13. Oktober 2017

Schlafende Katzen sollte man nicht wecken

Mein Liebster fürchtet, dass ich seinen Lover traumatisiere, wenn ich dessen Schlaf störe – doch ich kann oft einfach nicht anders.

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Wenn es um seinen Lover geht, macht mein Liebster mir allerlei Vorschriften: immer alle Türen offenlassen, damit der Kater durch alle Zimmer stromern kann; WC-Deckel zu, damit er nicht in die Schüssel steigt. Und wenn ich während der Abwesenheit meines Katzenfreundes die Verantwortung für den Strolch trage, muss ich das Raubtier genau nach seinen Instruktionen füttern. Ich halte mich in der Regel an das Diktat, alles andere wäre ein Scheidungsgrund.

Nur in einem Punkt gehorche ich nicht immer: Fidel nicht beim Schlafen stören! Das Phlegma schläft geschätzte 20 Stunden pro Tag, also praktisch immer. Es bei seinen Nickerchen zu unterbrechen, könnte das arme Kätzchen traumatisieren, ist mein Freund überzeugt.

Doch wenn der Pelz zusammengerollt auf dem Sofa liegt, sich sein Bauch mit stetem Rhythmus langsam hebt und senkt, kann ich oft einfach nicht widerstehen: Ich muss ihn hätscheln und tätscheln – und dann wacht er in der Regel auf.
Meine Schwäche erklärt sich durch Chemie: Wenn Menschen Katzen streicheln, produziert ihr Körper Oxytocin. Der Stoff ist auch als Kuschelhormon bekannt. In den Adern von Frischverliebten fliesst besonders viel davon. Damit erklären sich auch die euphorischen Glücksgefühle, die zuweilen blind machen. Ganz ohne Katzen. In geringeren Dosen senkt Oxytocin den Blutdruck, verlangsamt den Puls und reduziert Stress.

Dass ich meiner Gier nach dem Stoff vor allem nachgebe, wenn das Tier schläft, dafür habe ich eine Entschuldigung: Eine schlafende Katze ist die absolute Entspannung. Wenn ich sie im Moment der totalen Gelöstheit streichle, kriege ich davon sicher auch was ab – und mit der daraus folgenden Seelenruhe lässt sich selbst das Leben in Fidelhausen ertragen.

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