte, wurde er erstmals wütend auf sie. Er wünschte eine Diskussion, doch diese wurde abgeklemmt, und er wurde gebeten zu gehen. «Damit brach der wichtigste Teil meines Lebens weg.» Er war desillusioniert und von Selbstzweifeln geplagt.

Nach Abschluss seines Studiums 2009 begann er sich mit der Psychologie von Sekten auseinanderzusetzen. Erst fünf Jahre nach seinem Ausstieg und nach intensivem Austausch mit Aussteigern aus Scientology, den Zeugen Jehovas und dem Rechtsextremismus kam er definitiv zum Schluss, selbst Teil einer Sekte gewesen zu sein. Das bewog ihn dazu, mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, um über die subtilen Mechanismen dieser Gruppierungen aufzuklären.

«Wir haben alle erlebt, wie schwierig es sein kann, Nein zu sagen», sagt Oertli. Die öffentliche Kritik hat einen hohen Preis: Man sieht ihn als Verräter und verweigert ihm den Kontakt. «Einige enge Freunde von früher vermisse ich sehr», sagt Adrian Oertli. Aktuell begleitet er in einem Teilzeitpensum Randständige bei den Sozialwerken Pfarrer Sieber und bietet Workshops zu gewaltfreier Kommunikation an. Daneben ist er in ganz Europa mit anderen Experten vernetzt, die Extremismus präventiv angehen wollen. Die Begegnungen sind eine grosse Bereicherung für ihn. «Gewalt ist ansteckend», sagt der Vater einer kleinen Tochter (1). «Aber Empathie auch.»

Tipp: Unterschätze niemals deine Macht: Jede kleinste deiner Regungen wird die Zukunft bis in alle Ewigkeit mitbestimmen.

Zu Gott gefunden

Albunit*
Albunit war der Schreck der Jugendanwaltschaft: Er konsumierte und dealte mit Drogen, klaute, landete im Gefängnis und machte einfach weiter. Bis er zu Gott fand.

Als Albunit (36, Name geändert) 12 Jahre alt war, zog er vom Kosovo nach Zürich. Er freute sich, endlich bei seinem Vater im «Land der feinen Schoggi» zu leben. Doch der Neuanfang war ein Kulturschock. Albunit kannte niemanden, sprach kein Deutsch und getraute sich nicht hinaus zu gehen und mit anderen Kindern zu spielen. Irgendwann lernte er ältere Mädchen und Jungs im Quartier kennen. Um dazuzugehören, begann er zu rauchen. Es blieb nicht dabei: Mit 13 Jahren kiffte und soff er, mit 14 kokste er, mit 15 konsumierte er Heroin. Die Clique brach Zeitungsautomaten auf, klaute Velos, prügelte sich. Als seine Familie umzog, war Albunit eine Zeit lang clean. Doch wieder fühlte er sich ausgeschlossen und minderwertig. Er erkannte die Kiffer in der neuen Klasse und schloss sich ihnen an. Als er sich den hohen Cannabis-Konsum nicht mehr leisten konnte, begann er Passanten auszurauben.

Weil ihn zwei der Opfer in einer Gegenüberstellung erkannten, landete er im Jugendgefängnis. Dort begegnete er Markus Giger, Gefängnisseelsorger und Leiter der Streetchurch, den er aus dem Kreis 4 der Stadt Zürich bereits kannte. Albunit war nicht nach einem Gespräch zumute, und der Pfarrer fragte: «Darf ich für dich beten?» Albunit dachte sich: «Der soll nur beten, dann hat er Freude und ich meine Ruhe.» Markus Giger hielt eine Hand gegen die Fensterscheibe zwischen ihnen, und Albunit hielt seine dagegen. Tränen liefen über seine Wangen. Es war das erste Mal seit langem, dass er Gefühle zuliess. Für einen kurzen Moment dachte er an seine Opfer und gab zu, sie überfallen zu haben. Doch die Reue währte nicht lange. Als Albunit aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, legte er noch einen Zacken zu. Es folgten drei Jahre im Heim, wo er eine Anlehre als Schreiner absolvierte. Als er die Institution verliess, wurde die Langstrasse sein Zuhause. Er jobbte als Hilfsarbeiter, schwindelte seinem Chef schon bald eine Rückenverletzung vor. Fortan finanzierte die Versicherung seinen Lebensunterhalt. «Das war mein Todesstoss», sagt Albunit rückblickend.

