22. November 2017

Schlechtes Grosskind

Brave New Girl hat ein schlechtes Gewissen. Wie die meisten von uns.

Winkende Grossmutter
«Wann kommst du denn wieder?» (Bild: Pixabay.com)

Ich besuche meine Grosis viel zu selten und fühle mich furchtbar deswegen. Vor allem, weil ich nicht mal wirklich eine anständige Entschuldigung dafür habe. Die beiden wohnen eineinhalb Stunden von ­Zürich entfernt. Ich habe ein GA. Ich kann gehen. Und ich könnte mir – rein ­theoretisch – auch ab und zu mal einen Nachmittag für die Frauen, denen ich notabene mein Leben verdanke, freischaufeln.

Mit meiner wenig ehrenhaften Zeiteinteilung bin ich nicht allein. Fragt man die Menschen in seinem Umfeld, wie oft sie ihre Grosseltern besuchen, kann man zusehen, wie sich das schlechte Gewissen auf ihren Gesichtern breitmacht. Die Entschuldigungen sind immer dieselben. Meistens ists der Stress im Büro. Zugegeben: Besuche bei Grosseltern kommen bezüglich Action und Nervenkitzel nicht gerade an einen Thriller heran. Und ja, das vorübergehend beruhigte schlechte Gewissen wird einem mit der Standardverabschiedung «Wann kommst du denn wieder?» gleich wieder mitgegeben.

Aber so ein Besuch gibt einem viel. Mein Ostschweizer Grosi macht die besten Apfelküchlein der Welt und hat vor einigen Jahren noch gelernt, einen Computer zu ­bedienen – seither sind ihre Weihnachtskarten next level. Das andere Grosi riecht nach Lavendel und sieht aus wie eine Fee. Wenn ich mit beiden spreche, lerne ich meine Wurzeln, meine Familiengeschichte und mich selbst besser kennen. Das dürften 90 Zugminuten wert sein. 

Benutzer-Kommentare