01. Februar 2018

Schweizer Chefarzt im Olympia-Fieber

Für Patrik Noack haben die Olympischen Winterspiele längst begonnen. In Südkorea tut der sportliche Chefarzt des Schweizer Teams alles, damit Goldhoffnungen wie Dario Cologna fit bleiben und auftrumpfen können.

Patrik Noack bei Medbase
Patrik Noack mitten in den Vorbereitungen in seiner Medbase-Praxis in Abtwil SG.

Die Grippeimpfung nicht vergessen; nur das essen, was richtig gekocht ist; sich nicht ausserhalb des olympischen Dorfs verpflegen: Das sind die Tipps von Sportarzt Patrik Noack (44) für die rund 170 Schweizer Sportlerinnen und Sportler, die ab Freitag in Südkorea um Medaillen kämpfen werden.

Bereits zum sechsten Mal nimmt Noack als Chefarzt an den Olympischen Spielen teil. In Pyeongchang leitet er ein Team von acht Ärzten und zwei Dutzend Physiotherapeuten, die bei Verletzungen auf den Plan treten, aber auch generell auf die Gesundheit ihrer Schützlinge achten. «Die Luft ist kalt, die Schleimhäute sind ausgetrocknet, und im Athletendorf in Pyeongchang wohnen 7000 Menschen», sagt Patrik Noack und betont: «Unsere Hauptaufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Sportler bis zum Wettkampf gesund bleiben.» Laut IOK-Statistik kann bis zu einem Drittel der Athleten wegen einer Verletzung oder eines Infekts nicht die optimale Leistung abrufen. So gehen sechs stattliche Alukisten mit Medikamenten und Verbandsmaterial mit auf die Reise nach Asien.

«Die Spiele lösen Hühnerhaut aus»

Noacks Lohn für den Einsatz an den Spielen besteht darin, die Wettkämpfe live mitverfolgen zu können. «Ich habe schon während meines Medizinstudiums gemerkt, dass der Operationssaal nichts für mich ist. Aber die Spiele lösen bei mir noch immer Hühnerhaut aus», sagt der Ostschweizer aus Tübach SG am Bodensee und bis 2022 gewählte Chefmediziner, der gleichzeitig Leiter des Medbase-Zentrums für Medizin und Sport beim Hotel Säntispark in Abtwil SG ist.

Noack steht jeweils mit einem gut ausgestatteten Rucksack im Zielbereich. Übernachten wird er in einem Raum, der sich gleich neben dem Sprechzimmer befindet. Ein Notfalltelefon ist rund um die Uhr besetzt.

Für «Doc Noc», wie die Schweizer Langläufer ihren Verbandsarzt nennen, haben die Winterspiele aber bereits im Herbst begonnen, als er die Wettkampfstätten und olympischen Dörfer inspizierte. «Die Wettkampfanlagen haben mich beeindruckt. Sie sind hochmodern und mit Flutlicht ausgestattet», so Noack. «Das Angebot an Lebensmitteln, vor allem in den kleineren Läden, hat meine Erwartungen übertroffen. Wir sind deshalb mit weniger Material als geplant nach Asien gereist.»

Dennoch hat der Vertrauensarzt von Olympiasiegern wie Langläufer Dario Cologna glutenfreies Mehl, glutenfreie Teigwaren und eine Brotbackmaschine nach Pyeongchang transportieren lassen. Fleisch bekomme man vor Ort, schwieriger aber sei die Beschaffung von glutenfreiem Brot für Allergiker. Der Schweizer Skiverband sorgt ausserdem dafür, dass die Athleten sich fernab der Heimat mit Rivella, Ovomaltine und Müesli verpflegen können.

Patrik Noack ist an den Winter- und Sommerspielen im Einsatz: Hier im Bild mit Bikerin Jolanda Neff in Rio 2016 (Bild: Peter Klaunzer/Keystone).

Ein sportlicher Sportarzt

Patrik Noack ist selbst durch und durch ein Sportler: Als Junior lief er 1500 Meter in 3 Minuten und 57 Sekunden, er absolvierte die Spitzensportler-RS, konzentrierte sich nach einer Verletzung dann aber auf das Medizinstudium. Sein sportlicher Alltag ist heute klar strukturiert: montags um 6 Uhr schwimmen, einmal pro Woche Training auf dem Veloergometer in seiner Praxis in Abtwil, dreimal pro Woche Kraftübungen und zwei Joggingeinheiten.

Die dreifache Belastung Familie, Medbase mit Leitung eines 37-köpfigen Teams sowie der Job als Olympia-Chefarzt schafft er nur dank Mitarbeitenden und seiner Frau Andrea Noack Burri (41) – einer talentierten Triathletin, die am Ironman in Zürich eine Stunde schneller war als ihr Mann.

Der hat an bisher fünf Olympischen Spielen so einiges erlebt. Die schönsten Erinnerungen verbindet «Doc Noc» mit Vancouver im Winter 2010 und mit London im Sommer 2012. «Die Kanadier und die Briten tragen die Sportkultur und -begeisterung mit – vom Busfahrer bis zur Putzfrau. Im russischen Sotschi hat sich die Bevölkerung überhaupt nicht für die Spiele interessiert.» Enttäuscht spricht Noack auch über die Sommerspiele 2016 in Rio: Das Athletendorf sei «in der Pampa gewesen, das dort servierte Fleisch hart wie Schuhsohle», sagt er und lacht. Da die Organisatoren beim Zeitplan auf die amerikanischen TV-Stationen achteten, seien die Athleten teilweise erst nach ein Uhr nachts ins olympische Dorf zurückgekehrt.

An den Sommerspielen in London 2012, als «meine Form noch besser war», trainierte er sogar zusammen mit Triathletin Nicola Spirig. Allerdings habe er sich nach den ersten 800 Metern wegen übersäuerter Muskeln verabschieden müssen. An den Winterspielen in Südkorea werde er nun immerhin noch gemeinsam mit den Athleten essen. Er versuche dabei, über das Training zu reden, den Fokus auf den Wettkampf zu legen und motivierend zu wirken. Grundsätzlich sei es ein Vorteil, dass er selber gern Sport treibe. «Mit den Erfahrungen aus dem Sport komme ich glaubwürdig und auf Augenhöhe rüber.»

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