26. Januar 2018

Seh- und Hörgewohnheiten von fünf Generationen

Wie unterscheidet sich der Medienkonsum eines 17-Jährigen von dem einer 62-Jährigen? Und wer stimmt wie bei «No Billag» ab? Wir haben Menschen aus fünf Generationen befragt. Und: Unten alle Infos zum «No Billag»-Dossier

TV- UND RADIOKONSUM: ZU WELCHEM TYP GEHÖREN SIE?

Wie und wann schaust du TV oder hörst Radio?

Simon Boge (17)

Simon Boge (17), Schüler, Oberwil-Lieli AG: «Etwa zweimal pro Woche zappe ich am TV durch die Kanäle, bis ich meist bei irgendeiner Sitcom hängen bleibe. Serien oder Filme, die ich wirklich sehen will, streame ich online auf dafür spezialisierten Portalen, das ist bequemer: Man kann schauen, wenn man Zeit und Lust hat. Auf SRF schaue ich eigentlich fast nur Fussball, das dann auch live am TV. Am allermeisten aber nutze ich Youtube. Radio höre ich gar nicht, für Nachrichten habe ich eine App auf dem Handy. Worum es bei der ‹No Billag›-Abstimmung geht, weiss ich nicht genau, aber ich darf ja eh noch nicht abstimmen.»

Sonia Barbosa (28)

Sonia Barbosa (28), Gesundheitswissenschaftlerin, Bern: «Das einzige, was ich auf SRF bzw. RTS schaue, ist ‹Game of Thrones›, jedoch immer zeitversetzt. Ausserdem habe ich Netflix abonniert, aber mehr als 30 Minuten pro Tag schaue ich das nicht. Radio höre ich online das amerikanische NPR sowie Podcasts. Zur Schweiz informiere ich mich über die Zeitung. Ich werde Ja stimmen bei ‹No Billag›. Ich finde, die Kosten sind zu hoch für ein veraltetes System. Und es stört mich, dass auch ärmere Leute zahlen müssen, selbst wenn ihnen SRF nicht wichtig ist. Zudem finde ich, dass jede Generation das bestehende System hinterfragen sollte. Diese Initiative tut das, auch wenn sie wegen der Passivität des Parlaments zu diesem Thema vielleicht etwas zu weit geht.»

Claude Sigg (49)

Claude Sigg (49), Jurist, Zürich: «Nach 22 Uhr zappe ich gern durch die Kanäle, bis ich irgendwo hängen bleibe, manchmal auch bei SRF. Was wir als Familie fast immer schauen, ist ‹SRF bi de Lüt›, ganz klassisch vor dem TV am Freitagabend. Auch Sport schaue ich bei SRF ab und zu live. Das Allermeiste, was ich sonst sehe, wie Filme oder Serien, kaufe ich online und sehe es auf dem Laptop an. Ich schaue weniger als 25 Prozent bei SRF. Aber ich höre relativ viel Radio, beim Kochen, im Auto – und das ist zu 80 bis 90 Prozent SRF. Bei der Abstimmung bin ich noch unentschlossen, tendiere aber zu einem Ja. Ich finde, dass es schon extrem viel Geld ist, um das Bewirtschaften von Minderheiteninteressen zu garantieren. Halb so viel würde es auch tun.»

Regula Knecht (62)

Regula Knecht (62), Primarlehrerin, Illnau-Effretikon ZH: «Ich schaue regelmässig SRF-Informationssendungen wie ‹10 vor 10› oder ‹Rundschau›, dazu Kultursendungen, Politdiskussionen und Dok-Filme. Normalerweise sehe ich sie live am Bildschirm, selten mal zeitversetzt oder auf dem Tablet. Ich zappe nicht, sondern schaue gezielt, was mich interessiert. Radio SRF begleitet mich ebenfalls regelmässig – zu Hause, im Auto und beim Vorbereiten in der Schule. Ich höre gerne die Musik der werbefreien SRF-Spartensender sowie Informationsendungen wie das ‹Echo der Zeit›, wo SRF eine Kompetenz hat, an die kein Privatradio herankommt. Ich werde bei der Abstimmung sicher Nein stimmen, auch aus staatspolitischen Gründen – Fernsehen und Radio SRF tragen zur Einheit und Balance dieses Landes bei. Mir käme es ja auch nicht in den Sinn, die Arbeitslosenversicherung oder das Krankenkassen-Obligatorium abschaffen zu wollen, nur weil ich beides bisher nicht in Anspruch nehmen musste.»

Max Leimgruber (85)

Max Leimgruber (85), pensionierter Verkaufsleiter, Suhr AG: «Ich schaue fast täglich die ‹Tagesschau› und ‹10 vor 10›, regelmässig auch die ‹Arena›, Naturfilme und Musiksendungen – alles immer live, zeitversetzt mag ich nicht, da kann ich auch am nächsten Tag die Zeitung lesen. Überwiegend schaue ich SRF-Sendungen, auch deren Radiokanäle laufen praktisch den ganzen Tag, wenn ich zu Hause bin, vor allem die Musikwelle. Ab und zu höre ich auch Radio Argovia, aber höchstens zu fünf Prozent. Streamen und downloaden tue ich nicht, ich habe ja nicht mal einen Computer. Für mich ist völlig klar, dass ich Nein stimmen werde, sogar zweimal, wenn ich könnte, aus staatspolitischen Gründen. Wenn die Initiative durchkäme, würde vieles kaputtgehen, das nicht kaputtgehen sollte.»

DAS «NO BILLAG»-DOSSIER

Das Interview mit Bundesrätin Doris Leuthard
Die Onlinekritik von Roger Schawinskis Buch
Das Happy Radio mit Menschen mit einem Handicap ist beim Ja gefährdet

So nutzen wir TV und Radio: Die Infografik (1440x960px JPG oder PDF mit 21x14cm )

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