17. September 2019

Sex, Drugs & Bandenmorde

Unsere Stadt-Land-Kolumnistin findet: Für niemanden ist die Stadt so sicher wie für Landkinder. Auch wenn ihre Eltern das Gegenteil denken.

Sticker: More love, less fear
«Mehr Liebe, weniger Angst»: Die Stadt ist gar nicht so gefährlich, wie deine Eltern denken.
Lesezeit 2 Minuten

Samstagnacht. Unzählige Mütter und Väter machen sich Sorgen, denn ihre heranwachsenden Töchter und Söhne sind in der Stadt. «Passisch uuf!», haben sie ihnen noch nachgerufen, als sie sich im Partykleidchen und mit was auch immer vollgestopften Rucksäcken auf den Weg zum Bahnhof machten. Für Eltern auf dem Land sind Zürich, Bern oder Basel dunkelrote Flecken auf der Landkarte. Was dort alles passieren kann: Schlägerei! Drogen im Getränk! Bandenmorde! Und fahrsch nöd mit öpperem hei, wo trunke hed, gäll?!

Klar, in Städten gibt es mehr Kriminalität als im Berner Oberland. Ich selber fühle mich zwischen Hochhäusern und Fussgängerpassagen jedoch selten unsicher. Da sind ja überall Menschen. Nicht mal morgens um drei hat man seine Ruhe. Immer ist jemand in der Nähe, der im Notfall herbeieilen könnte. Ich wage sogar die These, dass in der Stadt niemand sicherer ist als Landkinder. Sie kommen nämlich erstens immer in Gruppen und bewegen sich zweitens in absolut vorhersehbaren Bahnen: Bahnhof–Club–McDonald’s–Bahnhof. Sie müssen keinen Nachhauseweg übers Sihlquai zurücklegen, besuchen keine illegalen Szenepartys im Nirgendwo.

Wenn ich mich unsicher fühle, dann nachts im Dorf. Stockdunkel ist der Weg vom Bahnhof nach Hause. Die Strassen sind völlig verlassen, keine Menschenseele weit und breit. Oder doch? Im nahen Gebüsch raschelt es; ein schwarzer Kater springt heraus. Hinter mir plötzlich Schritte. Blick zurück: ein Mann mit Kapuze. Ein netter Familienvater? Oder ein Massenmörder? Wobei «Mörder» schon reicht, da ist ja gar keine Masse. Panik ergreift mich, ich renne los. Völlig verschwitzt und ausser Atem komme ich zu Hause an. Das wäre mir in der Stadt nie passiert ...

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