Albunits erster und sein letzter Gedanke am Tag galt den Drogen. Die Jugendanwaltschaft verlangte von ihm, dass er jede Woche zum Gespräch beim Pfarrer Markus Giger antraben musste. Doch auch dieser erreichte Albunit mit Worten nicht. Er übergab ihm eine Bibel und sagte: «Lies darin, wenn du in der Not bist.» Eines Nachts konnte Albunit nicht mehr schlafen, nicht mehr TV schauen, er zitterte am ganzen Körper. Verzweifelt griff er zur Bibel. «Wenn es dich wirklich gibt, Jesus, dann hilf mir jetzt», sagte Albunit. Albunit spürte eine plötzliche Wärme in sich, wurde geblendet und alles, was er bis anhin erlebte hatte, zog an ihm vorbei. Er war weg, schlief lange und tief und wachte mit einem klaren Kopf auf. «Diese Begegnung mit Gott war der Wendepunkt in meinem Leben», sagt er. Als er Markus Giger davon erzählte, meinte dieser: Nun musst du dich deiner Sucht stellen.» Nach sieben Wochen in einer christlichen Drogenentzugsklinik, lernte Albunit in der Drogen Reha wieder zu leben.

Als 23-Jähriger begann er, sein Leben aufzuräumen. Er entschuldigte sich bei seinen Opfern, erklärte seiner Versicherung, dass er sie betrogen hatte. Noch heute, 13 Jahre später, zahlt er monatlich Schulden zurück. Immer wieder fällt es ihm schwer, sein Leben zu packen. Dann ermutigen ihn Stellen aus der Bibel. «Wir Menschen suchen ein Leben lang nach Sinn und Liebe. Ich habe sie in Gott gefunden.» Heute arbeitet er Schicht als Medizintechniker im Raum Zürich. Er liebt seinen Job. Drogen hat er in all den Jahren nicht mehr angefasst.

Tipp: Glaube an dich und vertraue auf Gott, egal wie schwierig es gerade ist. Gib niemals auf!

Das Leben aufgeräumt

Therese Pavesi
Therese Pavesi führte ein Unternehmen und managte ihre Familie. Eines Tages ging nichts mehr, und sie landete in einer Burn-out-Klinik. Von dort aus krempelte sie ihr Leben um. Heute ist sie geschieden und fährt Taxi.

An einem Sonntag vor drei Jahren konnte Therese Pavesi (55) plötzlich nicht mehr. Sie war am Kochen für ihren Mann und ihre drei Teenager und weinte nur noch. Ihre Familie war erstaunt, denn keiner hatte bemerkt, dass es ihr schlecht ging. Sie hatte sich schon länger kraftlos gefühlt, konnte nur noch Tag um Tag hinter sich bringen. «Alles war ein Kampf», erinnert sie sich. Am folgenden Tag suchte sie ihren Hausarzt auf, und er wies sie notfallmässig in eine Klinik ein. Selbstzweifel plagten sie, alles erschien ihr hoffnungslos. «Erschöpfungsdepression» lautete die Diagnose. Ihr Tagesablauf in der Klinik war strukturiert, die vielen Gespräche mit Fachleuten bezeichnet sie rückblickend als «Schwerstarbeit».

In den zwei Monaten in der Klinik lernte sie viel über sich. Ihr wurde bewusst, wie sehr sie sich selbst schon immer unter Druck gesetzt hatte. Als Mädchen lernte sie früh, zu spuren und die Erwartungen zu übertreffen. Als Inhaberin eines Kurierdienstes in Winterthur ZH arbeitete sie 120 bis 150 Prozent. Sie war Schweizer Meisterin in Pétanque, setzte sich die Messlatte auch als Mutter und Ehefrau hoch. Obwohl ihr die Fachleute nahelegten, in der Klinik keine radikalen Entscheide zu fällen, war für Therese Pavesi bald klar: «Ich kann nicht zurück.» Ihr Zuhause bei der Familie war untrennbar mit Funktionieren verknüpft, die Beziehung zu ihrem Mann stark belastet. In den zwei Monaten in der Klinik begann sie, ihren Zusammenbruch auch als Chance zu sehen: «Jetzt kann ich mein Leben aufräumen.»

Sie trennte sich von ihrem Mann, mit dem sie 30 Jahre zusammen gewesen war, suchte sich eine eigene Wohnung und einen neuen Job. Heute fährt sie als Angestellte Taxi, macht die Disposition und erledigt Büroarbeiten für den Betrieb. Sie hört mehr auf ihre Bedürfnisse, sagt auch mal Nein. Ihre drei mittlerweile erwachsenen Söhne haben sie auf ihrem steinigen Weg unterstützt und besuchen sie regelmässig.

Im Film «Gleich und anders» und an Anlässen des Vereins «Gleich und anders Schweiz», erzählt Therese Pavesi ihre Geschichte, um anderen Betroffenen Mut zu machen und bei Angehörigen Verständnis zu schaffen. «Wer eine solche Episode erlebt hat, ist fragiler», sagt sie. Und sie kennt die Warnsignale bei sich, das psychische Flackern, wie sie es nennt. Ist Therese Pavesi antriebslos und lässt den Haushalt sausen, sucht sie Hilfe. Der Zukunft schaut sie zuversichtlich entgegen. «Ich bin gespannt, was noch kommt in meinem Leben.»

Tipp: Veränderungen brauchen Mut – sei ­achtsam mit dir! Nur du weisst, welcher Weg der richtige für dich ist.

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