01. Februar 2018

Selfies statt Sex

Der Black Rebel Motorcycle Club lanciert mit «Wrong Creatures» sein neues Album. Und Elena Bernasconi stellt fest, dass es besser ist, wenn Rockbands auf der Bühne die Hosen herunterlassen, als beim Check-in am Flughafen die Stiefel auszuziehen.

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Flughafen Zürich am Wochenende, ich stehe in der Schlange beim Security Check. Grässliches Licht, schlechte Luft und vor mir vier Männer, die versuchen, ihre Gitarren durch den Scanner zu schieben. Der Anblick einer Rockband in Socken am Economy-Gepäckband ging mir ans Herz. Die ganze Szene steht so klar im Widerspruch zu «Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll». Wahrscheinlich ist es 2018 nicht mehr so einfach, eine Rockband zu sein, wenn Rauchen out ist und Groupies statt Sex nur noch Selfies wollen. Cool sein ist trotzdem möglich. Beweisen tut das gerade der Black Rebel Motorcycle Club, aktuelles Album: «Wrong Creatures».

Es ist ein Genuss. Die Band aus Kalifornien bringt einen Sound, bei dem sich jedes der drei Mitglieder unverschämt rücksichtslos in den Vordergrund zu spielen versucht. Den Egoismus kann sich die Band leisten. Sie spielen so perfekt zusammen, dass sie wahrscheinlich auch noch Rückwärtssaltos und Kopfstände in den Auftritt einbauen könnten, wenn sie denn wollten. Black Rebel Motorcycle Club (BRMC) haben sich diese Vertrautheit hart erspielt.

Zu dritt als Highschool-Band, gestartet mit Gitarrist Peter Hayes, Bassist Robert Levon und Schlagzeuger Nick Jago, hatten sie schnell Erfolg. Der Durchbruch erfolgte 2002 nach dem Umzug von San Francisco nach Los Angeles. Erfolgreich waren BRMC zuerst in Europa, besonders in Deutschland und England. Als bekanntester Fan outete sich Noel Gallagher (Oasis). Anschliessend knackte die Band auch den US-Markt, tourte, spielte Album um Album ein und tourte dazwischen weiter. Offenbar lebte man den Rock’n’ Roll, die Lebensweise forderte schliesslich ihren Tribut: 2008 wurde Nick Jago wegen seiner Drogenprobleme aus der Band geworfen.

Seither sitzt die brillante Leah Shapiro (Raveonettes, Dead Combo) am Schlagzeug. Ruhig wurde es nicht: Wegen einer seltenen Hirnerkrankung (Chiari-Malformation) fiel Shapiro ab 2014 für längere Zeit aus. Die Band hielt zu ihr und ging mit ihr Stück für Stück den Weg zurück – zuerst auf Tour, dann ins Studio, wo Black Rebel Motorcycle Club rocken, als gäbe es kein Morgen. Oder wie es Bassist Been treffend beschreibt: «Als Band gehen wir zusammen durch die Hölle. Keine Ahnung, wie man sich dafür richtig kleidet ... Aber Leder passt normalerweise immer.» Genau. Und dazu bitte Socken ohne Löcher, für den Security Check am Flughafen.


Black Rebel Motorcycle Club, aktuelle Tourdaten

Album «Wrong Creatures» bei Ex Libris

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