25. März 2018

Shared Plates

Vom Büffet über die Tavolata zu Shared Plates, den Tellern zum Teilen: Ein lohnender Besuch im Belvedere in Locarno.

Shared Plates

Neulich im Restaurant: «Komm' doch zu mir 'rüber, dann bist Du näher an meinem Teller», witzel ich in Richtung meines Partners. Es ist eine Krux. Manchmal fällt unser Blick auf das gleiche Gericht auf der Speisekarte, aber weil wir gern noch etwas mehr Genuss aus dem Restaurantbesuch herauskitzeln möchten, bestellen wir unterschiedliche Gerichte und teilen mal mehr oder weniger brüderlich. Ich weiss, das geht nicht nur uns so. Deshalb werden Shared Plates, also Teller zum Teilen, immer beliebter.

Langweilige Bankettverpflegung am Büffet war gestern. Störköche und manche Landfrau verwöhnten Gäste an ihrer privaten Tavolate und dort war es oft so, wie es früher in Familien war: Alle bedienten sich aus der Schüssel oder von der Servierplatte. Nur dass es bei einer Tavolata üppiger zuging und man sich bisweilen an mittelalterliche Adelsfeste erinnert fühlte. Von der Üppigkeit her, nicht von den Speisen, wohlgemerkt. Man ahnte schon: Den Trend werden sich Restaurants gerne aufgreifen.

Zum Beispiel das La Fontana im Hotel Belvedere in Locarno. Dort war ich vor einigen Wochen mit einer kleinen Gruppe. Das modern eingerichtete Restaurant bietet neben einer A-la-Carte-Speisekarte auch eine Tavolata «come in famiglia» an. Das, was dort für 80 Franken pro Person geboten wird, lässt Geniesserherzen höherschlagen.

Es beginnt mit 5 Vorspeisenplatten, die üppig waren. Wir schwelgen in Crevetten, hausgeräuchertem Lachs mit Puntarelleherzen und Mandarinengelee. Die Gemüsebällchen und Falafel werden von feinen Salaten und Micro Greens begleitet, in diesem Fall pikante Radieschensprossen. Dazu eine Joghurtsauce. Alles wunderschön appetitlich angerichtet und geschmacklich auf den Punkt gebracht.

Wir sind schon fast satt von all den Leckerbissen, als der Hauptgang beginnt. Himmlische Ravioli mit Brasato-Füllung, Zanderfilet mit violetten Karotten sowie knusprig gerösteten Scheiben roter Polenta. Und selbst wenn jeder von uns daheim schon Polenta selbst zubereitet hat, schmeckt es im Tessin und in Gemeinschaft noch einmal so gut.

Kokosglace und Ananas
Fruchtmousse mit Meringue-Splittern

Zum Dessert gibt es – wie schon bei den Vorspeisen – fünf Platten mit Köstlichkeiten. Vom feinen Kokosglace mit Ananas über Schokoladentörtchen mit Passionsfrucht und Fruchtmousse mit Meringue-Splittern bis hin zum abschliessenden Käse, einem Testun in folie di tabacco – einem Käse in Tabakblättern, probieren wir alles. Nach dem obligatorischen Espresso sind wir uns einig: Der Abend wäre nicht so kulinarisch-kommunikativ gewesen, wenn jeder von uns à la Carte bestellt hätte. Wir finden: Noch schöner wäre die Tavolata auf der Terrasse mit dem namensgebenden Brunnen gewesen. Wie bei guten Freunden, aber zusätzlich mit Blick auf den See. Aber dafür war es selbst im sonnenverwöhnten Tessin definitiv noch zu kalt.

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